Mit ihren überragenden Sinnesleistungen verblüffen die sich vornehmlich akustisch orientierenden Delfine ein ums andere mal. Für hauptsächlich optisch ausgerichtete Lebewesen, wie Menschen, ist ein "Sehen" mit den Ohren kaum nachvollziehbar.

Mit ihrem ausgefeilten und hoch entwickelten Sonarsystem können Delfine ihre Umwelt dreidimensional erfassen, sie können damit nicht nur organische Körper durchdringen (scannen), sondern auch anorganische Materie, wie z.B. Sand am Meeresboden, und dort eingegrabene Fische lokalisieren, um sie dann zu verspeisen. Sie "sehen" hinter selbst erzeugte Blasenschleier, wozu selbst die besten technischen Sonare nicht in der Lage sind. Sie finden sich in ihrer Umwelt auch dann noch extrem gut zu Recht, wenn es dort trüb und dunkel ist - was sehr oft der Fall ist. Sie schlafen nur mit einer Gehirnhälfte und zumindest bei einer Art glauben Forscher sogar einen Elektrosinn entdeckt zu haben.

 

Ein Großer Tümmler transportiert ein Stück einer Wasserpflanze im Maul. Delfine befassen sich eingehend damit, Interessantes in ihrer Umwelt zu entdecken und zu nutzen. Bekannt ist der Einsatz von weichen Schwämmen, die, auf die empfindliche Schnauze gesetzt, diese beim Stöbern nach in spitzkantigem Fels verborgener Nahrung vor Verletzungen schützen, scheinbar zielloses Herumtragen von Algen auf dem Kopf, wohl spielerisches Herumwerfen von erbeutetem Fisch oder das geschickte Wiedereinsammeln von Plastikteilen mit den Flippern, die vorher im Maul transportiert wurden.

Jetzt haben japanische Wissenschaftler erstmals beobachtet, dass Große Tümmler (Tursiops truncatus) beim objektbezogenen Spiel ihr Umweltmedium verändern.

Ein Großer Tümmler mit halbem Körper aus dem Wasser und geöffnetem Maul.Obwohl Delfine und Primaten in ganz unterschiedlichen Lebensräumen zu Hause sind, unterscheiden sie sich bei der optischen Wahrnehmung ihrer Umwelt nur wenig. Das berichten japanische Forscher um Masaki Tomonaga von der Universität Kyoto in der Fachzeitschrift "Scientific Reports".

Allerdings gilt diese Aussage mit Einschränkungen nur für in Gefangenschaft gehaltene Delfine und nur für die häufigste Art, den Großen Tümmler (Tursiops truncatus).

Ob sich die japanischen Forschungsergebnisse auf wilde Delfine aller Arten übertragen lassen, wird man wohl nie herausfinden können. Im Grunde gilt die zumindest für die Wissenschaft neue Erkenntnis auch nur für die drei Tiere, die an dem Forschungsprojekt aus dem Aquarium von Nagoya teilnehmen mussten, ob sie wollten oder nicht.

Ein Delfin schwimmt um einen Taucher vor einem Korallenriff, viele Luftblasen steigen hinter dem Delfin auf. Delfine setzen – wie Buckelwale - bei der gemeinsamen Jagd auch Vorhänge aus aufsteigenden Luftblasen ein. Mit derartigen Blasenschleiern kreisen sie einen Fischschwarm ein, um dann durch ihn hindurch zu schießen und sich gezielt einen Fisch nach dem anderen heraus zu holen.

Doch wie ihnen eine derart genaue Unterwasserortung möglich ist, war bislang rätselhaft, denn technisch sind Delfin-Sonare den besten von Menschen konstruierten Echoloten nicht überlegen.

Allerdings verrauschen Luftblasen im Wasser das Signalbild selbst der besten Echolote, während die intelligenten Meeressäuger ihr eigenes Echolotbild scheinbar absichtlich stören, ihre Zielobjekte aber trotzdem exakt erfassen können.

Sechs Delfine verharren fast senkrecht übereinander.Mit Hilfe ihres den Fledermäusen ähnlichen, aber noch ausgefeilteren Echolot-Ortungssystems können Delfine sich in ihrer Umwelt auch dann noch extrem gut zu Recht finden, wenn es dort trüb und dunkel ist - eher die Regel, denn die Ausnahme in ihrem Lebensraum.

Bereits 2007 konnten Forscher der Universität Hawaii an einem in Gefangenschaft gehaltenen Großen Tümmler zeigen, wie präzise das Echolot-System arbeitet.

Die Tiere sind in der Lage, auf einen Meter Entfernung Gegenstände bis auf einen Zentimeter genau zu orten.

Drei Delfine drängen sich dicht an die Beckenwand eines Delfinariums.Gleich mehrfach haben Wissenschaftler mit ethisch und wissenschaftlich reichlich fragwürdigen Versuchen Selbstverständlichkeiten eines Delfin-Lebens nachgewiesen. Die Meeressäuger schlafen nie vollständig ein, eine ihrer beiden Gehirnhälften ist auch während der Schlaf- und Ruhephasen hellwach – das muss sie auch.

Da Delfine ihre Atmung bewusst steuern, wäre ein vollständiger Tiefschlaf beider Gehirnhälften, wie beim Menschen, tödlich. Beide Gehirnhälften wechseln sich beim Schlafen ab, die Tiere können so tagelang rund um die Uhr wachsam sein.

Den Anfang der Schlafforschung machte 2009 ein internationales Forscherteam um Sam Ridgway vom US Space and Naval Warfare Systems Center in San Diego. Sie trainierten die Tümmler "Nay" und "Say" (Männchen und Weibchen) darauf, auf einen 1,5 Sekunden langen Pfeifton zu reagieren. Auf den Pfeifton hin mussten die Meeressäuger zu einem Paddel schwimmen und es mit der Schnauze anstoßen. Im Zuge ihres Experimentes wurde registriert, wie schnell die Delfine reagierten.

Die Wahrnehmung schwacher elektrischer Felder ist bei Fischarten wie Welsen, Rochen und besonders Haien, die magnetische Felder erkennen und sich auf ihrem Weg durch die Ozeane am Magnetfeld der Erde orientieren können, schon lange bekannt.

Bei Delfinen wurde bislang davon ausgegangen, dass sie nicht über diesen ganz speziellen und im Tierreich recht seltenen Sinnesapparat verfügen, der z.B. bei Säugetieren bislang nur bei Schnabeltieren und Ameisenigeln nachgewiesen wurde. Doch jetzt scheinen Delfine und Haie eine weitere Gemeinsamkeit zu haben, denn deutsche und US-Forscher haben den Elektrosinn bei einem aus Südamerika stammenden Guyana-Delfin, auch Amazonas-Sotalia (Sotalia fluviatilis) genannt, nachgewiesen.

Gilly braucht Hilfe

Mosambik Patendelfin GILLY schwimmt in rauer See mit einer Welle, Kopf und Rückenfinne sind sichtbar.

Gilly ist ein Weibchen. Sie wurde im Juli 2003 identifiziert und ist sehr neugierig und gesellig. Gilly ist zweifache Mutter, 2007 brachte sie das Delfinmädchen "Gulliver" zur Welt, 2010 "Gypsy".

⇒ Video "Gulliver und Gilly beim Spiel mit Artgenossen und einem Kugelfisch"

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Indopazifischer Großer Tümmler. Foto: DWA / Angela Ziltener