Die Project AWARE Foundation Europe unterstützt die Forderungen von GRD, NABU, GSM und VDST!Am 4. und wohl am 5. Juli soll in der Eckernförder Bucht die "4 Elements Challenge" stattfinden.
Dann werden 16 Taucher auf 4 mit 250PS-Außenbordern ausgerüsteten RIBs (Festrumpfschlauchboote) mit ohrenbetäubendem Lärm mitten durch eines der wichtigsten Aufzuchts- und Fortpflanzungsgebiete der vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswale, genau während deren Wurf- und Säugezeit rasen.
Die Boote erreichen Geschwindigkeiten von ca. 50 Knoten (92 km/h), gefahren wird mit ca. 35 kn (ca. 65 km/h). Bei diesen Geschwindigkeiten hat weder der Bootslenker eine Chance einem auftauchenden Schweinswal auszuweichen, noch haben die kleinen und langsam schwimmenden Schweinswalbabys oder ihre Mütter eine Chance, vor den heranrasenden Booten wegzutauchen.
Foto: "Schweinswal mit Schraubenverletzung"
© R. Hahn / GSM
Fundort: Eckernförder Bucht am Campingplatz
Karlsminde am 27.12.2008 | Dieser männliche
Schweinswal ist in eine Schiffsschraube gekommen, die ihn typischerweise über dem Blasloch getroffen
und das Nasensacksystem vollständig zerstört hat. Todeszeitpunkt: 23.-24.12.2008
Die "4 Elements Challenge":
Auf Intervention von GRD, GSM und NABU S-H haben sich bereits zahlreiche namhafte Sponsoren von der "4 Elements Challenge" zurückgezogen.
Der Veranstalter, das Baltic Dive Center, verlegte den ursprünglich in der Flensburger Förde geplanten Start zwar in die Eckernförder Bucht - was die Gefährlichkeit der Challenge für Schweinswale unserer Meinung nicht verminderte (siehe interaktive Karten zum Schweinswal-Vorkommen in der Ostsee des Bundesamtes für Naturschutz) - weigerte sich aber die Schnellboot-Rallye in einen für Schweinswale weniger kritischen Zeitraum zu verlegen. Zukünftig soll die 4 Elements Challenge sogar jährlich stattfinden!
Eine vergleichbare Veranstaltung der Firma "Supersail" vor Sylt (Artikel aus Die Welt v. 14.04.09 - pdf), die für Ostern geplant war, wurde nach heftiger Kritik von Naturschützern abgesagt. In der inneren Lübecker Bucht ist die Powerboot-Raserei bereits verboten.
Gefährdung von Schweinswalen:
Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 21.09.2007:
"Eine der besonders gefährdeten Tierbestände in deutschen Gewässern sind die Schweinswale der Ostsee: diese sind so weit zurückgegangen, dass sie mittlerweile als vom Aussterben bedroht gelten.
Der Schweinswal ist über die Bundesartenschutzverordnung und darüber hinaus durch die FFH-Richtlinie (92/43/EG) als eine besonders gefährdete Art der Anhänge II und IV geschützt. Über diese Rechtsvorgaben hinaus hat sich Deutschland völkerrechtlich im Rahmen des unter der Bonner Konvention geschlossenen Abkommens ASCOBANS zum Schuz und Erhalt von Schweinswalen und anderen Kleinwalen der Nord- und Ostsee verpflichtet."
Wie die seit vielen Jahren von der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) gesammelten Totfunde belegen, sterben Schweinswale auch bei Kollisionen mit schnellen Booten oder Schiffen.
So finden sich seit drei Jahren in den seit 1987 dokumentierten Totfunden von Schweinswalen zwischen Flensburg und Eckernförde vermehrt Tiere, die Verletzungen durch Schiffsschrauben aufweisen. Der Anteil liegt zwischen 2 und 4 %, und ist damit nach dem unbeabsichtigten Beifang in der Fischerei die zweithäufigste Todesursache von Schweinswalen in diesem Küstenabschnitt.
Die gemessene und bekannte Höchstgeschwingigkeit von erwachsenen Schweinswalen beträgt für eine kurze Zeitspanne etwa 6m/sec (ca. 22km/h, bzw. ca. 12 kn), eine Geschwindigkeit die viele Motorboote weit überbieten. Erfahrene Schweinswale kennen die Gefahr und vermögen ihr vermutlich rechtzeitig auszuweichen, auch dank ihrer Fähigkeit sozusagen "auf dem Punkt" zu wenden.
