Was vielfach vermutet, bislang wissenschaftlich aber nicht nachgewiesen war, ist jetzt geklärt: Delfine wissen, wer sie sind und können sich folglich auch in einem Spiegel selbst erkennen.

Dahinter verbirgt sich die Annahme, dass Selbst-Erkennen im so genannten Spiegeltest ein erstes Anzeichen für ein höheres Bewusstsein ist. Bislang wurde dieses Ich-Bewusstsein nur Menschen und Menschenaffen wie Gorillas oder Schimpansen und seit November 2006 - was nicht weiter verwundert - auch Elefanten zugesprochen.

Anfang 2008 bestand dann auch erstmals ein Vogel den Spiegeltest: Die Elster "Gerti" an der Universität Bochum sowie später noch 3 weitere von 5 Elstern (Universität Frankfurt). Damit hatten auch Rabenvögel, die gerne als Diebe und Räuber eingestuft werden, diese kognitive Schallmauer durchbrochen.

Die Meeresbiologin Diana Reiss und die Verhaltensforscherin Lori Marino von der Emory Universität in Atlanta unterzogen zwei Große Tümmler dem berühmten Spiegeltest im New Yorker Aquarium und brachten damit erstmals die Fähigkeit der Selbst-Erkenntnis bei Delfinen zum Vorschein. Die Wissenschaftler installierten im Tümmler-Becken Spiegel. Anschließend wurden die Tiere mit einer nichtgiftigen Tinte am Körper markiert oder sie wurden - als Gegentest - nur am Körper berührt, so als ob eine Markierung angebracht worden sei.

Das Ergebnis: Die Tümmler schwammen jedes Mal direkt auf den Spiegel zu, um die Markierung genauer "unter die Lupe" zu nehmen. Dabei drehten und wanden sie sich, um die bemalte Stelle besser sehen zu können. Auf den Trick mit der Berührung fielen sie nicht herein, waren sie "ungeschminkt", verbrachten sie bedeutend weniger Zeit vor dem Spiegel als wenn sie Tinten-Make-Up aufwiesen.

Auch zeigten sie sich relativ wenig interessiert an den Markierungen ihres jeweiligen Kollegen. Die Studie zeige, dass "ein gegenüber Menschen und Menschenaffen völlig unterschiedlich aufgebautes Gehirn zu Dingen in der Lage ist, die man bislang nur diesen zugeschrieben hat", sagt die Evolutionsbiologin Irene Pepperberg von der University of Arizona.

Für alle, die sich intensiver mit den flinken Meeresjägern beschäftigen, sind diese Forschungsergebnisse allerdings keine Überraschung. "Für Tiere mit komplexen sozialen Beziehungen ist es überaus sinnvoll, über Selbsterkennung und Selbstbewusstsein zu verfügen, da sie ständig Entscheidungen über ihr soziales Umfeld treffen müssen", meint Richard Conner von der University of Massachusetts in Dartmouth, der als Erster bei Delfinen so genannte Superallianzen von mehr als 14 Tieren dokumentierte. Immerhin, jetzt ist auch wissenschaftlich untermauert, dass Delfine uns Menschen ähnlicher sind, als viele bisher vermutet haben.
© U. Karlowski

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