Ein Kampf-Delfin der US-Navy springt aus dem Wasser, auf seinem rechten Flipper ist eine kleine Kamera angebracht befestigtUm kaum einen Aspekt der langen Geschichte der Delfin-Mensch-Beziehung ranken sich derart viele Mythen und Legenden wie um Kampfdelfine.

Was können diese hoch spezialisierten und gedrillten Tiere, was können sie nicht? Können sie feindliche Kampftaucher töten oder feindliche Schiffe und U-Boote durch das Anbringen von Haftminen versenken? Oder lassen sie sich doch "nur" als Meeres-Wachhunde und geschickte Minensucher einsetzen?

Den vielen Gerüchten um Training und Einsatz der "Soldaten der Meere" wurde kürzlich ein neues hinzugefügt. Nach der Krim-Annexion hieß es, "Putin hat jetzt auch Kampfdelfine". Denn mit der Übernahme der ukrainischen Marinebasen habe Russland nun auch eine Spezialeinheit militärisch ausgebildeter Großer Tümmler übernommen.

Propagandaschlacht um eine Geister-Delfin-Kampfeinheit
Vielleicht auch um den Russen ihren Triumph madig zu machen, erscheinen nur wenige Tage später, am 03. April, Berichte, nach denen es die ukrainische Kampfdelfine gar nicht gäbe. Angeblich habe die ukrainische Marine ihr Delfinprogramm bereits in den Neunzehnhundertneunziger Jahren eingestellt.

Demgegenüber stehen Meldungen aus der Ukraine vom Oktober 2012, man plane, zehn Große Tümmler zu Kampfdelfinen auszubilden, die angeblich bei der Landesverteidigung, so beim Anbringen von Minen an feindlichen Schiffen, eingesetzt werden sollen. Das Training in der auf der Halbinsel Krim gelegenen Hafenstadt Sewastopol habe bereits begonnen, hieß es damals aus Kreisen der Armee. Ukrainische Quellen vermuteten damals, es handele sich wohl eher um einen lukrativen Auftrag des iranischen Militärs, das plane, mit den Delfinen Schiffe in der Straße von Hormus anzugreifen oder ein entsprechendes Bedrohungsszenario aufzubauen.

Putin hat keine Kampfdelfine!
Selbst wenn die Ukraine 2012 begonnen haben sollte, Große Tümmler zu "biologischen Kampfeinheiten" auszubilden und die russische Marine diese Einheit nun übernommen hat, dann stehen diese Tiere erst ganz am Anfang einer harten, mindestens siebenjährigen Ausbildung. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass die russische Marine ein derart teures, militärisch unsinniges und enorm aufwendiges Ausbildungsprogramm fortführt.

Auslaufmodell Kampfdelfin
Navy and Air Force personnel manage dolphins aboard a C-17 Globemaster III aircraft en route to New CaledoniaEnde 2012 hatte die US-Navy angekündigt, auf Delfine als Helfer bei militärischen Einsätzen verzichten zu wollen. Bis 2017 sollen die etwa 80 in San Diego stationieren Kampfdelfine des jährlich rund 28 Millionen Dollar verschlingenden "US Marine Mammal Program" andere Aufgaben erhalten und durch Unterwasser-Roboter und Unterwasser-Drohnen ersetzt werden. Die Entscheidung der US-Militärs basiert natürlich nicht auf ethischen Überlegungen, sondern auf ökonomischen: Roboter sind billiger, brauchen keine langjährige Ausbildung und können in beliebiger Stückzahl eingesetzt werden – auch wenn die sensorischen Fähigkeiten der Delfine den Unterwasser-Drohnen immer noch überlegen sind.

Delfine können zum Beispiel Sprengsätze, die am Meeresgrund versteckt und mit Sediment zugedeckt sind, verlässlich aufspüren. Die Militärs machen sich dabei die Neugierde und das ausgeprägte Ortungsvermögen der Tiere zunutze. Hat der Delfin ein verdächtiges Unterwasserobjekt entdeckt, kann er es mittels einer Sonde markieren oder er schwimmt an die Oberfläche und gibt durch Zeichen zu verstehen, was er entdeckt hat. Als Belohnung gibt es etwas zu fressen.

