Bei einer Gemeinschaft Großer Tümmler, die vor der Küste Neuseelands lebt, stieß der schottische Ökologe David Lusseau auf ebenso komplexe wie fragile soziale Gesellschaftsstrukturen: Sozial-Integratoren halten eine Delfingesellschaft zusammen.

Acht Jahre lang beobachtete Lusseau eine aus 62 Individuen bestehende Delfingemeinschaft. Durch die wie bei einem Fingerabdruck individualtypischen Markierungen an den Rückenfinnen, konnte er die einzelnen Tiere identifizieren und so ihr Verhalten mittels eines mathematisches Modells, das den Aufbau komplexer Netzwerke beschreibt, analysieren.

Lusseau richtete seinen Fokus auf die Zeit, die die Delfine miteinander verbrachten und ob es bestimmte Delfine gibt, die hierbei besonders intensive und lange Kontakte pflegen. Dabei entdeckte er, dass der Zusammenhalt der Gemeinschaft von wenigen Integratoren abhängt - den Schlüsselfiguren der Delfingesellschaft. Nur diese Sozial-Integratoren gehören gleichzeitig verschiedenen Delfingruppen an und sorgen so für enge Kontakte und den Zusammenhalt der gesamten Gemeinschaft. Fehlen sie, dann reißt das soziale Netz, die Gruppen oder Familien agieren fortan einzeln und unabhängig.

Einmal verschwanden im Verlauf der Studie aus unbekannten Gründen zwei dieser Sozial-Integratoren und ihre besondere gesellschaftliche Bedeutung wurde deutlich: Die Gemeinschaft zerfiel in zwei getrennte Gruppen. Doch als die Tiere dann nach einer Weile wieder in dem beobachteten Gebiet auftauchten, traten die Gruppen wieder in Kontakt, die Gesellschaft fand wieder zueinander. Lusseau konnte äußerlich keine Besonderheiten bei den Integrator-Delfinen feststellen auch schienen sie keinerlei Führungsposition inne zu haben.

Solcherart fragile soziale Strukturen machen Delfingesellschaften sehr verwundbar, warnt Lusseau. Erwischt es beispielsweise im Rahmen von Fangaktionen für Delfinarien oder Vergnügungsparks ausgerechnet die Integrator-Delfine, wird dadurch gleich auch das gesamte Gefüge der Delfingesellschaft zerstört.
© U. Karlowski, August 2004

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