Mehrere, schwer verletzte Große Tümmler werden auf der offenen Ladefläche eine Kleinlasters zur Fischfabrik gekarrtUnd erneut färbt sich das Wasser in der Bucht von Taiji rot vom Blut sterbender Delfine. Die brutale Treibjagd auf Delfine ist, trotz weltweiter Proteste, wieder voll im Gange. Mehr als 250 Große Tümmler sollen derzeit in der Todes-Bucht zusammengetrieben worden sein. Unter den Tieren befindet sich auch ein extrem seltener junger Albino-Tümmler.

Auch die Kritik der neuen US-Botschafterin in Japan, Caroline Kennedy, hat das blutige Gemetzel nicht stoppen können. Sie sei "tief besorgt über die Unmenschlichkeit" der Delfintötungen, kritisierte Kennedy auf Twitter. Die US-Regierung lehne die Treibjagd ab, so Kennedy. Ihre Kritik übte sie auf Englisch als auch in japanischer Sprache.

Die Fischer – nur 26 Personen sind daran beteiligt – treiben ganze Delfinschulen in mit Netzen abgesperrte kleinere Buchten. Mit Eisenstangen schlagen sie auf die Delfine ein. Meist noch lebend werden die Meeressäuger mit einem Kran aus dem Wasser gezogen und mit Kleinlastwagen in eine Fischfabrik gekarrt. Dort schneidet man ihnen die Halsschlagadern auf, die Delfine verbluten langsam und qualvoll.

"Das Gehirn von Delfinen funktioniert vergleichsweise lange ohne Sauerstoff, unbetäubt erleben die intelligenten Tiere ihr Sterben bei vollem Bewusstsein. Das Ganze ist eine unvorstellbare Grausamkeit", erklärt GRD-Biologe Ulrich Karlowski.

Pures Gift
Rohes Walfleisch, zu Blöcken geschnittenIn Japan wird weltweit das meiste Wal- und Delfinfleisch gegessen, es wird roh oder als sukiyaki – eine Art kurz angebratenes Fleischgericht - serviert. Dafür töten nicht nur die Fischer in Taiji Delfine - die Anzahl der in Japan insgesamt getöteten Kleinwale beläuft sich auf jährlich um die 20.000 Tiere, ist seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima aber stark gesunken. Die von der japanischen Regierung immer wieder zitierte alte Tradition des Verzehrs von Wal- und Delfinfleisch kam tatsächlich erst nach dem 2. Weltkrieg auf, als diese Nahrung eine wichtige Proteinquelle darstellte.

Dass durch die Verschmutzung der Meere das Delfinfleisch heutzutage hochgradig mit dem toxischen Quecksilber und anderen Umweltgiften verseucht ist, interessiert die Regierung wenig. Sie verheimlicht der Bevölkerung die mit dem Verzehr des Fleisches verbundenen Gefahren für die Gesundheit ebenso wie das Gemetzel an der Küste von Taiji.

Delfinfleisch aus Taiji enthält bis zu 2.000 µg Quecksilber und überschreitet damit den japanischen Grenzwert von 0,4 µg um das bis zu 5.000-Fache. Über 90 Prozent der japanischen Bevölkerung wissen nichts oder nur wenig über die hohen Quecksilberwerte von Delfinfleisch, das unter anderem auch an Schul- und Krankenhauskantinen verteilt wird.

Blutiges Vergnügen
Der Hauptantrieb für die Barbarei ist der lukrative Erlös aus dem Verkauf von lebenden Delfinen. Denn einige Exemplare, meist junge Weibchen, werden verschont und aussortiert. Taiji-Delfine landen in Gefangenschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in China, Thailand, Südkorea, der Karibik und auch in der Türkei, wie GRD-Experten bei einer Überprüfung türkischer Delfinarien vor Ort herausfanden. Bis zu 200.000 US-Dollar werden für ein Exemplar auf den Tisch gelegt. Der jetzt gefangene Albino-Tümmler dürfte ein Vielfaches davon wert sein. "Das ist viel Geld, wenn man bedenkt dass ein toter Delfin nur 600 Dollar einbringt", erklärt Ric O’Barry, ehemaliger "Flipper"-Trainer und bekehrter Delfinschützer.

Solange die internationale Delfinariumsindustrie die japanischen Delfinkiller durch den Ankauf von Tieren aus Taiji unterstützt, wird das blutige Delfin-Gemetzel weitergehen!

Fotosafari statt Blutbad
Dennoch sind erste Anzeichen für ein Umdenken in Japan sichtbar, die den jahrelangen internationalen Protesten, an denen sich auch die GRD beteiligt, zu verdanken sind. So wurden seit 2004 in der japanischen Hafenstadt Futo keine Delfine mehr getötet, obwohl die japanische Regierung den örtlichen Fischern weiterhin Fangquoten ausstellt. Anstelle von Treibjagden betreibt man dort heute Delfinbeobachtungstouren.

Auf der Insel Toshima erhalten Delfine Bürgerstatus
Ans Licht: Ein Großer Tümmler schwimmt der hell leuchtenden Meeresoberfläche entgegenIm August 2012 erklärten die Fischer der kleinen, etwa 160 Kilometer vor Tokio gelegen Insel Toshima ihre Delfine zu Mitbürgern. Die Meeressäuger genießen jetzt den vollen Schutz in den Gewässern rund um die Insel, zu deren Einwohnern neuerdings auch 16 Delfine zählen. erklärten die Fischer der kleinen, etwa 160 Kilometer vor Tokio gelegenen Insel Toshima ihre Delfine zu Mitbürgern. Dies ist einmalig auf der Welt.

Die Meeressäuger genießen jetzt den vollen Schutz in den Gewässern rund um die Insel.

"Wir sind gegen die Jagd auf Delfine, das ist uns sehr wichtig. Es ist uns aber auch wichtig, dass viele Menschen begreifen, dass Delfine Tiere sind, die unsere Freunde sind und mit denen wir zusammenleben können. Toshima ist ein sehr wichtiges Symbol, um das Bewusstsein der japanischen Bevölkerung für den Schutz der Delfine zu stärken", erklärt Sakae Hemmi von der japanischen Naturschutzorganisation Elsa Nature Conservancy.
U. Kirsch / U. Karlowski

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Ypsilon braucht Hilfe

Adria Patendelfin YPSILON, ihr Baby springt unbeholfen auf Höhe der Rückenfinne der Mutter aus dem Wasser

Ypsilon (im Bild hinten) ist ein Weibchen. Es erhielt seinen Namen aufgrund einer Markierung auf der Finne, die an ein liegendes "Y" erinnert.

⇒ Patenschaft für Ypsilon (Adria/Kroatien) ⇒ Patenschaft verschenken

Ihre Hilfe für bedrohte Delfine

Ein kleiner Delfin blickt uns neugierig an.

Delfine suchen Freunde!

Indopazifischer Großer Tümmler. Foto: DWA / Angela Ziltener