Bis Ende Juli 2010 töteten Bewohner der Färöer-Inseln 674 Grindwale und 21 Rundkopfdelfine. Damit wurden allein in den letzten beiden Monaten doppelt so viele Meeressäuger abgeschlachtet wie insgesamt in 2009! Unter den mehr als 200 Grindwalen, die am 19. Juli in der Klaksvik-Bucht abgeschlachtet wurden, befanden sich auch viele trächtige Weibchen und Muttertiere mit ihren Jungen (Von April bis Juli gebären weibliche Grindwale in den Gewässern bei den Färöer-Inseln ihre Jungen und richten "Kinderstuben" ein.
Diente die Jagd auf die bis zu knapp acht Meter langen Grindwale (Globicephala melas) früher der Nahrungsbeschaffung, so ist sie heute zu einem alljährlichen sinnlosen Mordritual mit Volksfestcharakter geworden. Die Tiere werden in enge Buchten getrieben, wo die Jäger ihnen Eisenhaken ins Blasloch rammen, um sie orientierungslos zu machen und an Land zu ziehen, dann werden Rückgrat und Kopfarterien mit Messern durchgeschnitten. Noch lebend verbluten sie langsam. Wal- und Delfinfleisch gehören noch immer zum Speiseplan der Inselbewohner, auch wenn sie längst nicht mehr darauf angewiesen sind.
Die Regierung warnt inzwischen sogar vor dem Verzehr des durch die Verschmutzung der Meere hochgradig mit Umweltgiften verseuchten Wal- und Delfinfleischs, doch die Jagd geht weiter, noch...
Die Populationsgröße der Nordatlantischen Grindwale ist unbekannt. Sie sind durch internationale Abkommen, wie die Berner Konvention zum Erhalt der europäischen wild lebenden Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume sowie die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten streng geschützt.
Beide Abkommen wurden auch von Dänemark unterzeichnet und ratifiziert. Dänemark entzieht sich der Verantwortung, indem es auf den autonomen Status der Färöer unter der dänischen Krone hinweist. Doch ist Dänemark für das färöische Justizsystem zuständig, repräsentiert die Färöer auf internationaler Ebene und stellt jährlich Millionen von Kronen als Subventionen zur Verfügung.
Indem sie hunderte Tiere auf einmal töten, löschen die Färinger ganze Familien und soziale Gruppen aus. Abgesehen von der Grausamkeit dieser Methode vernichten sie damit Bausteine des Genpools und zerstören die genetische Vielfalt dieser Art.
Die GRD protestierte bei der dänischen Botschaft in Deutschland sowie beim Premierminister der Färöer und dem färöischen Fremdenverkehrsbüro und fordert ein Verbot dieser martialischen Waljagd.
Die GRD appelliert an die Verbraucher, keine Produkte der Färöer zu kaufen und die Inseln als Reiseziel zu meiden.
Ulrich Karlowski
Die Färöer-Inseln mit den zugelassenen "whaling bays"
von Dorete Bloch and Bjarni Mikkelsen, Museum of Natural History, FO-100 Tàrshavn, Faroe Islands
©Fotos Grindwale: EIA
©Foto Weißseitendelfine: Bjarni Mikkelsen
©Karte: Dorete Bloch and Bjarni Mikkelsen, Museum of Natural History, FO-100Tàrshavn, FaroeIslands