Sechs Besucher haben in einem flachen Becken stehend einen Kreis gebildet, ein Großer Tümmler ist in der Kreismitte und katapultiert sich gerade mit einem Seitwärtssprung halb aus dem Wasser.

Nachfolgend geben wir eine Zusammenfassung von Infektionsrisiken für den Menschen wieder, die von direkten Kontakten mit Meeressäugern ausgehen können. Es soll dadurch weder ein Angstszenario aufgebaut noch die großartige Faszination dieser wunderbaren Tiere geschmälert werden. Betont werden muss, dass die dargestellten Infektionsrisiken und Gefahren besonders in Delfinarien wesentlich höher sind als in freier Wildbahn, z.B.:

  • ungenügend gefiltertes Wasser
  • hoher Anteil an Fäkal- sowie Fäulnisbakterien durch Nahrungsreste
  • höheres Erkrankungsrisiko für die Tiere durch nicht natürliche Lebensbedingungen und damit erhöhtes Risiko, auf bereits erkrankte Tiere zu treffen
  • höheres Aggressionspotenzial durch künstliche Gefangenschaftssituation erhöht das Risiko von Bissen und Verletzungen
  • an Beckenrändern aus Beton besteht das Risiko von Hautabschürfungen und offenen Wunden, in die im Wasser befindliche Krankheitserreger eindringen können

Um das Risiko schwerer Infektionen zu minimieren und um eingetretene Infektionen zielgerichtet einzudämmen, ist es wichtig, dass Personen, die mit Meeressäugetieren umgehen sowie die betreffenden Humanmediziner sich über die mikrobiellen Risiken beim Umgang mit Meeressäugetieren bewusst sind.

Für Personen, die mit Meeressäugetieren direkten Kontakt haben, besteht die Gefahr einer mikrobiellen Infektion sowohl durch eine Vielzahl von Mikroorganismen, die üblicherweise in einem Aquarium oder in Meerwasserumgebung auftreten, als auch durch Mikroorganismen, die zur normalen Flora der Meeressäuger gehören, sowie zusätzlich durch pathogene Mikroorganismen, an denen Meeressäuger erkranken können.

Infektionen können beim Menschen zusätzlich durch indirekte Übertragungen wie vom Blas der Tiere transportierten Aerosolen, mit Urin und Fäkalien kontaminiertem Wasser oder durch das Anfassen von Futterbehältern ausgelöst werden.

Bakterielle Infektionen: In Hautwunden von Meeressäugern wurden u.a. folgende pathogene Erreger gefunden:

  • Streptokokken -> u.a. Halsentzündung, Scharlach, Lungenentzündung
  • Staphylokokken -> u.a. Meningitis, Lungenentzündung, Nieren- und Wundinfektionen)
  • Pseudomonas -> Auslöser von Atemwegserkrankungen wie der Legionärskrankheit oder chronische Lungeninfektionen
  • Aeromonas -> Durchfall, Wundinfektionen, Harnwegsinfektionen
  • Erysipelothrix -> Hautreizungen
  • Vibrio -> u.a. Cholera, Wundinfektionen, schwere Sepsis (bei in Gefangenschaft lebenden Delfinen in Hawaii wurden 15 Vibrio spp. Arten isoliert, Anmerkung von Lolita Rescue Project)
  • Clostridien -> u.a. Tetanus
  • Mykobakterien -> Hautinfektionen, Tuberkulose

Virale Infektionen
Meeressäugetiere erkranken auch an Virusinfektionen und Infektionen, von denen man annimmt, dass sie von Viren ausgelöst werden... viele dieser Erreger sind potenziell auch für den Menschen gefährlich... Auch wenn viele dieser Erreger erst vor kurzem identifiziert wurden, so sind die Krankheiten, die sie auslösen, nicht neu...

Ein Pocken ähnliches Virus wurde in einer aus einer Delfinniere gewonnen Zelllinie gefunden... Verschiedene zur Gruppe der Herpesviren gehörende Viren wurden isoliert...

Bei einigen Krankheiten wie Tollwut sollte man meinen, dass das Risiko einer Übertragung durch ein Meeressäugetier praktisch nicht existiert. Jedoch gibt es einen bei einer wild lebenden Robbe dokumentierten Tollwutfall. Sämtliche Meeressäuger können Tollwut übertragen und Personen, die mit wild lebenden Meeressäugern umgehen und in Kontakt kommen, müssen sich dieses Risikos bei der Planung ihrer Vorbeugeimpfungen bewusst sein oder Bisswunden entsprechend behandeln lassen.

Ein Rotavirus ähnliches Agens wurde von einem Seelöwen isoliert. Beim Menschen können Rotaviren Magendarminfektionen auslösen, die zu schweren Durchfallerkrankungen bei Kleinkindern führen.

Pilzerkrankungen
Bei Delfinen wurden zahlreiche Mikroorganismen, die man eigentlich in einer Salzwasserumgebung nicht erwarten würde, isoliert.

Blastomycose
Pilzerkrankung, die Haut, Schleimhaut, Lymphknoten und innere Organe befällt) und andere Pilzerkrankungen von Meeressäugetieren stellen ein potenzielles Gesundheitsrisiko für Trainer und Pfleger dar. Es ist bekannt, dass verschiedene Meeressäugerarten an verbreiteten Hefepilzerkrankungen starben und es ist ein Fall dokumentiert, bei dem ein Trainer sich von einem Delfin mit Blastomycose ansteckte...

Im Wasser von Aquarien (Delfinarien) finden sich üblicherweise verschiedene Candida-Arten (Hefepilze, die u.a. Infektionen der Schleimhäute und Haut hervorrufen können).

Aus dem "CRC Handbook of Marine Mammal Medicine; Health, Disease and Rehabilitation" von C.D. Buck & J.P. Schroder ; ISBN 0849308399; 2te Ausgabe; 2001
Auszüge zusammengestellt vom Lolita Rescue Project

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