US-Marine muss Rücksicht auf Delfine und Wale nehmen
In den kommenden drei Jahren muss die US-Marine bei Marinemanövern zum Schutz von Meeressäugern auf den Einsatz von Sonarsystemen und Übungsmunition in bestimmten Gebieten im Pazifik verzichten oder zumindest stark einschränken. US-Naturschutzorganisationen, darunter der Natural Ressource Defense Council (NRDC), hatten geklagt und haben sich jetzt außergerichtlich mit der Navy geeinigt. Die Schutzzonen umfassen wichtige Lebensräume für...
Offshore-Windkraft mit hochexplosiven Folgen
Pressemitteilung, 04.06.2015 - Der forcierte Aufbau von Offshore-Windkraftparks in Nord- und Ostsee führt zu massiven Umweltschäden durch die Sprengung von versenkten Munitionsaltlasten. Davor warnt die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD). Experten schätzen, dass während und nach dem 2. Weltkrieg rund 1,6 Millionen Tonnen Munitionsaltlasten in deutschen Gewässern versenkt wurden. Heute, siebzig Jahre später, ist die vor sich hin...
GRD setzt sich bei Ostseeschutzkonvention HELCOM für den Schutz von Schweinswalen ein
Ein gewaltiges Umweltproblem: Verrottende Munition in deutschen Gewässern Auf der Tagung der SUBMERGED-Arbeitsgruppe der Ostseeschutzkonvention HELCOM, die vom 22.-23. April 2015 in Bonn stattfand, konnte der Meeresbiologe Sven Koschinski für die GRD wichtige Fortschritte für den Schweinswalschutz erreichen. HELCOMDas Helsinki-Abkommen für den Schutz der Ostsee (HELCOM) aus dem Jahr 1974 sollte das Einbringen von Schad- und Nährstoffen in die...
Hongkong: Neue Flughafenlandebahn gefährdet rosa Delfine
Der geplante Bau der dritten Landebahn des Hongkong International Airport gefährdet das Überleben der bedrohten Chinesischen Weißen Delfine (Sousa chinensis) in den Gewässern der Millionenmetropole. Seit Jahren warnen Experten vor dem Erlöschen der etwa fünf noch existierenden Populationen dieser noch weitgehend rätselhaften und streng geschützten Delfinart vor Hongkong. Eine sehr küstennah lebende DelfinartDas Verbreitungsgebiet der auch als...
Airguns schädigen Meeressäuger über extrem weite Distanzen
Airguns oder Luftpulser, die zur Exploration von Öl- und Gaslagerstätten im Meeresboden eingesetzt werden, können noch in 2.000 Kilometer Entfernung Meeressäuger stören. Das zeigt eine neue Studie des Umweltbundesamtes (UBA). Der Störeffekt kann sowohl die Physis als auch die Psyche der Tiere verschlechtern. Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA, warnt: "Der Lärm in den Meeren nimmt zu und wird voraussichtlich weiter zunehmen. Allein schon...
Seismik verantwortlich für Delfin-Massenstrandung in Madagaskar
Erstmaliger Nachweis: Exploration von Bodenschätzen im Meer verantwortlich für Massenstrandung von Meeressäugern Ende September 2014 veröffentlichte die Internationale Walfangkomission (IWC) einen Bericht, in dem Wissenschaftler erstmals den Nachweis erbrachten, dass der Einsatz eines Fächerecholot-Systems (multi-beam echosounder system) zur Exploration von Bodenschätzen für eine Massenstrandung von Breitschnabeldelfinen verantwortlich war,...
Massaker auf Raten: US-Marine wird Hunderte Wale und Delfine töten
Laut einer von der US-Marine veröffentlichten Umweltverträglichkeitsstudie muss damit gerechnet werden, dass in den kommenden Jahren bei Waffentests und Marinemanövern Hunderte Delfine und Wale getötet, über 10.000 schwer und fast zwei Millionen leicht verletzt werden. Schwerpunkt des Abschlachtens mit Ansage sind ausgerechnet Meeresgebiete, die sich durch eine hohe marine Artenvielfalt auszeichnen: die US-Ostküste, der Golf von Mexiko,...
Schiffssonare lassen Blauwale verstummen
San Diego/Kiel, 01.03.2012 - Bootslärm stört auch in mittleren Frequenzen das Walverhalten - Der Lärm, den der Mensch im Meer verursacht, stört Blauwale in ihrem Verhalten - auch wenn er nicht in Frequenzen der Walgesänge dringt. Das berichten Biologen der University of California in San Diego im Open-Access-Journal "PLoS ONE". Je nach der Art des Geräusches stoßen die Wale selbst weniger oder mehr Töne aus, so das Ergebnis ihrer Studie. Ihre...
Seismik gefährdet vom Aussterben bedrohte Ostsee-Schweinswale
Pressemitteilung, 10.02.2012 - Kanadisches Unternehmen sucht in deutschen Meeresschutzgebieten nach Erdgas und Öl - Umweltverbände bangen um letzte Schweinswale und fordern Reform des Bergrechts. Dem vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswal droht eine neue Gefahr. Das Bergamt in Stralsund hat der kanadischen Firma Central European Petroleum CEP die Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten in der deutschen Ostsee vor der Küste...
Schallschutz für Meeresbewohner beim Trianel Offshore Windpark
Die Vorbereitungen für den Baubeginn des Trianel Windparks Borkum West II laufen auf Hochtouren. Dabei steht zurzeit der Umweltschutz im Mittelpunkt der Projektentwickler. Die Trianel Windkraftwerk Borkum GmbH & Co. KG will die Meeressäuger, insbesondere die Schweinswale, umfassend vor dem Baulärm, der Unterwasser entsteht, schützen. "Als weltweit erstes kommerzielles Offshore-Projekt werden wir unsere Windräder durchgängig mit...
Koalition stimmt gegen GRD-Petition zum Verbot von Speedbootrennen in der Ostsee
Berlin, 27.10.2010 - Enttäuschung beim Schutz der Schweinswale - Koalition stimmt gegen GRD-Petition zum Verbot von Speedbootrennen in der Ostsee - Kein Schutz für bedrohte einheimische Schweinswale Speedbootrennen werden auch zukünftig die vom Aussterben bedrohten Schweinswale in der Ostsee gefährden. Die Koalitionsparteien haben mit ihrer Mehrheit die GRD-Petition abgewiesen, die sich dafür einsetzte, die Rennen auf der Ostsee in den...
Verbot von Militär-Sonaren bei den Kanaren nach Massenstrandungen
Eine ungewöhnliche Häufung von Delfin- und Walstrandungen führte im April 2006 auf den Kanarischen Inseln zum Tod von mindestens fünf Tieren. Nach ähnlichen Vorkommnissen in der Vergangenheit fiel der Verdacht sofort auf mögliche militärische Manöver im Gebiet der Kanaren. Innerhalb weniger Tage strandeten zwei der seltenen Gervais-Zweizahnwale (Mesoplodon europaeus), ein Pottwal (Physeter macrocephalus) und ein Rundkopfdelfin (Grampus...
Welchen Einfluss haben Windparks auf hoher See auf die Meeresumwelt?
Einen Teilaspekt dieser Frage, das Verhalten von Schweinswalen und Seehunden im Einflussbereich des Unterwasserschalls von Windgeneratoren, bearbeiten die beiden Kieler Meeressäugerspezialisten Prof. Dr. Boris Culik und Sven Koschinski. Die GRD beteiligte sich an der Finanzierung einer Pilotstudie der beiden Forscher. Bericht von Sven Koschinski:Schweinswale in freier Wildbahn zu erforschen ist eine Herausforderung - naturgemäß halten sie...

