25.01.2013 - Eine ungewöhnliche Entdeckung machten die Verhaltensbiologen Alexander Wilson und Jens Krause vom Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin in den Atlantikgewässern vor den Azoren: Ein – anscheinend nicht lebensbedrohlich - missgebildeter Delfin war von einer Pottwalgruppe adoptiert worden.

Wie auf Fotos und Videoaufnahmen zu sehen ist, versucht der Große Tümmler immer wieder "Streicheleinheiten" von den bis zu 20 m großen Meeressäugern zu ergattern, die ab und zu auch erwidert werden.

Der Kinderbuchautorin Doris Thomas, die bei dem Whale-Watching-Ausflug im September 2011 dabei war, gelang sogar eine wunderbare Aufnahme, wie ein Pottwal den Delfin mit der s-förmigen Rückgratverformung behutsam zwischen Ober- und Unterkiefer nimmt.

Zwar suchen insbesondere Große Tümmler immer wieder gern die Gesellschaft anderer Arten, auch von Großwalen. Pottwale allerdings sind gegenüber Großen Tümmlern meist eher zurückhaltend, wie die Meeressäugerexpertin Monica Almeida e Silva von der Universität der Azoren in Portugal auf "news.sciencemag.org/sciencenow" erklärt, da diese Art des Öfteren Pottwalkälber jagt und belästigt.

GRD-Projektleiterin und Pottwalforscherin Andrea Steffen konnte Ähnliches bei Untersuchungen vor der Karibikinsel Dominica feststellen. Auch dort schienen die Großen vor den Kleinen häufig zu flüchten: "Obwohl die Pottwale von der Größe her den Delfinen weit überlegen sind, ergreifen sie jedoch meist freiwillig die Flucht vor ihnen. Fühlen sie sich vielleicht gestört oder sogar genervt von ihnen?" fragt sie in ihrem Buch "Pottwale – Im dunklen Blau des Meeres"*.

Warum die aus drei erwachsenen und zwei Jungtieren bestehende Pottwalgruppe den Großen Tümmler "adoptiert" hat und warum der sich zu den sanften Riesen hingezogen fühlte, bleibt weiterhin Spekulation. Möglicherweise suchte er bei ihnen Anschluss, weil er aufgrund seiner Missbildung von Artgenossen nicht akzeptiert wurde, sei es wegen körperlicher Nachteile oder niedrigem sozialen Status, vermuten die beiden Wissenschaftler aus Berlin.

Ein Verdacht, den auch unsere kroatischen Projektpartner, Tierärzte von der Uni Zagreb, schon einmal bei eigenen Studien hegten. Sie hatten bei Beobachtungen von Großen Tümmlern in der kroatischen Adria den Eindruck, dass ein anscheinend atemwegskrankes Tier von seinen Artgenossen gemieden wurde.

Eine Veröffentlichung zum Thema von Wilson und Krause wird in Kürze im Wissenschaftsjournal „Aquatic Mammals“ erscheinen. "Ich durfte mit meinen Daten und Material Teil dieses Papers sein", berichtet uns Doris Thomas zurecht mit Stolz.
Ulrike Kirsch

Kuka braucht Hilfe

Adria Patendelfin KUKA (Haken) schwimmt sehr schnell mit zwei anderen Tümmlern.

Kuka (Haken), im Bild rechts: Die hakenförmige Einkerbung an der Finne ist sein Erkennungsmerkmal.

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Indopazifischer Großer Tümmler. Foto: DWA / Angela Ziltener

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