Sehr viel weniger Chancen auszuweichen, hat dagegen eine Schweinswalmutter mit ihrem Neugeborenen, wenn ein Speedboot, High-Speed-RIB, Powerboat, usw. auf sie zurast. Die durch Schiffsschrauben getöteten Schweinswale waren sämtlich entweder juvenil oder subadult.
Wie die meisten Zahnwale benutzen Schweinswale ein biologisches Sonar durch das Aussenden von Ultraschallklicks, um ein "Hörbild der Umgebung" zur Orientierung und Futtersuche zu erhalten.
Der von den hoch motorisierten Booten ausgehende Unterwasserlärm birgt erhebliche Risiken für die Tiere. Die Lärmemissionen übersteigen das Grenzpegeldiagramm der Schweinswale deutlich, was nach
heutigem Kenntnisstand zu vorübergehenden oder bleibenden Hörschäden führen kann. Abgesehen davon, dass ein Teil der Beutefische durch den Unterwasserlärm vertrieben wird, wird auch die innerartliche Kommunikation erheblich erschwert bzw. unterbunden.
Dies trifft besonders wieder die Schweinswalmutter, die während der ersten Stunden und Tage nach der Geburt den akustischen Kontakt zu ihrem Neugeborenen aufbaut, der für das weitere Überleben von entscheidender Bedeutung ist. Schon ab einer Entfernung von vermutlich nur 50 m können Mutter und Kalb einander nicht mehr hören. Auf sich allein gestellt haben Schweinswalkälber keine Überlebenschance!
- Interaktive Schweinswal-Sichtungskarte 2007 des Bundesamtes für Naturschutz (Habitat Mare)
- Interaktive Schweinswal-Sichtungskarte 2006 des Bundesamtes für Naturschutz (Habitat Mare)
- Schweinswale in Nord- und Ostsee
Bemerkenswertes:
Wie eine Bande Diebe in der Tiefe der Nacht starteten die 16 Teilnehmer der Challenge am 4. Juli versteckt und weitgehend unbemerkt erst gegen Mittag vom nördlichen Ende der Eckernförder Bucht in Langholz.
-> -> -> Artikel auf kn-online.de: Speedboote fuhren mit Polizeibegleitung
Am 02. Juli erteilte das Kieler Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume unter strengen Auflagen die Genehmigung für die "4 Elements Challenge". "Die Eckernförder Bucht ist für Schweinswale ein sehr wichtiger Lebensraum, in dem sie sich vergleichsweise stark konzentrieren. Außerdem bringen sie gerade jetzt ihre Kälber zur Welt und erkunden gemeinsam mit diesen ihren Lebensraum. Um die Tiere bestmöglich zu schützen, wurden in diesem Seegebiet so genannte FFH-Gebiete ausgewiesen", erläuterte Umweltminister Dr. Christian von Boetticher. Deshalb wurde dem "Baltic Dive Center" aus Kiel als Veranstalter zur Auflage gemacht, die maximalen Fahrgeschwindigkeiten weiter zu begrenzen: Innerhalb der Eckernförder und Kieler Bucht mit ihren FFH-Gebieten und hohen Schweinswaldichten sollen maximale Geschwindigkeiten von 16 Knoten gefahren werden, im Außenbereich der Eckernförder und Kieler Bucht mit geringeren Schweinswaldichten ist den Wettkampfteilnehmern eine maximale Geschwindigkeit von 24 Knoten gestattet.
Die Einhaltung der Auflagen soll durch begleitende Kontrollen der Wasserschutzpolizei gewährleistet werden. Damit musste die "4 Elements Challenge" sehr weit von ihren ursprünglichen Plänen („mit 50 Knoten im Tiefflug über die Ziellinie“ usw.) abweichen, um überhaupt noch stattfinden zu können.
-> -> -> Pressemitteliung des Ministeriums (pdf 54 KB)
Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) wird die Genehmigung für die "4 Elements Challenge" am 30.06.2009 schriftlich erteilen. Der Veranstalter hat eine Betriebsgenehmigung für die Außenbordmotoren vorgelegt, in der bescheinigt wird, dass es sich um normale Serienmotoren handelt, die keine besondere Gefährdung darstellen. Damit ist eine schifffahrtspolitische Genehmigung nicht zu versagen. Es wird betont, dass andere Gründe, die gegen diese Veranstaltung sprechen, davon nicht betroffen sind. Nach Informationen der Wasserschutzpolizei befürchtet man Aktionen und Blockaden gegen die Veranstaltung.
