von Christoph Hartl | Juli 2007
Als ich vor einigen Jahren eine Patenschaft für einen Delfin in Peru übernahm, hätte ich niemals zu hoffen gewagt, dass ich eines Tages die Tiere, zu deren Schutz ich seither ein klein bisschen beitrage, jemals zu Gesicht bekommen würde.
Und nun hatte ich im Zuge einer Südamerikareise Gelegenheit, diesen Traum für mich wahr werden zu lassen. Zwei Tage hielten wir zusammen mit Julio Reyes, dem Leiter von ACOREMA, vergebens nach den Meeressäugern Ausschau. Von Küstenstürmen durchgepeitscht fuhren wir enttäuscht wieder zurück nach Pisco.
Doch am dritten Tag erhielt Julio von einem Fischer den Tipp, dass die Delfine im Hafen von "El Chaco" gesichtet wurden.
Aufgeregt fuhren wir ins nahe gelegene Fischerdorf und sahen die Delfinschule sofort. Ohne Scheu tummelte sie sich zwischen den Booten! Wir mieteten uns ein kleines Fischerboot und begannen die Tiere zu identifizieren.
Wie wichtig die Arbeit der ACOREMA ist, ließ sich leicht erkennen. Schnellboote, die Touristen zu nahe gelegenen Inseln bringen, hielten leider nur selten ausreichend Abstand zu den Tieren ein. Unserem langsamen Fischerboot näherten sich die Großen Tümmler jedoch bis auf zwei Meter und ein junges Männchen sprang sogar übermütig aus dem Wasser. Für mich war das eines der schönsten Erlebnisse meines Lebens!
Ich konnte mich während meines Besuches von der professionellen Arbeit der Delfin- und Meeresschutzorganisation ACOREMA überzeugen. Sowohl bei der Identifizierung und Erforschung der Delfine als auch bei der Aufklärung der Bevölkerung machen Julio Reyes und seine Mitarbeiter riesige Fortschritte.
Durch ihre großartige Arbeit und der hoffentlich auch weiterhin zunehmenden finanziellen Unterstützung durch die Delfinpaten und die GRD wird dem Naturreservat Paracas eine Zukunft gegeben.
September 2006 - Nach einer Zeit des Bangens wurden Ende Juli die Supay-Delfine, die ersten Paten-Delfine der GRD, wieder vollzählig in ihrer "angestammten" Bucht gesehen.
Es konnte sogar einige Individuen identifiziert werden: Shark, Little Tree, Sun, Shorty, Frame und Hook wurden eindeutig erkannt. Auch mehrere Delfinjunge schwammen in der Gruppe.
Eine weitere Beobachtung ergab, dass die Supay-Delfine in weiter entfernte Buchten und weiter als bisher ins offenen Meer hinaus schwimmen.
Auch von der zweiten Gruppe, den Großen Tümmlern der Paracas-Bucht, gibt es gute Neuigkeiten: Zahlreiche Individuen wurden im August wieder gesehen und sind wohlauf!
Unser herzlicher Dank gilt den Delfinpaten und -patinnen, die mit ihrer Unterstützung die Durchführung der Schutzprojekte in Peru ermöglichen!
Helfen auch Sie mit:
Übernehmen Sie eine symbolische Patenschaft für einen Peru-Delfin
Im Jahr 2005 weiteten wir unser Delfinschutzprojekt in Peru auf eine zweite residente Gruppe Großer Tümmler aus. Die Beobachtung der Delfine in der Paracas-Bucht hat uns einen erstaunlichen Einblick in das individuelle Verhalten der intelligenten Meeressäuger gegeben.
52 Delfine konnten in der Bucht individuell identifiziert und fotografiert werden, darunter vier Mütter mit ihren erst kürzlich geborenen Jungen. Sehr beeindruckend sind die Beobachtungen über intensive und lang andauernden Beziehungen zwischen manchen Delfinen als auch das ausgeprägte Verhalten zu gegenseitiger Hilfe.
Zwei der Delfine (Corky II und Corky) sind so gut wie immer zusammen gesichtet worden, egal in welchen Gruppen unterschiedlicher Zusammensetzung sie mit schwammen.