Zuletzt waren sechs Navy-Tümmler im Oktober 2012 in der montenegrinischen Bucht von Kotor im Einsatz. Sie sollten dort nach Bomben, Torpedos und Minen suchen. Die Alt-Munition stammt sowohl aus den beiden Weltkriegen als auch aus den Kriegen beim Auseinanderbrechen Jugoslawiens in den 90er-Jahren. Trotz großzügiger US-Finanzhilfen sahen sich die Behörden von Montenegro außer Stande, das explosive Erbe aus eigener Kraft unschädlich zu machen.

Im Irak-Krieg 2003 wurden vier Kampf-Delfine zur Minenräumung im Hafen von Um Kasar eingesetzt. Einer von ihnen, das 22 Jahre alte Männchen "Takoma", nutzte die Gelegenheit, um nicht wieder zurückzukehren. Sein Schicksal ist bis heute ungeklärt.

Auch in der Ostsee waren im Jahr 2000 einige der US-Navy-Delfine zu Gast, im Rahmen eines NATO-Marinemanövers.

Rüstungswettlauf um Kampfdelfine im Kalten Krieg
Kampfdelfine gehörten zu Zeiten des Kalten Krieges zu einem der bestgehüteten militärischen Geheimnisse, um das ein regelrechtes Wettrüsten zwischen der USA und der ehemaligen UdSSR ausbrach. Seit 1959 trainiert die US-Navy wild gefangene Große Tümmler für militärische Zwecke und setzte sie erstmals in der Bucht von Cam Ranh im Vietnamkrieg sowie im ersten Golf-Krieg 1991 ein. Die mit speziellen Nasenwaffen ausgerüsteten Meeressäuger sollten dort feindliche Taucher aufspüren und töten.

Von Seiten der Militärs wird allerdings bis heute bestritten, dass Delfine jemals dazu ausgebildet wurden, Menschen anzugreifen oder gar Minen an Schiffen anzubringen – eine weitere der vielen wohl auf immer ungeklärt bleibenden Fragen rund um den Mythos der Kampfdelfine. Während es die Amerikaner zu Hochzeiten des Hypes um die "Soldaten der Meere" bis 140 Große Tümmler trainiert haben sollen, brachte es die hier nicht hintenanstehen wollende ehemalige UdSSR zuletzt auf über 120 Kampfdelfine in ihrem Ausbildungszentrum in Sewastopol. In den Jahren nach dem Zusammenbruch der Riesenreiches 1991 gingen sie dann in den Besitz der Ukraine über und wurden größtenteils verkauft, so an Delfin-Therapiezentren in der Türkei.

Der Blutzoll der Delfine
Ebenso streng geheim wie es das Trainingsprogramm an sich bis zu Beginn der Neunzehnhundertneunziger Jahre war, sind auch Angaben über Verluste bei den eingesetzten Delfinen. Nicht wenige dürften das harte Schicksal des Einfangens, Trainierens und regelmäßig stattfindenden Transportierens nicht überlebt haben. Wie viele von ihnen, wie "Takoma" im Irak, den Dienst durch "Flossenflucht" von sich aus quittierten, wird gleichfalls für immer ungeklärt bleiben.

Es steht zu hoffen, dass eines der schrecklichsten Kapitel in der Delfin-Mensch-Beziehung in wenigen Jahren nun endlich ein Ende gefunden haben wird.
U.Karlowski, 04. April 2014

Bold braucht Hilfe

Peru Patendelfin BOLD schwimmt als kleines Delfinbaby ganz dicht an der Seite seiner Mutter und streckt gerade seine Schnauze aus Wasser.

Bold bedeutet kühn, dreist, und genauso benahm er sich bei den ersten Beobachtungen in der Supay-Bucht vor 10 Jahren. Bold war ein unerschrockenes Junges, das dem Rest der Gruppe voraus schwamm. Heute ist Bold erwachsen.

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Ein kleiner Delfin blickt uns neugierig an.

Delfine suchen Freunde!

Indopazifischer Großer Tümmler. Foto: DWA / Angela Ziltener

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