Delfinmutter mit Baby schwimmen synchron. Wenn Große Tümmler (Tursiops truncatus) an der Wasseroberfläche voller Eleganz ihre artistischen Sprünge, Drehungen oder Saltos vollführen, dann haben sie nicht einfach nur Spaß, wollen ein Weibchen beeindrucken oder einem Konkurrenten imponieren, sie setzen dabei auch ähnliche Verhaltensstrategien wie Menschen bei der Benutzung von Sprache ein.

Das meinen jedenfalls Wissenschaftler von der Polytechnischen Universität von Katalonien und der Universität von Aberdeen in Schottland, die in einer gemeinsamen Studie Ähnlichkeiten zwischen den Bewegungsmustern der Tümmler und der Struktur der menschlichen Sprache erkannt haben.

Die Forscher stellten bei den von ihnen beobachteten Delfinen ein Repertoire von rund 30 spezifischen Bewegungsmustern fest, die sich aus mehreren Grundfiguren zusammensetzen und wie einzelne Buchstaben zu einem Wort, bestehend aus einer bis vier Grundeinheiten, kombiniert werden. Das Bewegungsmuster, welches von den Wissenschaftern zum Beispiel "Spion-Sprung" genant wird, soll aus drei Bewegungseinheiten bestehen: "Stopp", "zeigen" und "Kopf".

Und was hat der "Spion-Sprung" der Delfine nun mit der menschlichen Sprache zu tun? Der amerikanische Linguist George K. Zipf analysierte in den 1930er Jahren die Häufigkeit des Auftretens von Wörtern in Texten und stellte dabei fest, dass es einen Zusammenhang zwischen der Länge eines Wortes und seiner Häufigkeit gibt: So werden kurze Wörter in nahezu allen Texten sehr viel öfter eingesetzt als vielsilbige. Dieses auch als Zipfsches Gesetz bezeichnete Prinzip soll aus der Notwendigkeit einer möglichst effizienten Nutzung von Sprache heraus entstanden sein.

Den Delfinforschern gelang nun der erstaunliche Nachweis, dass auch bei den von ihnen beobachteten Großen Tümmlern die Häufigkeit der einzelnen gezeigten Bewegungsmuster dem Zipfschen Gesetz gehorcht: Einfache Bewegungsmuster wurden wesentlich häufiger gezeigt als komplexe, aus mehreren Bewegungseinheiten bestehende – letztere sind für die Delfine allerdings auch wesentlich energieaufwendiger und könnten schon allein deshalb seltener gezeigt werden, ein Wort spricht sich einfacher als ein mehrfacher Salto gesprungen ist.

Dennoch sind sich die Wissenschaftler sicher, dass die Verhaltensstrategien der von ihnen beobachteten Delfine beim Springen, Drehen oder Saltoschlagen jenen ähnlich sind, die Menschen bei Wörtern benutzen.
© U. Karlowski, August 2009

INGRID braucht Hilfe

Unterwasseraufnahme des Mosambik Patendelfins INGRID, Nahaufnahme des Kopfes, in ihrer Schnauze hält sie einen kleinen runden Fisch.

Ingrid ist ein Weibchen und wurde 2006 identifiziert. Sie wurde nach einer Frau benannt, deren letzter Wunsch es war, einmal mit Delfinen zu schwimmen. Ingrid verbrachte besonders viel Zeit mit ihr, als ob sie die ungewöhnliche Situation spürt...

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