Tote Delfine liegen in einem offenen Fischerboot, das Meereswasser ringsum ist blutrot verfärbt.Nicole und Markus Kappelhoff, begeisterte Taucher und im Meeres- und Delfinschutz auch für die GRD aktiv, nahmen 2015 als "Cove Guardians" im Rahmen der Operation "Infinite Patience" von Sea Shepherd teil. Hier ihr erschütternder Bericht über die grausamen Delfintreibjagden in der Todesbucht von Taiji (Japan).

Wir möchten unser Möglichstes dafür tun, dass die Aufklärung über die Grausamkeiten vorangetrieben wird, damit die schrecklichen Treibjagden irgendwann enden.

Der erste Schritt war für uns die Entscheidung, unseren Urlaub mit den Cove Guardians in Taiji, Japan zu verbringen, um das grausame Geschehen dort für die Welt zu dokumentieren.

Verbotsschild bei der Todesbucht. Die Bucht zu sehen war ziemlich surreal für uns. Alles wirkt auf den ersten Blick ganz friedlich. Aber die Verbotsschilder und Zäune machen sehr schnell klar, dass dort etwas versteckt werden soll.

Die tägliche Polizeieskorte wartet schon
Der Tag eines Cove Guardians fängt damit an, dass um 4:30 der Wecker klingelt… Aufstehen, Zähne putzen, "Uniform" anziehen, kleines Frühstück, starker Kaffee, Ausrüstung greifen und dann ist pünktlich um 5:45 das Treffen in der Hotellobby, bei dem die einzelnen Gruppen für die verschiedenen Aussichtspunkte eingeteilt werden.

"Uniform" für Cove Guardians bedeutet neben "Sea Shepherd"-Klamotten vor allem: Fotoapparat, Actioncam und Funkgerät - die wichtigsten “Waffen” in diesem Kampf. Das gesamte Team fährt dann gemeinsam nach Taiji, wobei wir bereits kurz vor dem Ort auf unsere Polizeieskorte treffen. Das ist am Anfang sehr merkwürdig, aber man gewöhnt sich daran.

Warten und Beobachten
Die erste Station an jedem Tag ist der Hafen in Taiji, wo die Cove Guardians im Morgengrauen das Auslaufen der 12 sogenannten Bangerboats (englisch: "to bang" - schlagen ) fotografisch festhalten. Jedes Boot ist mit 2 Personen besetzt. An der Außenbrücke ist eine Metallstange befestigt, die ins Wasser gelassen wird, wenn die Flotte eine Schule Delfine gefunden hat.

Als nächstes, noch immer in der großen Gruppe, geht es zu einem Aussichtspunkt, von dem aus wir die Richtung verfolgen, in die die Flotte auf ihrer Jagd nach Delfinen ausrückt. Bald sind alle Boote hinter dem Horizont verschwunden, dann folgt eine Phase, die unter anderem den Namen dieser Kampagne ausmacht: Warten und Beobachten - unendliche Geduld - Infinite Patience...

Ein Eine unerträgliche Mauer aus Lärm
Sobald am Horizont Bangerboote auftauchen, die sich in einer sogenannten "Drive Formation" der Küste nähern, brechen nach und nach die verschiedenen Teams zu anderen Aussichtspunkten auf, um möglichst viele der grausamen Details der Treibjagd zu dokumentieren.

Die Boote formieren sich zu einem “V”, die Metallstangen werden ins Wasser gelassen und einer der "Fischer" schlägt am oberen Ende mit einem Hammer dagegen, was eine für Delfine unerträgliche Mauer aus Lärm erzeugt, das "Bangen". Die Tiere kämpfen bis zur totalen Erschöpfung, um dieser Mauer zu entfliehen.

Je näher die Boote kommen, desto besser ist zu sehen, wie die Delfine immer müder werden und desto besser ist auch das “Bangen” zu hören. Der Lärm beim Gerüstbau wird uns wohl immer an die Bangerboote erinnern…

Tränen hinter der Kamera
Von unseren unterschiedlichen Aussichtspunkten dokumentieren wir alles bis ins kleinste Detail. Es ist meist sehr schwierig, die dabei aufkommenden Emotionen zu unterdrücken und "einfach" mit der Kamera "drauf zu halten".

Die Delfine werden in die Todesbucht getrieben. Andererseits ist die Kamera auch wie eine Maske, hinter der man sich verstecken kann… Das Foto bleibt ja das Foto - ob die Person hinter der Kamera nun weint oder nicht. Und wir hatten viele solcher Fotos…

Die Bangerboote treiben die inzwischen total erschöpften und verzweifelten Delfine in "Die Bucht" und schließen sie dort mit Netzen ein.

Hier ist vom Strand aus deutlich zu sehen, wie grausam und ohne jeden Respekt die Tiere immer enger aneinander und in Richtung der "Todesbucht" getrieben werden. Das ist eine kleinere Seitenbucht, die schon von den Felsen sichtgeschützt ist und durch Planen noch zusätzlich abgeschirmt wird.