Karte Lärmverschmutzung im Mittelmeer.Im Mittelmeer herrscht zu viel Lärm. Dies wird besonders für die sich vornehmlich akustisch orientierenden Delfine und Wale zu einer immer bedeutender werdenden Überlebensfrage. In vielen Lebensräumen herrscht ein infernalisch hoher Lärmpegel. Die Ursachen sind hausgemacht: Seismische Untersuchungen für die Suche nach Erdöl- und Erdgaslagerstätten, der stark gestiegene Schiffsverkehr sowie Marinemanöver, bei denen Hoch- und Mittelfrequenzsonare zur U-Boot-Suche eingesetzt werden.

Wissenschaftler aus Frankreich, Italien, der Schweiz und den USA stellten ihre Ergebnisse nach zehnjähriger Analyse im Januar 2016 in einer "Übersicht der Lärm-Hotspots im Mittelmeer" vor. Der Bericht beschreibt die zeitlich-räumliche Entwicklung des Unterwasserlärms im Mittelmeer und ist die erste flächendeckende Erhebung zur Dichte lärmintensiver Aktivitäten nebst der Kartierung der Lärmquellen. Es wurden Daten von 1446 Häfen, 228 Ölplattformen, 830 seismischen Explorationsgebieten, 7 Millionen Schiffspositionen, 52 Windfarmprojekten sowie offiziell zugänglichen Angaben zu militärischen Aktivitäten analysiert.

Die durch seismische Tests ins Meerwasser eingebrachte Schallenergie steht nach Nukleartests und sonstigen Explosionen an dritter Stelle entsprechender schädlicher menschlicher Aktivitäten
Besorgniserregend ist dabei die Zunahme seismischer Aktivitäten mit sogenannten Airguns (Schallkanonen oder Luftpulser) zur Suche nach Öl- und Gasvorkommen. 2005 waren nur etwa 3,8 % der Oberfläche des Mittelmeeres diesen extrem schallintensiven Explorationen ausgesetzt, bis 2013 stieg die derart beschallte Fläche auf 27 %. Die Auswertung zeigt auch, dass im Mittelmeer zu jedem Zeitpunkt die Motoren vom durchschnittlich mindestens 1.500 größeren Schiffen dröhnen. Nicht einberechnet werden konnten die unzählbaren Freizeitschiffe und kleinen Fischerboote.

Das ernüchternde Ergebnis:
Selbst in bereits ausgewiesenen Schutzzonen sowie in Kernzonen, die besonders wichtig für Meeressäuger sind, ist es viel zu laut: Im Meeressäugerschutzgebiet Pelagos im Ligurischen Meer, in der Straße von Sizilien, in Teilen des Hellenischen Grabens, aber auch in den Gewässern zwischen den Balearen und dem spanischen Festland.