Vitali, dem die Schwanzfluke fehlt, wird immer von bestimmten Delfinen geholfen, um bei der Jagd auf Fische erfolgreich zu sein.
Vitali Pal, sein "Kumpel", begleitet ihn oft. Er ist ein sehr starker Delfin mit Führungsqualitäten. Seine großen Sprünge mit seitlichem Aufschlagen auf der Wasseroberfläche haben den Effekt, die Gruppenmitglieder zu sammeln und die Gruppe enger zu formieren.
Das "persönliche" Kennen dieser Delfine und die individuellen Geschichten kommen sehr gut bei der einheimischen Bevölkerung an und helfen, sie vom nötigen Schutz dieser Delfingruppe, die mittlerweile auch zur Touristenattraktion geworden ist, zu überzeugen. Dieses Musterbeispiel ist perfekt, um den Schutz der Delfine in der ganzen Region voran zu bringen.
Ein neues Verhalten ist bei den Delfinen der Paracas-Bucht dazugekommen, das in den letzten Jahren nicht beobachtet werden konnte: sie nähern sich einfahrenden Fischerbooten an. Vermutlich versuchen sie Fischabfälle, die die Fischer aus den Booten werfen, zu ergattern.
Die Ausflugs-Boote, die die Touristen zu den Ballestas-Inseln bringen, und die auch kurz (4 - 5 Minuten) bei den Delfinen Halt zum Dolphin Watching machen, werden von den Delfinen indifferent behandelt. Manche Gruppenmitglieder schwammen parallel dazu oder sprangen vor dem Bug.Ausgeprägtes Fluchtverhalten wurde nur bei sehr schnell fahrenden Booten, die mit großer Geschwindigkeit durch die Bucht brausen, beobachtet.
Leider wurden auch diese Saison wieder tote Delfine am örtlichen Fischereihafen, als angeblicher Beifang proklamiert, angelandet.
Auffällig war, dass diesmal kein einziger Großer Tümmler darunter war! Der Verkauf von Delfinfleisch findet (zumindest offen) nicht mehr statt und ein Verkauf "unter der Hand" konnte ebenfalls nicht mehr nachgewiesen werden, obwohl den toten Delfinen große Teile des Fleisches entnommen worden war. Die Fischer haben dieses wohl selbst konsumiert oder als Köder benutzt.
Ein Bedrohungsfaktor für unsere Paracas-Patendelfine hat sich mittlerweile geändert: Die Fischmehlfabriken haben eine 12 Kilometer lange Pipeline gebaut, die die gesamten Abfälle nun weiter draußen auf See entsorgt, und das Wasser in der Bucht nicht mehr belastet.
Julio Reyes / Denise Wenger
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Ende Oktober 2004 konnten fast alle Supay-Delfine von den ACOREMA-Mitarbeitern vom Boot aus gesichtet werden, von den 13 gezählten wurden erkannt: Little Tree, Sun, Scratchy, Shark, Frame, Ten und die Youngsters Bold, Toing und Shine, das Jüngste.
Die Supay-Paten-Delfine haben sich einen recht unwirtlichen Lebensraum mit starker Brandung und Unterströmung ausgesucht, der ihnen dafür aber Schutz bietet.
Dort sind sie vor einigen der Gefahren sicher, die nur ein wenig nördlich der Paracas-Halbinsel eine zweite residente Delfingruppe vor der Hafenstadt Pisco bedrohen und mit denen die Delfine in anderen Gebieten Perus konfrontiert sind, wie Stellnetz-Fischerei, Meeresverschmutzung, direkte Jagd und Lebensraumzerstörung.
Durch die kontinuierliche Beobachtung und Delfinschutzarbeit von ACOREMA konnte die Dynamitfischerei, die im Gebiet unser Paten-Delfine betrieben wurde, eingedämmt werden. Leider wurde erst vor wenigen Tagen eine große und aufwändig gearbeitete Informationstafel über die Supay-Delfine, die unmittelbar an den Klippen der viel besuchten Felsformation "Die Kathedrale" stand, gestohlen und muss nun ersetzt werden.
