Toter Brydewal liegt quer auf dem Bugwulst eines Containerschiffs

Erst in jüngster Zeit hat man auch auf internationaler Ebene erkannt, dass der stark gestiegene Schiffsverkehr, neben der Verlärmung und Verschmutzung der Ozeane, der Anheizung des Klimas durch Dieselabgase oder der Verfrachtung gefährlicher Bioinvasoren durch das Entleeren der Ballasttanks, eine weitere, ernst zu nehmende Gefahr für Meerestiere in sich birgt: die für die betroffenen Tiere meist tödliche Kollision mit einem Schiffskörper.

Kollisionen von Schiffen mit Walen und auch Delfinen treten weltweit immer häufiger auf. Inzwischen weiß man sogar, dass bestimmte Walpopulationen allein durch die durch Zusammenstöße verursachten Todesfälle vom Aussterben bedroht sind.

Eine mögliche Lösung sind Tempolimits in sensiblen Meeresgebieten. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass ab einer Geschwindigkeit von 30 km/h die Zahl der Zusammenstöße deutlich ansteigt.

Karte der Straße von Gibraltar, in einem schwarz umgrenzten Bereich gilt das Tempolimit, in Pink dargestellt sind Hauptverbreitungsgebiete einer lokalen Pottwalpopulation.So hat zum Beispiel Spanien bereits 2007 in der Straße von Gibraltar zum Schutz von Pottwalen ein Tempolimit von 13 Knoten (24 Stundenkilometer) in einer stark befahrenen Wasserstraße erlassen, in der 25 Pottwale leben.

Leider gilt das Tempolimit nur in einem sehr begrenzten Meeresgebiet. Rundherum dürfen Schnellfähren nach wie vor mit Geschwindigkeiten von bis zu 38 Knoten (über 70 Stundenkilometer) fahren.

Auf die Schiffskollisions-Problematik machen wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation M.E.E.R. (Artenschutzprojekt La Gomera) verstärkt aufmerksam: Wie kommt es zu Kollisionen? Welche Schiffstypen und welche Walarten sind verwickelt? Welche Gefahren entstehen und wie kann man sie vermeiden?

Diese Fragen sollen - soweit es der heutige Kenntnisstand erlaubt - beantwortet und mit Ergebnissen aus der Wissenschaft unterlegt werden. Ein gesonderter Blick wird dabei auf die Kanarischen Inseln gerichtet, wo es eine erhebliche Problematik im Zusammenhang mit den dortigen modernen Schnellfähren gibt.

Die Fährverbindungen zwischen den Kanaren, einem der großen Urlaubsparadiese der Deutschen, werden mit so genannten High-Speed-Fähren ausgebaut. Diese Schnellfähren durchqueren mit Geschwindigkeiten von bis zu 75 km/h Gebiete, die für viele Populationen von Walen und Delfinen eine existentielle Bedeutung haben.

Diese Gewässer sind von so hohem Wert, dass sie von der Europäischen Union als schützenswert eingestuft wurden. Vor Teneriffa ist gar eine bereits ausgewiesene Schutzzone direkt betroffen. Die Gewässer der Kanarischen Inseln beherbergen eine außerordentliche Vielfalt an Walen und Delfinen. Die teilweise seltenen Arten sind durch den enorm ansteigenden Schnellfährverkehr in akuter Gefahr, weil die Routen durch ihre Lebensräume verlaufen und die Tiere den herannahenden Schiffen nicht rechtzeitig ausweichen können. 

In der Regel verlaufen Kollisionen für die Tiere tödlich. Schätzungen gehen von mindestens 20 getöteten Walen pro Jahr allein im Gebiet der Kanaren aus. Die Umweltbehörden sind meist machtlos, da der Schutz der Meereswelt vordergründig als dem Tourismus zuwiderlaufend wahrgenommen wird und diesem als wichtigsten Wirtschaftsfaktor Priorität eingeräumt wird.

Weitere Informationen:

⇒ International Whaling Commission - Ship Strikes: collisions between whales and vessels

 

KUKA braucht Hilfe

Adria Patendelfin KUKA (Haken) schwimmt sehr schnell mit zwei anderen Tümmlern.

Kuka (Haken), im Bild rechts: Die hakenförmige Einkerbung an der Finne ist sein Erkennungsmerkmal.

⇒ Pate von KUKA werden ⇒ Patenschaft verschenken

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