Regierung Spaniens hat Bedrohung erkannt
Das spanische Umweltministerium kündigte an, dass die Gewässer zwischen den Balearen und dem spanischen Festland als Migrationskorridor für Wale und Delfine unter Schutz gestellt werden sollen. Dies hätte auch ein striktes Management lärmintensiver Aktivitäten zur Folge. Der Report wurde vom Abkommen zum Schutz von Walen und Delfinen im Schwarzen Meer, Mittelmeer und angrenzenden Atlantikgebiet (ACCOBAMS) in Auftrag gegeben. Mit den gewonnenen Erkenntnissen sollen Problemzonen sowie weiterer Forschungsbedarf und mögliche Schutzmaßnahmen identifiziert werden.
Ulrich Karlowski, Januar 2016
Karte der Lärm-Hotspots des Mittelmeers unter Berücksichtigung für Wale und Delfine ausgewiesener oder empfohlener Schutzzonen. Quelle: ACCOBAMS

Hintergrundinformationen

⇒ Erfolg gegen Offshore-Ölförderung in der Adria: Regierung zieht Reißleine

⇒ Rettet die Adria! Keine Ölplattformen in der Adria!

⇒ Themensite Airguns, Umweltbundesamt (UBA)

Ein vor La Gomera tot gestrandeter Zwergpottwal liegt an Land auf einer grünen Plane, sein Maul ist weit geöffnet, am Schwanzstiel ist noch das Seil, mit dem er aus dem Wasser gehievt wurde, befestigt.In den kommenden drei Jahren muss die US-Marine bei Marinemanövern zum Schutz von Meeressäugern auf den Einsatz von Sonarsystemen und Übungsmunition in bestimmten Gebieten im Pazifik verzichten oder zumindest stark einschränken. US-Naturschutzorganisationen, darunter der Natural Ressource Defense Council (NRDC), hatten geklagt und haben sich jetzt außergerichtlich mit der Navy geeinigt. Die Schutzzonen umfassen wichtige Lebensräume für Delfine und Wale rund um Hawaii und vor der Küste Kaliforniens.

Hunderte toter Delfine und Wale bei Marinemanövern befürchtet
Laut einer von der US-Marine 2013 veröffentlichten Umweltverträglichkeitsstudie musste damit gerechnet werden, dass bei Waffentests und Marinemanövern Hunderte Delfine und Wale getötet, über 10.000 schwer und fast zwei Millionen leicht verletzt werden. Die Tiere werden vor allem durch Sonarsignale, Unterwasserexplosionen sowie durch Kollisionen mit U-Booten und Schiffen der Navy in tödliche Gefahr gebracht.

In europäischen Gewässern, insbesondere im Mittelmeer, kommt es immer wieder zu Delfin- und Walstrandungen, die zeitlich und örtlich mit militärischen Manövern korrelieren. Im Dezember 2007 beschloss das spanische Umwelt- und Verteidigungsministerium, dass in einem Umkreis von 50 Seemeilen (ca. 90 km) um die Kanarischen Inseln der Einsatz leistungsstarker Sonare durch das Militär verboten ist. Mit dem Verbot des Einsatzes von Hochleistungssonaren reagierte die spanische Regierung als erstes Land auf eine Empfehlung des EU-Parlamentes vom Oktober 2004, diese Technologie nicht einzusetzen, wenn Wale in Gefahr sein könnten.

Die Entscheidung der US-Marine ist ein wichtiger Schritt für den Schutz von Meeressäugetieren.

So profitieren u. a. Buckelwale oder Blauwale sowie eine ganze Reihe residenter Delfinpopulationen rund um Hawaii und vor der Küste von Kalifornien. Einen derart umfassenden Verzicht auf den Einsatz von Waffensystemen zum Schutz von Meerestieren hat es seitens der US-Marine noch nie gegeben.
GRD-Presse, 17. September 2015

⇒ Massaker auf Raten: US-Marine wird Hunderte Wale und Delfine töten

Offshore Windpark vor Norfolk in der Nordsee. Pressemitteilung, 04.06.2015 - Der forcierte Aufbau von Offshore-Windkraftparks in Nord- und Ostsee führt zu massiven Umweltschäden durch die Sprengung von versenkten Munitionsaltlasten. Davor warnt die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD).

Experten schätzen, dass während und nach dem 2. Weltkrieg rund 1,6 Millionen Tonnen Munitionsaltlasten in deutschen Gewässern versenkt wurden. Heute, siebzig Jahre später, ist die vor sich hin rottende Munition ein gewaltiges Umweltproblem.

Meeressäuger durch Sprengungen besonders gefährdet
Neben der offensichtlichen Gefahr einer großflächigen toxischen Belastung mit Munitionsinhaltsstoffen ergibt sich für alle Meerestiere, insbesondere für Meeressäugetiere wie die vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswale, eine besondere Gefahr, denn üblicherweise wird marine Großmunition gesprengt. Noch in einer Entfernung von mehreren Kilometern kann dies für einen Schweinswal tödlich sein: Lungenrisse, Blutungen in Ohr oder Gehirn oder Hörschäden werden durch die Schockwelle einer Unterwasserexplosion hervorgerufen.

Deutlich mehr Vernichtungssprengungen durch Ausbau der Offshore-Windkraft
So beobachten Umweltschützer mit Sorge eine Zunahme von Vernichtungssprengungen beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen. "Es wird verstärkt nach Munition gesucht, damit die teure Infrastruktur der Anlagen nicht gefährdet wird. Marine Großmunition wie Minen, Torpedos und Wasserbomben ist auch außerhalb der bekannten Versenkungsgebiete fast überall in Nord- und Ostsee zu erwarten", warnt der GRD-Experte und Meeresbiologe Sven Koschinski.

