Drei Delfine drängen sich dicht an die Beckenwand eines Delfinariums.Gleich mehrfach haben Wissenschaftler mit ethisch und wissenschaftlich reichlich fragwürdigen Versuchen Selbstverständlichkeiten eines Delfin-Lebens nachgewiesen. Die Meeressäuger schlafen nie vollständig ein, eine ihrer beiden Gehirnhälften ist auch während der Schlaf- und Ruhephasen hellwach – das muss sie auch.

Da Delfine ihre Atmung bewusst steuern, wäre ein vollständiger Tiefschlaf beider Gehirnhälften, wie beim Menschen, tödlich. Beide Gehirnhälften wechseln sich beim Schlafen ab, die Tiere können so tagelang rund um die Uhr wachsam sein.

Den Anfang der Schlafforschung machte 2009 ein internationales Forscherteam um Sam Ridgway vom US Space and Naval Warfare Systems Center in San Diego. Sie trainierten die Tümmler "Nay" und "Say" (Männchen und Weibchen) darauf, auf einen 1,5 Sekunden langen Pfeifton zu reagieren. Auf den Pfeifton hin mussten die Meeressäuger zu einem Paddel schwimmen und es mit der Schnauze anstoßen. Im Zuge ihres Experimentes wurde registriert, wie schnell die Delfine reagierten.

Leiden für die Wissenschaft: Dauerbeschallung im Betonbecken
Anschließend wurden die Becken mit leisen kurzen Tönen von einer halben Sekunde Dauer im Abstand von 30 Sekunden fünf Tage lang beschallt. Immer wenn die Forscher im Lauf der fünf Tage einen der 1,5 Sekunden langen Pfeiftöne einstreuten, reagierten die Delfine sofort – und zwar am Ende der Zeitspanne noch ebenso prompt wie zu Anfang. "Selbst nach fünf Tagen waren die Delfine noch so aufmerksam wie zu Beginn des Experiments", berichten die Forscher. Einen leichten Durchhänger zeigten sie nur nachts, wenn sie normalerweise eine Ruhepause einlegen - insbesondere das Weibchen reagierte dann etwas langsamer auf die Signale. Blutuntersuchungen lieferten angeblich keinerlei Hinweis darauf, dass sie trotz der ständigen Wachsamkeit unter Schlafentzug oder erhöhten Stress litten.

Mustererkennung im Halbschlaf
In einem weiteren von Ridgway entworfenen Experiment mussten die Tiere mit einem Auge komplizierte Muster erkennen, die sie zuvor nur mit dem anderen zu sehen bekommen hatten. So untersuchten die Wissenschaftler die Fähigkeit von Delfinen, jeweils nur eine ihrer beiden Hirnhälften schlafen legen zu können. Zum Erstaunen der Beteiligten zeigte sich, dass die Tiere zu jeder Zeit des fünftägigen Experiments Muster mit dem rechten Auge erkennen konnten, auch wenn sie sie zuvor nur mit dem linken Auge zu sehen bekamen. Da die Augen bei Delfinen seitlich stehen, war ausgeschlossen, dass die Tiere die Muster jeweils mit dem anderen Auge erkennen konnten. "Wahrscheinlich werden die Informationen über die Struktur der beobachteten Muster über die Querbahnen (Kommissuren) ausgetauscht, die die rechte und linke Hirnhälfte miteinander verbinden", berichteten die Forscher.

Echolot immer im Einsatz
Einen weiteren Versuch, das Schlafverhalten von Delfinen zu entschlüsseln unternahmen im Jahr 2012 Wissenschaftler um Brian Branstetter von der National Marine Mammal Foundation in San Diego (US-Staat Kalifornien). Auch sie setzten lediglich zwei Große Tümmler ein, ein 30 Jahre altes Weibchen und ein 26-jähriges Männchen. Bei ihren Schlafstörungsversuchen stellten die Forscher fest, dass die Tiere während der Schlafphasen kontinuierlich Echolot-Signale aussenden, um sich zu orientieren, Objekte aufzuspüren oder Kontakt zu ihren Artgenossen zu halten. Und das mindestens 15 Tage lang – ein anderes als dieses Ergebnis wäre auch mehr als verwunderlich gewesen.

Delfine im Dauertest und Dauerstress?
Jeweils einer der Delfine musste in einem mit einer speziellen Testanlage ausgestatteten Meerwasserbassin bestimmte Ziele finden. Bei einem Treffer gab es zur Belohnung einen Fischhappen. Jedes Tier absolvierte drei fünftägige Tests, wobei sie nur leichte Ermüdungserscheinungen zeigten und mit einer Trefferquote von 75 bis 86 Prozent für das Männchen und von 97 bis 99 Prozent beim Weibchen sehr gute Leistungen an den Tag legten. Besonders motiviert sei das Weibchen gewesen, berichten die Forscher, es reagierte teilweise mit "Sieges-Quietschlauten" auf richtige Treffer. Daraufhin entschlossen sich die Forscher, sie in einem Langzeitversuch, der schließlich nach 15 Tagen wegen einer Sturmwarnung abgebrochen werden musste, zu testen. Über den gesamten Versuchszeitraum hinweg setzte sie ihr Echolot ein und erfüllte ihre Aufgaben mit erstaunlicher Präzision.

Fragwürdige Ethik, fragwürdige Versuche
Diese extrem lange Aufmerksamkeitsspanne sei eine natürlich Folge des "Halbseitenschlafs" meinen die Forscher – es wäre auch reichlich fatal, wenn Delfine während der Schlaf- und Ruhephasen ihr Orientierungs- und Ortungssystem nicht benutzen würden. Abgesehen von der ethischen und wissenschaftlichen Fragwürdigkeit derartiger Versuche mit nur zwei und dann noch aus Gefangenschaft stammenden Tieren von einer Delfinart, steht hinter der Erkenntnis, dass "Delfine auch im Halbschlaf wachsam bleiben", nichts wirklich Erstaunliches oder Neues - abgesehen davon, dass es schon extrem wagemutig ist, vom Verhalten zweier Großer Tümmler auf alle Delfine im allgemeinen schließen zu wollen.

Delfine können - ja müssen - mit wochen- oder sogar monatelangem Schlafverzicht leben. Selbst beim Stillen gönnen sie sich keine Ruhepause - die Neugeborenen trinken an der Brust, während die Mutter weiter schwimmt - immerhin etwas langsamer als sonst.
U.Karlowski, Oktober 2012 (Quellen: dpa|welt.de|n.tv)

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