Ein fuchsfarbener Hund blickt neugierig mit beiden Vorderbeinen auf dem Schlauchkörper eines Zodiac sich abstützend ins WasserMit einem mehr als ungewöhnlichen Teammitglied wollen Forscher im Nordwesten der USA dem kontinuierlichen Rückgang der Schwertwale im Puget Sound auf die Spur kommen. "Tucker", so der Name des achtjährigen Labradormischlings, verfügt über eine außergewöhnliche Fähigkeit: Er ist einer von wenigen Hunden weltweit, der die Exkremente von Meeressäugern aufspüren kann und das auf eine Entfernung von ein bis zwei Kilometern!

Hat der begeisterte Bootsfahrer mit seiner Supernase etwas erschnüffelt, wedelt er vor Aufregung mit dem Schwanz und schaut in die Richtung seines Funds, erklärt die Forscherin Elizabeth Seely. Die Wissenschaftler müssen ihr Boot nur nach Tuckers Schnauze steuern und schon ist die eher zähe, nach einem Gemisch aus Schleim und Algen aussehende Hinterlassenschaft, die sonst extrem schwer zu finden, aber bei Walforschern heiß begehrt ist, aufgespürt und kann analysiert werden.

Mit Tuckers Hilfe können die Forscher um Sam Wasser, den Leiter des Center for Conservation Biology an der University of Washington, diese behutsame, nicht invasive Forschungsmethode sehr effektiv einsetzen. Für sie ist ein „Walhaufen“ ein wahrer Informationscluster: "Er enthält Informationen über die Nahrung des Tieres, über Giftstoffe, anhand der DNS lässt sich Identität, Nahrung und Geschlecht eines Tieres feststellen – all das im Walkot", erklärt Wasser.

Orcas oder Schwertwale sind die größten der Delfinfamilie, sie leben in sehr engen Familienverbänden und haben zum Teil sogar eigene "Dialekte". Sie sind weltweit verbreitet, doch vor der nordamerikanischen Nordwestküste haben Forscher einen steten Rückgang der dort sesshaften Population ausgemacht. Die in den Gewässern von Washington (USA) und südlichem Britisch-Kolumbien (Kanada) lebenden Schwertwale sind laut Roter Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion IUCN stark gefährdet. Die im Puget Sound residente Orca-Population soll nur noch 88 Tiere umfassen.

Der meterhone Blas eines Orcas kondensiert in der kalten LuftNahrungsmangel, Schiffsverkehr und Meeresverschmutzung könnten die Ursachen dafür sein, vermuten Wissenschaftler anhand bisheriger Untersuchungen. In früheren Studien fanden Wasser und sein Team bereits heraus, dass zu Zeiten von starkem Schiffsverkehr – beispielsweise am Wochenende des 4. Juli, des amerikanischen Nationalfeiertags – der Orcakot eine höhere Konzentration an Stresshormonen enthält. Zu Ferienzeiten tummeln sich besonders viele "Walbeobachter" in der Gegend, die ein beliebtes Ziel für Whale Watcher ist.

Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Orca-Sterblichkeit am höchsten war, wenn ihre Schilddrüsenhormonkonzentration am niedrigsten war, was auf einen Nahrungsmangel hinweisen könnte. Unter den Walen und Delfinen weltweit haben diese Schwertwale die höchste toxische Belastung, vor allem mit Pestiziden und Flammschutzmitteln. "Diese stören den Hormonhaushalt und schädigen so die körpereignen Mechanismen zur Regulierung von Fortpflanzung und Stoffwechsel", erklärt Wasser.

Ob sie unterernährt sind und deswegen möglicherweise weniger Nachwuchs zur Welt bringen, ob die Giftkonzentrationen in ihrem Körper sich nachteilig auf ihre Fortpflanzungsfähigkeit auswirken oder ob der durch den Schiffsverkehr ausgelöste Stress negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Orcas hat – das wollen die Forscher mithilfe der Walkotanalysen herausfinden – und "Walhelfer" Tucker bringt sie dabei auf die richtige Spur.
Ulrike Kirsch, Januar 2012
Foto Orca: © K.Wothe

Poveliki braucht Hilfe

Adria Patendelfin POVELIKI (ziemlich groß) in einer Gruppe mit 4 anderen Tümmlern, die eng zusammen fast auf gleicher Höhe schwimmen. POVELIKI ist der mit Abstand größte Delfin in der Gruppe und hat eine markante hell gefärbte Finnenspitze.

Poveliki (ziemlich groß), vierter von vorne, ist an seiner markanten Finne gut zu erkennen. Hier ist er u.a. mit Crta unterwegs.

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Ein kleiner Delfin blickt uns neugierig an.