Wurden 2012 in der Nordsee noch 10 "Vernichtungssprengungen" registriert, waren es 2014 in den Windpark-Baufeldern oder auf den Kabeltrassen bereits 25. In diesem Jahr hat es allein in den ersten fünf Monaten schon über vierzig Sprengungen gegeben. Weitere sollen in Kürze folgen. Da die Explosionen fernab der Küste stattfinden, erfährt die Öffentlichkeit davon in der Regel nichts.

Schallschutz ohne Kontrolle ist wirkungslos
Die Sprengung einer Seemine erzeugt eine gewaltige Wasserfontäne.Die Genehmigungsbehörde BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg) empfiehlt für Sprengungen in Windpark-Baufeldern zwar zur Verringerung der Schockwelle die Verwendung eines Blasenschleiers, aber eine Kontrolle ihres Einsatzes wie bei den ebenfalls lauten Rammarbeiten für Offshore-Windkraftanlagen gibt es nicht. Auch existieren keine Handlungsanweisungen, wie ein Blasenschleier konstruiert sein muss. Somit ist zu befürchten, dass auch nutzlose Blasenschleier eingesetzt werden, nur um die Vorgaben des BSH zu erfüllen.

Naturschutzverbände fordern Bergung und Vernichtung an Land
Nach Auffassung der GRD und anderer Umweltverbände ist die Sprengung von Altmunition unter Verwendung eines Blasenschleiers nur eine absolute Minimallösung. Ökologisch akzeptabel ist nur die Bergung und unschädliche Vernichtung an Land.

HELCOM-LogoDas Problem ist jetzt auch auf der Agenda des Ostseeschutzabkommens HELCOM
Auf der letzten Tagung der SUBMERGED-Arbeitsgruppe der Ostseeschutzkonvention HELCOM konnte Sven Koschinski erreichen, dass neben der reinen Kartierung von Unterwasserrisiken jetzt auch ein Kapitel zu Minderungsmaßnahmen bei Sprengungen in den Bericht der Arbeitsgruppe aufgenommen werden soll.

Er wird auf der nächsten Tagung der HELCOM-SUBMERGED-Arbeitsgruppe diskutiert, die 2016 in Göteborg stattfinden wird.

 

Weitere Informationen:

⇒ GRD setzt sich bei Ostseeschutzkonvention HELCOM für den Schutz von Schweinswalen ein

⇒ Die Welt v. 24.03.2015: Die Energiewende wird das Ende unserer Küste sein

⇒ Die Helsinki-Kommission (HELCOM)

⇒ Fakten und Infos zur Helsinki-Kommission (HELCOM)

HELCOM Expert Group on Environmental Risks of Hazardous Submerged Objects (SUBMERGED)

⇒ HELCOM - Baltic Marine Environment Protection Commission: Chemical Munitions Dumped in the Baltic Sea (PDF)

Ein toter gestrandeter Schweinswal liegt auf der Seite auf einem Sandstrand in der Nähe der Brandungszone.Airguns oder Luftpulser, die zur Exploration von Öl- und Gaslagerstätten im Meeresboden eingesetzt werden, können noch in 2.000 Kilometer Entfernung Meeressäuger stören. Das zeigt eine neue Studie des Umweltbundesamtes (UBA). Der Störeffekt kann sowohl die Physis als auch die Psyche der Tiere verschlechtern.

Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA, warnt: "Der Lärm in den Meeren nimmt zu und wird voraussichtlich weiter zunehmen. Allein schon wegen der weiter anstehenden Rohstofferkundungen in den Weltmeeren. Airguns spielen dabei eine wichtige Rolle. Für Meeressäuger sind sie eine erhebliche Störung. Ihre Schallimpulse können die Verständigung extrem einschränken. Im schlimmsten Fall sogar über ein gesamtes Ozeanbecken hinweg."

Dieser Effekt träte auch dann ein, wenn Airguns nur zu wissenschaftlichen Zwecken eingesetzt werden.

Fähigkeit zur akustischen Wahrnehmung für Delfine und Wale lebenswichtig
Für Delfine und Wale ist die Fähigkeit ihre Umgebung akustisch wahrzunehmen lebenswichtig – sie "sehen" mit den Ohren. Werden diese Signale überdeckt, verkleinert sich ihr "Sehfeld". Dies verschlechtert ihre biologische Fitness sowohl physisch als auch psychisch. Die zur Erkundung des Meeresbodens nach Erdöl- und Gaslagerstätten großflächig und über lange Zeiträume eingesetzten Airguns haben, so das UBA, nicht nur ein hohes "Maskierungspotenzial". Dabei werden Kommunikationssignale zwischen den Meeressäugern verdeckt, also akustisch maskiert.

Schädigungen des Gehörs
Die explosionsartigen Schalldrücke von Airguns sind zwar viel kürzer als z.B. typischer Schiffslärm, dafür aber auch bis zu 1.000-mal lauter. Es wird schon länger befürchtet, dass diese lauten Schallimpulse das Gehör von marinen Säugetieren schädigen können.

Starke Einschränkung des natürlichen Verständigungsraumes
Abbildung: Fächerförmig ausgebreitete Druckluftpulser werden von einem Explorationsschiff gezogen.Die neue UBA-Studie zeigt, dass Airgunsignale noch über eine Entfernung von bis mindestens 2.000 Kilometern (km) wirken können. Bereits in mittleren Entfernungen von 500 bis 1.000 km dehnen sich Airgunsignale zu einem intervallartigen Geräusch aus, das ein hohes Maskierungspotenzial hat.

