Trauerverhalten in Delfingesellschaften ist mehrfach dokumentiert, auch wenn es nur schwer zu beobachten ist.

So wissen wir, dass Delfine sogar gemeinschaftliches Fürsorge- und Trauerverhalten zeigen, neben Beobachtungen von Einzel-Interaktionen, bei denen z.B. eine Delfinmutter um ihr totes Baby trauert.

Beim Trauerverhalten zeigen die Tiere ausgeprägte Fürsorge- und Abschiedsgesten, wie man sie sonst nur z.B. von Gorillas, Schimpansen, Elefanten oder Menschen kennt. Delfine zeigen auch hier, dass sie eine "Theory of Mind" haben, sie sind sich ihrer selbst bewusst und können sich in die Gefühls- und Gedankenwelt ihres Gegenübers versetzen - bis in den Tod.

 

Delfinmutter bestattet ihr totes Baby

Bei einer Bootstour für Delfin-Ausflüge vor der Küste der Provinz Guanxi machten chinesische Touristen im Juli 2012 eine herzzerreißende Beobachtung.

Eine Delfinmutter - es handelte sich um einen der seltenen Chinesischen Weißen Delfine (Sousa chinensis) - brachte ihr durch eine Schiffskollision getötetes Baby weit hinaus ins Meer, wo es seine letzte Ruhe finden sollte.

Augenzeugen berichteten, dass der kleine Körper des toten Babys der Mutter durch die starke Strömung immer wieder vom Rücken rutschte. Doch stets brachte sie den kleinen Delfin erneut in Position quer vor ihrer Rückenfinne, um ihn weiter zu transportieren, bis der Platz für die letzte Ruhe erreicht war. Insgesamt blieb die Mutter zwei bis drei Tage bei ihrem toten Baby.

Dass Delfine um ihre Toten trauern, wurde schon öfters beobachtet – nicht nur bei Totgeburten. So bei Rauzahndelfinen vor den Kanarischen Inseln oder vor der Küste von Peru, wo unsere Projektpartner ACOREMA ein vergleichbares Verhalten im Zusammenhang mit einem verstorbenen erwachsenen Großen Tümmler machten.

Das ergreifende Verhalten der Delfinmutter von Guanxi ist ein klares Indiz für einen bewussten Trauerprozess und ein Bewusstsein der Tiere für den Tod, durchaus vergleichbar mit menschlichen Emotionen angesichts des Todes von nahe stehenden Personen.

Das Verhalten der Delfinmutter entspricht der "Theory of Mind", Delfine sind sich ihrer selbst bewusst und können sich in die Gefühls- und Gedankenwelt ihres Gegenübers versetzen - bis in den Tod.
GRD Presse, Juli 2012

Gemeine Delfine versuchen gemeinsam sterbenden Artgenossen zu retten

Südkoreanische Meeresbiologen haben eine Delfingruppe bei dem Versuch zu beobachtet, gemeinsamen einen verletzten Artgenossen zu retten, um dann – nachdem der Rettungsversuch scheiterte - gemeinsam um ihn zu trauern.

Die Aufnahmen aus dem Japanischen Meer zeigen eine Gruppe von zwölf Langschnäuzigen Gemeinen Delfinen (Delphinus capensis), die versucht, einem todgeweihten Weibchen zu helfen, das paralysiert ist, seine Flipper nicht mehr bewegen kann und immer wieder auf dem Rücken treibt.

Die 12er-Gruppe hatte sich aus einer Delfinschule mit etwa 400 Individuen gelöst und dem Schiff der Forscher des Cetacean Research Institute (Ulsan, Korea) genähert. Fünf Delfine aus der 12er-Gruppe schwimmen in einer Formation, durch die eine Art Rettungsfloß entsteht, mit dessen Hilfe das Weibchen vor dem Ertrinken gerettet werden soll. Sie achten dabei genau darauf, dass das verletzte Tier stabil liegt – eine ganz erstaunliche Schwimmleistung, die Tiere bilden einen Rettungs-Schwarm und sie wechseln sich bei dieser Aufgabe ab.

Verzweifelte Rettungsversuche
Einer der Rettungsfloß-Delfine setzt sogar seine Schnauze ein, um den Kopf der sterbenden Artgenossin über Wasser zu halten, ein anderer dreht sich um die eigene Achse, um ihn besser zu stützen.

Doch die Rettungsversuche erweisen sich tragischerweise als vergeblich, das Weibchen hört auf zu atmen.

Dennoch bleiben fünf Delfine aus der Gruppe bei ihr, berühren sie wiederholt, streicheln ihren Körper, berieseln sie mit ihren Luftblasen. Eine ganze Weile noch begleiten sie das tote Weibchen, bis der leblose Körper im Meer versinkt.

