Sechs Delfine verharren fast senkrecht übereinander.Mit Hilfe ihres den Fledermäusen ähnlichen, aber noch ausgefeilteren Echolot-Ortungssystems können Delfine sich in ihrer Umwelt auch dann noch extrem gut zu Recht finden, wenn es dort trüb und dunkel ist - eher die Regel, denn die Ausnahme in ihrem Lebensraum.

Bereits 2007 konnten Forscher der Universität Hawaii an einem in Gefangenschaft gehaltenen Großen Tümmler zeigen, wie präzise das Echolot-System arbeitet.

Die Tiere sind in der Lage, auf einen Meter Entfernung Gegenstände bis auf einen Zentimeter genau zu orten.

Doch damit nicht genug. Aus dem Echo ihrer hochfrequenten Schallimpulse, auch Clicks genannt, können Delfine zudem Rückschlüsse über die räumliche Gestalt eines Angreifers oder eines Beutefisches gewinnen. Sie "sehen mit den Ohren", sind also in der Lage dreidimensional zu hören. So können sie auch kleine Fische aus einem größeren Schwarm heraus akustisch gezielt anvisieren und dann zuschnappen - Delfine fischen im Trüben und im Dunklen.

Diese faszinierende Sinnesleistung beruht auf dem gleichzeitigen Aussenden zweier Ultraschall-Clicks mit unterschiedlichen Frequenzen, wie Meeresbiologen von der Universität Lund aus Schweden 2011 herausfanden. Der Clou dabei ist, dass Delfine die beiden Clicks sogar in verschiedene Richtungen aussenden können. Die schwedischen Forscher kam dem Delfin-Doppelsonar durch den Einsatz von 47 Unterwassermikrofonen und die gezielte Zusammenarbeit mit Ingenieuren auf die Spur. Zwar wusste man, dass die für die Ultraschallerzeugung zuständige Melone im Kopf der Delfine, ein spezielles Organ aus Fett und Bindegewebe, über zwei Regionen verfügt, die Ultraschalllaute erzeugen und aussenden. Doch wurde bislang davon ausgegangen, dass immer nur ein Click erzeugt wird.

Das Delfin-Doppelsonar ist das vielleicht am höchsten entwickelte Navigations- und Ortungssystem in der Natur. Die Meeressäuger können damit nicht nur organische Körper durchdringen – scannen -, sondern durch Sand am Meeresboden eingegrabene Fische lokalisieren, um sie dann zu verspeisen.

Die Clicks können allerdings auch eine tödliche Waffe sein. So werden Heringe durch Clicks, in genau der Tonlage, bei der diese am empfindlichsten hören, angegriffen und dabei ihr Hörsystem zerstört. Als Folge erstarren die Fische, manche sterben.
© U. Karlowski, Juni 2011

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