In Entfernungen ab 1.000 km werden die ursprünglich sehr kurzen Schallimpulse zu einem kontinuierlichen Rauschen, das die Verständigung von Delfinen und Walen extrem einschränken kann; auf nur noch etwa ein Prozent des natürlichen Verständigungsraumes – es ist, als ob wir uns plötzlich, ohne künstliche Beleuchtung, in ständigem Dämmerlicht zurechtfinden müssten.

Neue Risikobewertung für impulshafte Schallquellen gefordert
Die Ergebnisse der neuen UBA-Studie zeigen, dass massive Maskierungseffekte und signifikant negative Auswirkungen auf das Kommunikationsvermögen von Meeressäugern über große Distanzen auftreten können und gerade dieser Fernwirkungseffekt bei der Bewertung von Umweltwirkungen impulshafter Schallquellen wie Airguns beachtet werden sollte.

Dies gilt besonders für die Arktis, in der in den nächsten Jahren mit einer Vielzahl von Airgun-Einsätzen zur Erkundung des Meeresbodens auf Bodenschätze und zur Forschung zu rechnen ist. Das UBA will hierzu ein Folgeprojekt entwickeln.

Die durch seismische Tests ins Meerwasser eingebrachte Schallenergie steht nach Nukleartests und sonstigen Explosionen an dritter Stelle entsprechender schädlicher menschlicher Aktivitäten für die Meeresumwelt. UBA-Präsidentin Krautzberger fordert deshalb: "Wir müssen die Wirkung von Schallimpulsen aus Airguns auf die Meeressäuger genau kennen und diese in die Umweltbewertung der Meeresforschung einbeziehen. Wir brauchen deshalb auch ein internationales Lärmschutzkonzept, zum Beispiel im Rahmen des Antarktis-Vertragsstaaten-Systems."

EU-Parlament trifft Entscheidung gegen Verlärmunng
Anfang Oktober 2013 hatte das EU-Parlament immerhin beschlossen, dass für die ֖lsuche mit Unterwasser-Sonar in Zukunft Umweltverträglichkeitspüfungen durchgeführt werden müssen.
Ulrich Karlowski, Mai 2014 / Quelle: UBA

 Weiterführende Informationen:

⇒ Vollständiger Abschlussbericht zu der UBA-Studie: "Entwicklung eines Modells zur Abschätzung des Störungspotentials durch Maskierung beim Einsatz von Luftpulsern (Airguns) in der Antarktis".

⇒ UBA-Themensite Airguns

Erstmaliger Nachweis: Exploration von Bodenschätzen im Meer verantwortlich für Massenstrandung von Meeressäugern

Ende September 2014 veröffentlichte die Internationale Walfangkomission (IWC) einen Bericht, in dem Wissenschaftler erstmals den Nachweis erbrachten, dass der Einsatz eines Fächerecholot-Systems (multi-beam echosounder system) zur Exploration von Bodenschätzen für eine Massenstrandung von Breitschnabeldelfinen verantwortlich war, die im Mai 2008 vor der Küste im Nordwesten Madagaskars ) in der Loza-Lagune stattfand.

Rund 100 der etwa zweieinhalb Meter langen, hauptsächlich in den tropischen und subtropischen Meeren lebenden Hochseeart (Peponocephala electra) starben. Breitschnabeldelfine sind eine weitgehend unbekannte Delfinart, die nur sehr selten in Küstennähe auftaucht.

Die offensichtlich panisch reagierenden Delfine gelangten gemeinsam durch eine Engstelle in die weit verzweigte und von Mangrovenwäldern bewachsene Loza-Lagune. Sie schwammen sogar in die kleinen Häfen der Siedlungen und verirrten sich dann in den Mangroven-Wäldern. Aus dem dichten Wurzelgestrüpp gab es für sie keinen Ausweg mehr. Einige Anwohner versuchten, manche der Tiere zu retten, während andere wiederum die Delfine töteten, um ihr Fleisch zu nutzen.

Zur Zeit der Strandung setzte ein Explorationsschiff von Exxon Mobil ein sehr starkes Fächerecholot-System zur Erkundung von Bodenschätzen etwa 65 Kilometer vor Küste und der Öffnung der Loza-Lagune ein. Die mit der Untersuchung des Massenstrandung beauftragten Wissenschaftler sehen die damit verbundenen starken akustischen Unterwasser-Signale als alleinge Ursache für die panische Reaktion dieser Hochseeart, die niemals zuvor in der Lagune gesehen wurde und seitdem auch nie wieder dort aufgetaucht ist.

Die Studie zeigt, dass intensive und hoch-frequente Schallquellen gravierende negative Auswirkungen auf Wale und Delfine haben.

⇒ Independent review of a 2008 mass stranding in Madagascar

Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse, ausgerüstet mit dem für Delfine und Wale tödlichen taktischen Mittelfrequenz-SonarLaut einer von der US-Marine veröffentlichten Umweltverträglichkeitsstudie muss damit gerechnet werden, dass in den kommenden Jahren bei Waffentests und Marinemanövern Hunderte Delfine und Wale getötet, über 10.000 schwer und fast zwei Millionen leicht verletzt werden.

Schwerpunkt des Abschlachtens mit Ansage sind ausgerechnet Meeresgebiete, die sich durch eine hohe marine Artenvielfalt auszeichnen: die US-Ostküste, der Golf von Mexiko, Südkalifornien und Hawaii. Die Tiere werden vor allem durch Sonarsignale, Unterwasserexplosionen sowie durch Kollisionen mit U-Booten und Schiffen der Navy in tödliche Gefahr gebracht.

