Updates zu den Patendelfinen 2009

Seit 1999 werden zwei residente Gruppen Großer Tümmler bei der Paracas-Halbinsel kontinuierlich beobachtet und seitdem haben wir viel Neues über Verhaltensweisen und Krankheiten erfahren.

Supay-Delfine
Die Supay-Delfine leben innerhalb des Paracas-National-Reservats in einem abgeschiedenen Gebiet mit wenigen menschlichen Einflüssen, doch gefährdet illegale Dynamitfischerei ihr Überleben. Erfreulicherweise wurde im April dieses Jahres ein neugeborenes Kalb in der kleinen Gruppe von nur 18 Individuen gesichtet. ACOREMA bildet Ranger zu ihrem Schutz aus und die regelmäßige Überwachung ist hier sehr wichtig, denn diese isolierte Familie könnte mit einem Ereignis auf einmal ausgelöscht sein.

Die Paracas-Delfine
Die Delfine auf der nördlichen Seite der Halbinsel in der Paracas-Bucht hingegen sind allen menschlichen Einflüssen ausgesetzt, die man sich nur vorstellen kann: Meeresverschmutzung durch Industrieanlagen und ungeklärte Haushaltsabwässer, zunehmender Schiffsverkehr aufgrund industriellen Wachstums,Verknappung der Nahrungsressourcen durch nicht nachhaltigeFischerei sowie Fang der Delfine in Fischernetzen, ob unbeabsichtigt als Beifang oder sogar gezielt.
Fünfmal Nachwuchs
Die freudige Nachricht ist, dass dieses Jahr fünf neugeborene Junge gezählt werden konnten: Die Mütter Silver, Chaco, Longscar, Trinity und Big Nose ziehen ihren Nachwuchs groß und zeigen den Kleinen, wie siein ihrer nicht ungefährlichen und rasch wechselnden Umgebung zurecht kommen können.
Denise Wenger

Helfen auch Sie mit:
Übernehmen Sie eine symbolische Patenschaft für einen Peru-Delfin

back to top back to top

 

Updates zu den Patendelfinen 2008: Paracas-Bucht | Supay-Delfine

Die Delfine der Paracas-Bucht

Patendelfine wohlauf
Zu unserer großen Freude wurden 2008 sogar sieben Delfinmütter mit ihren  Kälbern regelmäßig in der Bucht beobachtet.Da der Pier an der Paracas-Bucht und viele Boote durch das Erdbeben 2007 zerstört worden waren, konnte ACOREMA fast ein halbes Jahr lang keine Ausfahrten zu den Patendelfinen unternehmen. Viele unserer Delfin-Paten fragten besorgt bei uns nach, ob die Delfine das Erdbeben wohl unbeschadet überstanden haben und wieder in die Bucht zurückkehren würden.

Auch wenn wir sie beruhigen konnten mit dem Wissen, dass Delfine herannahende Naturkatastrophen wahrnehmen und darauf rechtzeitig reagieren, waren wir doch selbst auch sehr gespannt, was wir vorfinden würden und sehr erleichtert, als viele der bekannten Großen Tümmler in der Bucht wohlauf gesichtet wurden.

Chaco mit ihrem JungenZu unserer großen Freude wurden 2008 sogar sieben Delfinmütter mit ihren Kälbern regelmäßig in der Bucht beobachtet. Darunter waren Pegs, Silver und Chaco mit ihren Jungen aus dem letzten Jahr und vier "frischgebackene" Mütter.

Gesichtet wurden 2008 folgende identifizierbare Delfine:
Snowy Hill, Corky II, Pegs, Tao, Old Hat, Vitali Pal, Flucky, Ghost, Silver, Tatoo, Gorky, Bodo, Cosmo, Longscar, Queen, Chaco, Breeze, Vitali, Crunch, Pisco, Halley, Bay, Sharpy, Tatooine.