Es gibt kaum ein Entkommen
Mehrere Menschen in Neoprenanzügen haben einen Delfin im Wasser auf den Rücken gedreht, um festzustellen, ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist.Wenn die Tiere alle dort gefangen sind, wird auch diese Seitenbucht mit Netzen versperrt, sodass es kein Entkommen mehr gibt. Inzwischen sind Taucher und die Killer in kleineren Booten, den Skiffs, eingetroffen. Je nach Art der Delfine oder kleinen Wale treffen die Taucher eine Auswahl derjenigen Tiere, die für ein Leben in Gefangenschaft "geeignet" sind - also möglichst keine Narben haben.

Auch wird das Geschlecht festgestellt. Dazu müssen die Tiere im Wasser auf den Rücken gedreht werden, was zusätzlichen, extremen Stress verursacht.

Die Delfine erleiden einen entsetzlichen Tod
Diejenigen Tiere, die "nicht schön genug" sind für eine Delfinshow, werden nun auf grausame Weise abgeschlachtet. Die Killer rammen einen Dorn in die Wirbelsäule und schließen das dadurch entstandene Loch mit einem Korken, um den Blutfluss zu stoppen. Angeblich sterben die Delfine sofort, was in vielen Fällen nicht stimmt.

Durch Öffnungen in den Planen konnten wir deutlich sehen, wie viele Tiere entsetzlich leiden, bis sie schließlich erlöst sind. Die Familienmitglieder dieser armen Tiere müssen alles mit ansehen, bis sie selber an der Reihe sind. Ihre panischen Schreie und das verzweifelte Flossenschlagen sind deutlich zu hören.

Transport der getöteten Delfine mit einem kleinen offenen Fischerboot ins SchlachthausDas Wasser der Todesbucht färbt sich rot vom Blut der Delfine…
Die getöteten Tiere werden in Skiffs verladen und zum Schlachthaus gebracht, die Gefangenen in die "Pens" (Pferche) im Hafen oder zu den zwei "Delfin-Horrorstationen" in Taiji: Taiji Whale Museum und Hotel "Dolphin Resort", wo im Sommer Touristen mit den Delfinen schwimmen dürfen.

Nur wenige haben eine Chance, dem Grauen zu entrinnen
Es kommt auch vor, dass die "Killer" einige Delfine weder gefangen nehmen noch töten, sondern sie wieder hinaus ins Meer treiben - sei es, weil die Quote für den Tag erfüllt ist oder auch weil die Tiere zu jung sind.

Sie treiben die Zurückgebliebenen dann auf die gleiche grausame Weise wieder hinaus, wie sie sie vorher hinein getrieben haben.

Jungtiere und Babies werden in Planen, die am Boot befestigt werden, hinausbefördert und dort einfach ins Meer geworfen, wo sie nun ohne den Schutz ihrer Familie nur geringe Überlebenschancen haben.

Die Welt muss so viel wie möglich über die Wahrheit hinter den Planen erfahren
Der Tag in Taiji endet damit, dass sich alle im Hafen versammeln und dort mit vereinten Waffen so detailliert wie möglich den Verbleib der getöteten und gefangenen Tiere dokumentieren. Jeder blutige Stiefel, jedes blutige Auf Beobachtungsposten im Hafen von Taiji.Tötungswerkzeug wird fotografiert, damit die Welt so viel wie möglich über die Wahrheit hinter den Planen erfährt.

Zum Abschluss eines "roten" Tages ertönt ein weiteres grauenvolles Geräusch: die Sirene der Fischereigewerkschaft, die ankündigt, dass es frisches Delfinfleisch zu kaufen gibt…

Dann werden die Planen entfernt und die Boote gereinigt. Die Killer haben ihr Tagewerk vollbracht und fahren mit ihrem Anteil an der "Beute" nach Hause.

Nur ein erster Schritt
Lgo der Cove GuardiansWir werden das dort Erlebte sicher nie vergessen und sind sehr stolz, Teil eines so tollen Teams gewesen zu sein. In unseren Mit-Cove Guardians haben wir gute Freunde gefunden, die das gleiche Ziel haben: Die Grausamkeiten zu beenden.

Die Kampagne in Taiji war für uns der erste Schritt. Wir werden auch weiterhin mit verschiedenen Organisationen für den Erhalt maritimen Lebens kämpfen.
Nicole & Markus Kappelhoff, Januar 2015

Ypsilon braucht Hilfe

Adria Patendelfin YPSILON, ihr Baby springt unbeholfen auf Höhe der Rückenfinne der Mutter aus dem Wasser

Ypsilon (im Bild hinten) ist ein Weibchen. Es erhielt seinen Namen aufgrund einer Markierung auf der Finne, die an ein liegendes "Y" erinnert.

⇒ Patenschaft für Ypsilon (Adria/Kroatien) ⇒ Patenschaft verschenken

Ihre Hilfe für bedrohte Delfine

Ein kleiner Delfin blickt uns neugierig an.

Delfine suchen Freunde!

Indopazifischer Großer Tümmler. Foto: DWA / Angela Ziltener