Die Studie basiert auf Computersimulationen. Errechnet wurde so, dass von 2014 bis 2019 wahrscheinlich 186 Delfine und Wale allein entlang der der US-Ostküste - an der die dort lebenden Delfinpopulationen gerade von einer massiven Morbillivirusinfektion geschwächt werden - sterben, vor Kalifornien und Hawaii soll es 155 Meeressäuger treffen.

Ein temporärer Hörverlust gilt als "leichte" Verletzung
Weiterhin rechnet man mit 11.267 schwer und fast zwei Millionen leicht verletzten Delfinen und Walen. Dabei gilt bei der Navy z. B. der vorübergehende Verlust des Gehörs als leichte Verletzung. Doch auch die kann tödlich wirken, wenn die sich hauptsächlich akustisch orientierenden Meeressäuger während der Phase eines temporären Hörverlusts nicht mehr in der Lage sind, nähernden Schiffen auszuweichen. Experten rechnen denn auch mit einer wesentlich höheren Todesrate.

Ein vor La Gomera tot gestrandeter Zwergpottwal liegt an Land auf einer grünen Plane, sein Maul ist weit geöffnet, am Schwanzstiel ist noch das Seil, mit dem er aus dem Wasser gehievt wurde, befestigt.Ein Admiral der Navy erklärte zwar, man wolle, wo immer möglich, auf Manöver- und Waffentestsimulationen zurückgreifen, doch müssten Marinekräfte auch unter realen Bedingungen üben - Kollateralschäden unter Meerestieren werden dabei billigend in Kauf genommen.

Verbot für militärische Sonare rund um die Kanarischen Inseln
Dabei geht es auch anders: Vor fünf Jahren beschloss das spanische Umwelt- und Verteidigungsministerium, dass in einem Umkreis von 50 Seemeilen (ca. 90 km) um die Kanarischen Inseln der Einsatz leistungsstarker Sonare durch das Militär verboten ist.

Die Meeresgebiete der Kanaren zeichnen sich durch eine besonders hohe Artenvielfalt an Walen und Delfinen aus. Nach NATO-Marinemanövern war es rund um die Kanraen wiederholt zu Massenstrandungen verschiedener Walarten gekommen, die auf den Einsatz taktischer Mittelfrequenzsonare zur U-Boot-Suche zurückgeführt wurden.

Spanien reagierte damals als erstes Land auf eine Empfehlung des EU-Parlaments vom Oktober 2004, diese Technologie nicht einzusetzen, wenn Wale in Gefahr sein könnten.
U. Karlowski, 31.08.2013

Ein Schweinswal taucht Kopf voran aufPressemitteilung, 10.02.2012 - Kanadisches Unternehmen sucht in deutschen Meeresschutzgebieten nach Erdgas und Öl - Umweltverbände bangen um letzte Schweinswale und fordern Reform des Bergrechts.

Dem vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswal droht eine neue Gefahr. Das Bergamt in Stralsund hat der kanadischen Firma Central European Petroleum CEP die Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten in der deutschen Ostsee vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gestattet.

Betroffen sind mindestens sechzehn Meeresschutzgebiete, die dem Schweinswal und anderen bedrohten und seltenen Meerestieren als Rückzugsgebiet dienen. Die GRD und andere deutsche Umweltverbände sehen darin eine Missachtung des Umweltrechts und kündigen scharfen Widerstand an.

Mehr als 13.800 Quadratkilometer Erlaubnisfelder hat CEP nach eigenen Angaben zugesprochen bekommen. Diese überschneiden sich mit Meeresschutzgebieten in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns und der deutschen "Ausschließlichen Wirtschaftszone" der Ostsee. Hier leben die streng geschützten Schweinswale, Seehunde und Kegelrobben, seltene Fischarten wie Stör oder Finte und mehr als 20 geschützte Vogelarten wie Seetaucher und Flussseeschwalben. Die Umweltverbände kritisieren, dass CEP und das Bergamt Stralsund diese Tatsachen bewusst ignorieren und durch die geplanten seismischen Untersuchungen schwere Schäden in den einzigartigen und geschützten Gebieten riskieren.

Beim Einsatz der sogenannten 3-D-Seismik werden in schneller Abfolge explosionsartige Knalle mit Schalldrücken von bis zu 265 dB (p-p) re1µPa erzeugt. Der Lärm kann insbesondere die geräuschempfindlichen Wale sowie andere Meerestiere direkt verletzen und zur Vertreibungen aus wichtigen Lebensräumen führen.

Der Eingriff richtet sich nach Meinung der Umweltverbände gegen die Ziele der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sowie der Vogelschutzrichtlinie und verstößt wohl auch gegen artenschutzrechtliche Verbotstatbestände nach Bundesnaturschutzgesetz.

Seismik Einsatzgebiet Oderbank bei Rügen

Karte des Seismik Einsatzgebietes in der Oderbank bei Rügen, Ostsee

Die Umweltverbände, darunter die Gesellschaft zur Rettung der Delphine, fordern deshalb vehement ein Verbot sämtlicher seismischer Untersuchungen in der Ostsee und einen effektiven Schutz der Meerestiere vor schallintensiven Eingriffen.

Darüber hinaus sei eine Novellierung des deutschen Bergrechts nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre unumgänglich.