GRD-Patendelfin Vitali, ihm fehlt der Großteil seiner Fluke, deshalb schwimmt er sehr unbeholfenWie in den Jahren zuvor wurde Vitali am häufigsten gesehen und nahezu bei jeder Ausfahrt in der Bucht angetroffen. Dies ist seinem Handicap – ihm fehlt der Großteil seiner Fluke, deshalb schwimmt er sehr unbeholfen und treibt meist seitlich geneigt an der Wasseroberfläche – zuzuschreiben.

Häufig wurden auch Queen, Silver, Breeze, Sharpy und Bodo gesehen. Snowy Hill, der das letzte Mal Juli 2006 gesichtet wurde, zeigte sich nach zwei Jahren wieder im Juli 2008. Die beobachteten Gruppen hatten immer wieder neue Zusammensetzungen, ausgenommen die sehr eng vergesellschafteten bzw. befreundeten Delfine wie z.B. Corky II und Gorky ("die Unzertrennlichen") und natürlich die Mütter mit ihren Kälbern.

Veränderung des Verhaltens
Die durchschnittliche Gruppengröße ist mit einem Wert von 12,2 vergleichsweise hoch. Wir vermuten, dies ist auf eine neue, besondere Verhaltensweise der Delfine zurückzuführen, die sich hier nun etabliert hat: Da die Fischer keine Jagd mehr auf die Delfine machen, aber Fischabfälle in der Bucht über Bord werfen, haben sich die Meeressäuger angewöhnt, diese einfache Nahrungsquelle auszunutzen, sich um die Fischerboote schon bei deren Einfahren in die Bucht zu gruppieren und die Fischreste, die über Bord gehen, beim Absinken zu schnappen oder vom Grund aufzusammeln.

Seevögel und Delfine, hier Patendelfin Queen, schnappen sich FischabfälleÄhnliches kennen wir auch von anderen Projekten und Gelegenheiten, z.B. Fischzuchtanlagen, die von Großen Tümmlern aufgesucht werden, da immer ein paar kleinere Fische den Umzäunungen entkommen und so einen schnellen Happen darstellen, oder aber von Berichten, wo Delfine direkt gefangene Fische aus dem Netz klauben (aus Sicht der Fischer: "klauen"; aus Sicht der "unwissenden" Delfine: "zappelnde Fische als leichte Beute schnappen").

Oft aber verfangen sich die Delfine dabei im Netz und ertrinken oder schlucken Netzreste mit, an denen sie ebenfalls verenden können. In Paracas nun finden sich die Großen Tümmler meist innerhalb eines Kilometers und oft nicht weiter als Hundert Meter entfernt vom Strand zwischen den ankernden Booten und der Anlandungsstelle für den Fischmarkt ein.

Neue Nahrungsstrategie
Aus biologischer Sicht wird durch das Überbordwerfen der Fischabfälle, dem sich die Großen Tümmler durch das Aufsammeln der Fischreste von der Wasseroberfläche angepasst haben, bereits das natürliche Verhalten der Delfine geändert. Der Mensch greift, wenn auch unabsichtlich, ein. Wir wissen nicht, ob sich ansonsten so viele Delfine ständig in der Bucht aufhalten würden und ob ein Delfin wie Vitali ohne Viele verschiedene Verhaltensweisen konnten bei den Paracas-Delfinen beobachtet werden, wie z.B.: im seichten Wasser fast senkrecht stehend vom Meeresboden fressend.Schwanzfluke überleben könnte.

Viele verschiedene Verhaltensweisen konnten bei den Paracas-Delfinen beobachtet werden, wie z.B.: an der Wasseroberfläche kreisen, aktives Beutejagen, Fressen, im seichten Wasser fast senkrecht stehend vom Meeresboden fressend, Springen, Umhertragen von Objekten wie beispielsweise einen leeren Fischmehlsack, Ausruhen und den Fischerbooten folgen. Als im Dezember 2008 ein Fisch-Massensterben auftrat, war die einzige beobachtetet Fischfangmethode der Delfine das "bottom feeding", also vom Meeresgrund aufsammeln.