Erstmals gemeinschaftliches Fürsorge- und Trauerverhalten bei Delfinen beobachtet
Eine derartige Form der zielgerichteten, gemeinschaftlichen Fürsorge um ein verletztes oder sterbendes Gruppenmitglied kennt man z.B. von Gorillas, Schimpansen, Elefanten oder Menschen, bislang aber nicht von Delfinen. Laut dem Fachjournal "Marine Mammal Science" handelt es sich die erste Beobachtung dieser Art. Bei Delfinen wurden bei Verletzten oder sterbenden Gruppenmitgliedern Fürsorge-Einzelinteraktionen sowie gemeinschaftliches Trauern unabhängig voneinander bereits des Öfteren beobachtet, nicht aber das gemeinschaftliche Vorgehen bei einem Rettungsversuch (Fürsorge) mit anschließendem ausgeprägtem und mit Abschiedsgesten einhergehendem Trauerverhalten.
U. Karlowski, Januar 2013

 

Rauzahndelfine vor La Gomera trauern um ein totes Delfinbaby

Fünf bis sechs Rauzahndelfine schwimmen langsam und sehr dicht beieinander an der Wasseroberfläche.Vor der Kanarischen Insel La Gomera konnte ein bisher kaum dokumentiertes Verhalten von Delfinen genau beobachtet werden.
Ein Weibchen einer Gruppe von Rauzahndelfinen (Steno bredanensis) trug tagelang ihr totes Neugeborenes mit sich. Die Delfinmutter hielt es im Maul oder stupste es immer wieder mit ihrem Körper an die Wasseroberfläche. Sie wurde dabei von anderen Gruppenmitgliedern begleitet und unterstützt.

"Solches Beistandsverhalten wurde bei Walen und Delfinen erst selten beschrieben. Völlig unklar war bisher, wie lange dieses Verhalten anhält und wann die Mütter schließlich von ihrem Nachwuchs ablassen. Unsere Beobachtungen belegen zum ersten Mal, dass über Tage hinweg Beistand geleistet wird", so der Verhaltensbiologe Fabian Ritter vom Verein M.E.E.R. aus Berlin. Das Muttertier blieb ständig in der Nähe des Neugeborenen, das entweder schon tot zur Welt kam oder kurz nach der Geburt starb. Die Gruppe von etwa 15 Delfinen, zu denen das Weibchen gehörte, wurde innerhalb von fünf Tagen sechs mal gesehen, und immer war die Situation die gleiche.

Die anderen Tiere der Delfingruppe stellten sich offenbar auf das Schicksal von Mutter und Jungtier ein. Das Weibchen wurde dauerhaft von zwei weiteren Delfinen eskortiert und auch andere Mitglieder der Gruppe wurden immer wieder in der unmittelbaren Nähe des Weibchens gesehen. Zudem schwamm die ganze Gruppe mit sehr langsamer Geschwindigkeit und hielt sich in diesen Tagen anscheinend ständig in einem bestimmten Gebiet von nur wenigen Quadratkilometern Größe auf.

Dies sind Hinweise darauf, dass das Muttertier Unterstützung von der ganzen Gruppe erhielt. Am fünften Tag unserer Beobachtungen war es auch ein Delfin aus der 'Eskorte', welcher das tote Jungtier an der Oberfläche hielt und sogar vor den Angriffen von Möven schützte, die sich für den Kadaver interessierten", berichtet der Biologe.

"Wir wissen nicht, warum dieses Verhalten so lange andauert und welches Zweck es hat. Ob es sich etwa um einen Rettungsversuch handelt oder tatsächlich um Trauer. Die Tatsache, dass ein totes Jungtier das Verhalten einer ganzen Delfingruppe über Tage hinweg beeinflusst, deutet auf starke soziale Bindungen bei den wissenschaftlich nur wenig erforschten Rauzahndelfinen hin" so Ritter.

Auch im Golf von Amvrakikos im westlichen Griechenland wurde ein Großer Tümmler beobachtet, der sich mehrere Stunden lang intensiv mit einem toten Neugeborenen Tümmler beschäftigte, und unsere Peru-Projektpartner ACOREMA konnten ein vergleichbares Verhalten, allerdings im Zusammenhang mit einem verstorbenen erwachsenen Tümmler, gleichfalls beobachten und dokumentieren. Über mehrere Stunden hielten die Delfine ein totes Weibchen an der Wasseroberfläche und schwammen mit ihm.

Vitali braucht Hilfe

Peru Patendelfin VITALI, dümpelt ruhig im Wasser, Kopf, Blasloch, Finne und sein linkes Auge sind sichtbar.

Vitali steckt voller Lebenskraft. Er hat keine Schwanzfluke, kommt aber dennoch zurecht - nicht zuletzt Dank seines Freundes Viatli-Pal.

⇒ Patenschaft für Vitali (Paracas/Peru) ⇒ Patenschaft verschenken

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Indopazifischer Großer Tümmler. Foto: DWA / Angela Ziltener