Die Umweltverbände erwarten für ihren Protest eine breite gesellschaftliche Unterstützung, da auch Fischerei und Tourismus durch die Pläne der Ölfirma erheblich beeinträchtigt werden.

Schweinswalbestand in der Ostsee unter Druck
Die geplanten seismischen Untersuchungen gefährden auch die Schweinswale, die sich als selbstständige Population in der zentralen Ostsee gebildet hat und an der so genannten Darßer Schwelle heimisch geworden ist. Dort leben zwischen 200 und 600 Schweinswale, die nach Ansicht von Experten eine eigene Unterart darstellen. Sie mischen sich nicht mit dem als stabil bewerteten Bestand der rund 230.000 Nordsee-Schweinswale.

 

⇒ Antwort der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Ursula Karlowski, Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (PDF)

⇒ NGO-Stellungnahme (PDF)

 

NATURA 2000-Schutzgebiete der deutschen Ostsee:

Karte der deutschen NATURA 2000-Schutzgbiete in der Ostsee

Grafik zur Verankerung der Windrad-Fundamente im Nordseegrund Trianel Windparks Borkum West II unter Einsatz eines großen BlasenschleiersDie Vorbereitungen für den Baubeginn des Trianel Windparks Borkum West II laufen auf Hochtouren. Dabei steht zurzeit der Umweltschutz im Mittelpunkt der Projektentwickler.

Die Trianel Windkraftwerk Borkum GmbH & Co. KG will die Meeressäuger, insbesondere die Schweinswale, umfassend vor dem Baulärm, der Unterwasser entsteht, schützen.

"Als weltweit erstes kommerzielles Offshore-Projekt werden wir unsere Windräder durchgängig mit `Unterwasser-Lärmschutzwänden` errichten", berichtet Klaus Horstick, Geschäftsführer des Trianel Windparks. Dazu nutzt Trianel den sogenannten großen Blasenschleier. Dieser soll bei den im Sommer beginnenden Bauarbeiten am Windpark Borkum West II auf seine Serientauglichkeit geprüft werden.

Nötig macht den Lärmschutz die Verankerung der Windrad-Fundamente im Nordseegrund. Dabei werden Stahlpfähle über 30 Meter tief in den Meeresgrund gerammt. Jeder Rammschlag verursacht eine Schallwelle, die unter Wasser kilometerweit hörbar sein wird.

Damit die Schweinswale, die sich in den dortigen Gewässern befinden, die Chance haben, sich von der Baustelle zu entfernen, wird die Rammintensität langsam erhöht. "Schweinswale navigieren mit ihrem Gehör. Wie beim Menschen kann zu viel Lärm auch bei Walen zu Hörschäden führen. Dies würde die Tiere orientierungslos machen. Das wollen wir verhindern", beschreibt Horstick die Aufgabenstellung.

Die Funktionsweise des großen Blasenschleiers beruht auf einem einfachen physikalischen Phänomen. Der Lärm, der bei den Rammarbeiten entsteht, wird durch die aufsteigenden Blasen gestreut und gedämpft. Unter Wasser wird in 60-70 Metern Abstand um den Pfahl ein rund 400 Meter langer druckluftgefüllter Düsenschlauch gelegt. Die Düsen sind unterschiedlich groß, so dass die erzeugten Blasen in ihren Größen variieren. Die aufsteigenden Blasen bilden die Schallschutzwand.

Gemeinsam mit der Hydrotechnik Lübeck GmbH, der BioConsult GmbH & Co.KG in Husum und der ITAB GmbH in Oldenburg wird diese Schallschutztechnik nun beim Bau des Trianel Windparks im Großeinsatz erprobt und getestet.

"Wir hoffen, dass unser Schallschutz-Konzept die Auswirkung auf die marine Lebenswelt umfänglich reduziert", erläutert Horstick. "Unsere Erfahrungen mit dem Blasenschleier werden wir mit den zuständigen Behörden erörtern und allgemein, also auch für andere Windpark-Konstrukteure zugänglich machen, um zukünftig für den bestmöglichen Schutz der Schweinswale zu sorgen."

Der Baubeschluss für den Trianel Windpark Borkum West II ist im Dezember 2010 gefallen. An dem Windpark sind neben der Trianel GmbH 33 Stadtwerke und Regionalversorger aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz beteiligt. Der Windpark wird 45 km nördlich vor der Küste von Borkum in rund 30 Meter Wassertiefe errichtet.

In der ersten Bauphase werden ab August 2011 vierzig Turbinen mit einer Leistung von je fünf Megawatt errichtet. Der Windpark soll zum Jahreswechsel 2012/13 ans Netz gehen.
15.06.2011 - Quelle: Trianel GmbH

Einen Teilaspekt dieser Frage, das Verhalten von Schweinswalen und Seehunden im Einflussbereich des Unterwasserschalls von Windgeneratoren, bearbeiten die beiden Kieler Meeressäugerspezialisten Prof. Dr. Boris Culik und Sven Koschinski. Die GRD beteiligte sich an der Finanzierung einer Pilotstudie der beiden Forscher.

Bericht von Sven Koschinski:
Schweinswale in freier Wildbahn zu erforschen ist eine Herausforderung - naturgemäß halten sie sich überwiegend unter der Wasseroberfläche auf und sind außerdem noch recht scheu. Die auftauchenden Schweinswale sind zwischen den Wellen der Nord- oder Ostsee kaum auszumachen.