Am 18. Juni teilte uns das Büro von Undine Kurth MdB (Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen) mit: Zusammen mit den Grünen Rendsburg-Eckernförde und dem Landesverband S-H setzen wir uns gegen die Genehmigung der Rallye ein und prüfen diesbezüglich gerade, wie diese eventl. doch noch verhindert werden könnte.
Der Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) in Lübeck liegt der Antrag auf Genehmigung
der Veranstaltung zur Prüfung vor. Da das Amt nur verkehrsrechtliche Fragen zu prüfen hat,
wird wahrscheinlich eine Genehmigung erteilt werden müssen. Das Amt hat den Antrag aber
an das Umweltministerium weitergeleitet, mit der Bitte auf Untersuchung, ob umweltrechtliche Belange einer Genehmigung entgegen stehen. Die Stadt Eckernförde hat am 17. Juni ein Schreiben an die WSD versandt, mit der Bitte,
diese "umweltbelastende Form von Freizeitvergnügen" nicht zu genehmigen.
Lesen Sie dazu auch "Mit dem Presslufthammer im Kreißsaal", Presseerklärung (pdf) von Detlef Matthiessen, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landatg von Schleswig-Holstein vom 09.06.2009: Hier darf sich auch Umweltminister von Boetticher nicht vor seiner Verantwortung drücken. Vielmehr müssen die Veranstalter eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen, um nachzuweisen, dass von dem Rennen keinerlei Gefährdung oder Beeinträchtigung der Schweinswale zu erwarten ist. Wir werden dazu Akteneinsicht in das Genehmigungsverfahren beantragen....
Thomas Dederichs, Vorstand der Bts® Europa AG, die mit den Marken DUI und HALYCON zu den wenigen noch verbliebenen Sponsoren der 4 Elements Challenge gehört, ist als Ratsmitglied der Partei Bündnis/Die Grünen im Gemeinderat der Gemeinde Jüchen aktiv.
Auf der Webseite der "4 Elements Challenge" wurde bis Mitte Juni mit einem Video für den Event geworben. Ab Minute 1:50 im Video wird das Lied "Turn the sky" von Angelzoom / Claudia Uhle eingespielt. Die Künstlerin bedauert sehr, dass ihre Musik unrechtmäßig für ein solches "Ereignis" verwendet wird!
Auf shz.de (Schlewsig-Holsteinischer Zeitungsverlag) und auch auf KN-Online hat sich eine interessante, teilweise skurile, Diskussion rund um die 4 Elements Challange entwickelt. Darin berichtet ein Sporttaucher: "Was mir zusätzlich als aktivem Sporttaucher nicht gefällt, ist das Risiko, dem sich die Teilnehmer aussetzen. Tauchen ist ein Natursport. Neben dem leisen Bewegen in einem interessanten Medium mit Wracks , Tier- und Pflanzenwelt geht es auch darum, Ruhe zu haben und zu bekommen. Es gibt auch von jedem Verband Empfehlungen zum Umweltgerechten Tauchen. Das hat Sinn!
Deshalb sollten sich auch alle Taucher daran halten Und erst recht Tauchlehrer sollten da mit gutem Beispiel vorangehen! Stress beim tauchen kann tödlich sein. Die Ausrüstung wird zu schnell und vielleicht fehlerhaft zusammengebaut, jeder weiß, wie einem die Puste geht, wenn man schnell, schnell macht. Dadurch steigt die Zahl der in den Organismus wandernden Gase. Und was passiert mit viel Pech, wenn man schnell zu einem Wrack taucht, schnell seine neuen Koordinaten sucht, schnell wieder auftaucht, schnell aufs Boot krabbelt, schnell über die Wellen "hüpft", um zum nächsten Spot zu kommen? Man wird zu einer menschlichen Sprudelflasche. Schüttel die mal und mach sie auf. Da ist "Bubbleparty" angesagt! Manche schaffens mit einem "Dekompressionssymptom", zu überleben, manche leider nicht."