Christiane Lachnith scheute die weite Reise nicht, um ihren Patendelfin Sun und unser Delfinschutzprojekt zu besuchen. Die Schauspielerin (GZSZ, Soko Leibzig...) unternahm mehrere Boots-Ausfahrten und bereits am ersten Tag bekam sie Delfine, die zu der Gruppe von etwa 70 Delfinen vor Pisco gehören, ganz nah zu sehen.
Die Abwässer mehrerer Fischmehlfabriken und die chemische Reinigung von Fischerbooten verschmutzen hier das Küstengewässer und stellen ein Problem für die Großen Tümmler dar.
Frau Lachnith arbeitete einige Tage bei unseren peruanischen Projektpartnern mit, verteilte Kampagnenmaterial gegen Dynamitfischerei, kontrollierte Strände zusammen mit Projektleiter Julio Reyes, sortierte Knochenfunde, besuchte Schulklassen und Vorträge. Begleitet wurde sie vom Berliner Filmemacher Javier Hornfeldt und Super Illu-Reporter Marco Robus.
Denise Wenger
Am 3. Mai 2002 wurde in der bislang 15-köpfigen Gruppe Großer Tümmler, die im Paracas National Reserve im Süden Perus leben, zu unserer großen Freude ein neues Baby gesichtet. Hautnah miterleben konnte dies sogar eine Delfin-Patin aus Deutschland, die die weite Reise nicht gescheut hatte, um ihren Patendelfin "White Fin" zu besuchen, und seit mehreren Wochen bei unserer Partnerorganisation ACOREMA in Pisco mitarbeitet.
Von einer malerischen Klippe der Paracas-Wüste, genannt "Die Kathedrale", konnte die Entdeckung des kleinen, hell schimmernden Delfin-Babys gemacht werden und versetzte alle in Aufregung. Denn seit drei Jahren wurde kein Nachwuchs verzeichnet und wir begannen bereits über die möglichen Gründe zu spekulieren.
Die Supay-Delfine, wie wir sie nach dem Namen einer Bucht nennen, in der sie sich oft aufhalten, fallen durch mehrere Besonderheiten auf. Sie sind im Vergleich zu anderen Großen Tümmlern eher klein und scheinen ihr Gebiet nicht zu verlassen. Ob diese Gruppe schon länger isoliert ist, ob einzelne Mitglieder noch Kontakt zu anderen Delfinen haben, weiß man nicht. Dies und viele Fragen mehr gilt es noch zu beantworten.
Besonders ausgeprägt ist ihr Fluchtverhalten, sie weichen jedem noch so kleinen und langsamen Boot weiträumig aus und schwimmen dabei von Bucht zu Bucht, verlassen aber nicht ihr angestammtes Habitat, sondern kehren an dessen Grenzen wieder um. Ihre "Angst" rührt von der im Gebiet leider noch immer durchgeführten Dynamitfischerei her.
So ist das neue Baby unserer Patendelfine eine kleine Sensation für uns. Die Beobachtung konnte übrigens nur gelingen dank des von der GRD zur Verfügung gestellten hochwertigen Spektivs, das ich bei meinem Projektbesuch im Februar 2002 übergeben konnte. Es ist so hoch auflösend, dass die Delfine störungsfrei von den Klippen aus beobachtet werden können - natürlich auch alles andere, was sich im Gebiet abspielt.
Über zwei Stunden lang beobachteten die ACOREMA-Mitarbeiter voller Spannung die Delfine und konnten dabei Shark, Little Tree, Map, Spot ,White Fin, Frame, Toing, Bold, Scratchy und Hook erkennen. Das Baby schwamm in einer kleinen Gruppe, neben einem Delfin, der augenscheinlich keine erkennbaren Markierungen der Finne trug.
So könnte die makellose Ten die Mutter sein, doch auch bei zwei anderen Gruppenmitgliedern ist die Finne unversehrt und nur durch ihre Form und Größe im Vergleich mit den anderen zu unterscheiden. So ist noch nicht ganz klar ist, wer die Mutter ist. Das Baby trägt den Namen SHINE
Denise Wenger