Ein Untersuchungsgebiet mit idealen Bedingungen fand sich in den geschützten Fjorden an der Westküste Kanadas. Das Oberflächenverhalten dort lebender Schweinswal- und Seehundpopulationen konnte mit Hilfe eines Theodoliten (Gerät aus der Vermessungstechnik) beobachtet und jeder Auftauchpunkt genau vermessen werden.

Die Schweinswale wurden unter Wasser noch zusätzlich mit einem Klickdetektor belauscht, der das Biosonar der Tiere erfasst und die Anzahl der Echoortungs-Klicks im 10-Sekunden-Rhythmus registriert. Damit konnten erstmals genaue Sichtbeobachtungen und akustische Messungen "übereinander gelegt" werden.

Prof. Dr. Boris Culik sitzt auf dem Schlauchkörper eines Zodiac. Er hält einen tonnenförmigen Unterwasserlautsprecher mit beiden Händen fest.Geräusche schwedischer Offshore-Windenergieanlagen wurden den Meeressäugetieren mit einem CD-Player und einem über 70 kg schweren Unterwasserlautsprecher vorgespielt. So simulierten wir für die bis dahin ungestörten kanadischen Tiere die Geräuschkulisse in der Umgebung einer Windenergieanlage. Wir konnten innerhalb von zwei Wochen die Reaktionen von über 800 Schweinswalgruppen und über 300 Seehunden erfassen.

Die Ergebnisse sind überraschend. Die Schweinswale und Seehunde hielten im Schnitt einen größeren "Sicherheitsabstand" zur Schallquelle ein, wenn die Geräusche abgespielt wurden, doch ein Ausschlussgebiet rundherum, wie wir es in einem früheren Versuch mit Piepern (1) festgestellt hatten, konnte nicht beobachtet werden. Einige Tiere tauchten sogar wiederholt unmittelbar neben dem Unterwasserlautsprecher auf.

Die Schweinswale setzten bei angeschaltetem Geräusch ihr Biosonar etwa doppelt so häufig ein wie im Kontrollversuch. Wahrscheinlich wurde die Schallquelle auf diesem Sinneswege genauer untersucht.

Dass sich einige Tiere der Lärmquelle neugierig näherten, ist allerdings kein Grund zur Entwarnung. Die Schweinswale reagierten auf die Störung und in welchem Ausmaß dies bei größeren und mehreren Offshoreanlagen der Fall sein wird, muss noch näher untersucht werden.

Zudem sind nach wie vor die begleitenden Probleme zu lösen. Vor allem beim Bau der Anlagen in den sturmarmen Sommermonaten - also genau zur Fortpflanzungszeit von Schweinswalen und Seehunden, kommt es zu erhöhtem Schiffsverkehr durch Baufahrzeuge sowie weitreichenden Schallemissionen durch Rammarbeiten für die Fundamente der Windmühlen. Dieser zum Teil erhebliche Lärm könnte die Tiere aus ihrem Habitat vertreiben.

Da alle Antragsteller ihre Windparks bis 2006 fertigstellen wollen (denn nur so weit reicht die Förderung des Gesetzgebers durch die Garantie hoher Stromeinspeisevergütungen), wird es vor der deutschen Nord- und Ostseeküste kaum einen unbeeinflussten Bereich geben, der sich als ruhiges Rückzugsgebiet für die Tiere eignet. Hier müssen Genehmigungsbehörden den Bauunternehmen rechtzeitig Grenzwerte vorschreiben und geeignete Maßnahmen zur Schalldämmung gefunden werden.

Ob Blasenvorhänge (2) eine Lösung darstellen, ist noch unklar. Auch sollten die Betreiberfirmen sich nach alternativen Gründungsarten umschauen (zum Beispiel Einspülen der Fundamente). Für die spätere Betriebsphase der Windparks suchen wir weiterhin nach unkritischen Frequenzbereichen für Windräder und Turbinen.

Da das Hörvermögen von Schweinswalen und Seehunden mit tiefen Frequenzen immer weiter abnimmt, müssen die Konstrukteure darauf achten, dass die Anlagen auch bei hohen Windgeschwindigkeiten nicht anfangen zu "jaulen". Unser Ziel ist es, bereits in der Entwicklung der Windgeneratoren mit technischen Maßnahmen das Emissionsverhalten positiv zu beeinflussen.

(1) Pieper oder englisch "pinger" sollen dazu dienen, die hohen Beifangraten von Schweinswalen zu verringern, indem die Tiere von Netzen vertrieben werden. Ungelöste Probleme bereiten dabei eine mögliche Gewöhnung an den Schall und ein eventueller Ausschluss aus ihrem Habitat.

(2) Blasenvorhang: Unterwässerschläuche mit vielen Löchern sprudeln Luftblasen. An dem dadurch entstehenden "Vorhang" brechen sich die Schallwellen bestimmter Frequenzen, dahinter ist es leiser.

Vitali braucht Hilfe

Peru Patendelfin VITALI, dümpelt ruhig im Wasser, Kopf, Blasloch, Finne und sein linkes Auge sind sichtbar.

Vitali steckt voller Lebenskraft. Er hat keine Schwanzfluke, kommt aber dennoch zurecht - nicht zuletzt Dank seines Freundes Viatli-Pal.

⇒ Patenschaft für Vitali (Paracas/Peru) ⇒ Patenschaft verschenken

Ihre Hilfe für bedrohte Delfine

Ein kleiner Delfin blickt uns neugierig an.

Delfine suchen Freunde!

Indopazifischer Großer Tümmler. Foto: DWA / Angela Ziltener