Januar 2012 - Unser Freund und Kollege Mark Berman von unserer amerikanischen Partnerorganisation Earth Island Institute (EII) war auf die Malediven gekommen, um die einheimische Naturschutzorganisation ECOCARE bei ihrem Kampf gegen eine geplante "Delfinlagune" zu unterstützen. Als unauffällige, friedliche Beobachter gingen sie am Montag gemeinsam zur Open-Air-Präsentation des Vorhabens. Dort wurden sie schon erwartet:
Mit Protestschildern gewappnete, von den künftigen Delfinariumsbetreibern offensichtlich angeheuerte Schläger bedrängten die kleine Gruppe und wurden handgreiflich. Einer drohte Berman gar damit, dass er nur noch am Leben sei, weil er in Begleitung Einheimischer sei. "Das Verhalten ist typisch für die Delfinarienindustrie. Sie schrecken vor Gewalt und Einschüchterung nicht zurück", sagt Berman.
Noch hat die Regierung des Urlaubsparadieses im Indischen Ozean nicht endgültig über den Antrag eines Privatmannes entschieden, der eine Lagune am Surfers‘ Beach pachten will, um ein mit Netzen abgesperrtes Delfingehege mit Shows und Schwimmprogrammen einzurichten. Die Tiere dafür würden wahrscheinlich aus der Karibik importiert, da Meeressäuger auf den Malediven seit 1993 gesetzlich geschützt sind und dort nicht getötet, gefangen und entnommen werden dürfen.
Die Delfinariumspläne stoßen nicht bei allen Inselbewohnern auf Zustimmung. Wegen ethischer Bedenken, aber auch aus Gründen des Artenschutzes und der mit Meeresanlagen verbundenen Umweltverschmutzung hat ECOCARE Maldives zusammen mit mehreren ortsansässigen Tauchschulen und Tauchverbänden eine Kampagne gegen die geplante Delfinlagune gestartet und sucht nun auch international Unterstützung.
Das EII könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. Es führt das Internationale Kontrollprogramm für delfinsicheren Thunfisch (SAFE) durch, das in Deutschland von der GRD umgesetzt wird und dem inzwischen weltweit an die 400 Firmen angeschlossen sind. Auch die 14 Firmen auf den Malediven, die ausschließlich Angelruten beim Thunfischfang einsetzen, sind nach den Bedingungen für "delfinsicher" des EII anerkannt.
Neben der Verpflichtung, keine delfintödlichen Methoden beim Thunfischfang einzusetzen, müssen sich diese Firmen und sämtliche dazugehörige Betriebe unter anderem auch aus dem Delfinhandel heraushalten. Da drei der maledivischen Firmen in staatlicher Hand sind, droht ihnen der Ausschluss aus dem SAFE-Kontrollprogramm und damit massive Absatzprobleme auf dem Weltmarkt, falls die Regierung die Genehmigung für die Delfinlagune erteilt.
Die zukünftigen Betreiber rechtfertigen ihr Vorhaben mit den üblichen Scheinargumenten wie Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung zum Schutz der Meeressäuger. Den Delfinen in der Lagune würde ein gesundes Leben geboten. Man würde sie täglich "spazieren führen", sie könnten aus der Lagune hinausschwimmen und würden dann mit einer Pfeife in die Lagune zurückgerufen, erklärte eine auf Anonymität bedachte Quelle der Journalistin der Zeitung Minivan News. Nur durch diesen nahen Kontakt könne man Menschen dazu bewegen, sich für den Schutz der Meeressäuger einzusetzen.
Bei der Delfinhaltung vor allem in Vergnügungsparks geht es vorrangig um eines, nämlich ums große Geld. Bis zu 300.000 US-Dollar bringt ein lebender Delfin den Händlern, Eintrittsgelder für Delfinshows und fürs Schwimmen mit Delfinen sind sprudelnde Einnahmequellen für die Betreiber.
Leidtragende sind die Delfine. In freier Wildbahn können die intelligenten Meeressäuger bis zu 50 Jahre alt werden, sie leben in komplexen Sozialverbänden und können täglich mehr als 100 Kilometer schwimmen.
In Gefangenschaft dagegen fristen sie ein tristes Dasein in reizarmer Umgebung, ihre Lebenserwartung ist durch stressbedingte Krankheiten und Depressionen stark verkürzt, sie leben in Zwangsgemeinschaften mit Artgenossen und können ihren Bewegungsdrang nicht ausleben. Eine artgerechte Haltung ist nicht möglich. Selbst die größte Anlage entspricht weniger als einem Tausendstel eines Prozents der Größe ihres natürlichen Lebensraums, erklärt die Delfinexpertin und Neurologin Dr. Lori Marino.
U.Kirsch
Um die Delfinlagune zu verhindern, hat ECOCARE eine Online-Petition sowie eine Facebook-Kampagne unter dem Motto "Don’t Cage Dolphins" gestartet:
Bitte mitmachen und weiterleiten!
-> -> Don’t Cage Dolphins auf Facebook
-> -> Online Petition von ECOCARE