Erkrankung der Haut
Tatoo- Die Entzündung heilte, zurück blieb eine weiße StelleWir haben schon mehrfach über die Hautkrankheiten der Paracas-Delfine berichtet, die mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Meeresverschmutzung in der Bucht und Kontamination mit chemischen Verunreinigungen zurückzuführen ist. 2008 fiel besonders Tatoo auf. 2004 weiß dieser Große Tümmler eine frische, rötliche Infektion an der Finnenspitze Finne aufs, die aber im Januar 2005 verheilt war. Im Juli 2007 trat an der gleichen Stelle erneut eine Infektion sichtbar auf, die im Juli 2008 bereits wieder abgeheilt war.

Patendelfin Vitali Pal bei einem seiner spektakulären SprüngeDie Paracas-Delfine sind einem oder mehreren noch näher zu bestimmenden Substanzen in der Bucht, die zu Entzündungen und Infektionen führen, ausgesetzt.

Vitali Pal, unser - von vielen schönen Fotos, die ihn springend über der Wasseroberfläche zeigen - am besten bekannter Patendelfin, wurde erst nicht wiedererkannt, so sehr hatte sich seine Rückenfinne geändert durch Zahnspuren und ein paar kleine fehlende Stücke am hinteren Rand seiner Rückenfinne. Doch durch ein Computerprogramm konnte die richtige Identifizierung gelingen.
Insgesamt sind nun 83 Individuen in der Bucht gesichtet und registriert worden.

Interaktionen mit Booten
Seit Bekanntwerden der Paracas-Delfine durch unserer Schutzprojekt haben die Tour-Guides, die Touristen zu den nahegelegenen Ballestas-Inseln mit Seelöwen und Humboldtpinguine als Hauptattraktionen fahren, auch die Großen Tümmler in der Paracas-Bucht in ihr Programm aufgenommen.

ACOREMA und GRD haben allen Guides Verhaltensregeln zum "sanften" Beobachten der Delfine zusammengestellt und ausgehändigtACOREMA und GRD haben allen Guides Verhaltensregeln zum "sanften" Beobachten der Delfine zusammengestellt und ausgehändigt. Im Durchschnitt verweilen die Boote etwa 4 bis 5 Minuten bei den Delfinen, indem sie nicht zu nah heranfahren und ihr Boot so anhalten und stellen, dass die Delfine sich annähern können. Beobachtungen 2008 ergaben, dass die Delfine ihr Verhalten wenig änderten, sich gegenüber den Touristenbooten indifferent und nur wenig Störverhalten zeigten. In einem Fall konnte 2008 allerdings beobachtet werden, dass ein Tourenboot mit (zu) hoher Geschwindigkeit an die Delfingruppe heranbrauste und erst wenige Meter vor den Tieren stoppte. Die Delfine gruppierten sich schnell und schwammen davon.

Schutzmaßnahmen
Die Beobachtungsergebnisse 2008 zeigen erneut, wir wichtig es ist, die ansässige Bevölkerung über die Biologie der Delfine in der Bucht, über Bedrohungsfaktoren wie Meeresverschmutzung (die letztendlich auch die Menschen selbst betrifft), über die sinnvolle Regulierung des "Dolphin Watching" zu informieren und nötige Schutzmaßmaßnahmen vorzustellen.

Verspielte DelfineDurch große Poster, die an zentralen Plätzen wie z.B. dem Ticketverkaufsschalter für die Ausflüge zu den Ballestas-Inseln oder dem Haupteingang des Nationalreservats aufgehängt wurden, durch das Verteilen kostenloser Broschüren über die Paracas-Delfine, durch Informationsabende und Schulprojekte, Zusammenarbeit mit dem Nationalreservat und den örtlichen Behörden versuchen ACOREMA und GRD, einen besseren Schutz der Delfine durchzusetzen.
Darauf aufbauend ist es unser Ziel, generell einen verbesserten Schutz der Kleinwale in Peru und die Einstellung der Jagd auf die Meeressäuger zu erreichen.
Denise Wenger
Fotos: ACOREMA, J.Reyes

back to top back to top