Der Ostseeschweinswal im Todesnetz

Naturschützer funken S.O.S.: Rettet die Schweinswale in der Ostsee

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Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), Naturschutzbund NABU

Qickborn, Neumünster, München, 29. April 2008 – Dem Schweinswal in der Ostsee geht es schlecht. Zu diesem Ergebnis kommen die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere GSM, die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und der Naturschutzbund NABU nach Auswertung des Sichtungsprogramms der GSM. Mehr als 1.100 lebende Schweinswale wurden im Jahr 2007 gemeldet, aber auch 173 tote Schweinswale an der deutschen Ostseeküste aufgefunden. „Allein an der Küste der westlichen Ostsee von Schleswig-Holstein wurden im vergangenen Jahr mehr als doppelt so viele Kadaver angetrieben wie im Jahr 2006“, stellt Hans-Jürgen Schütte, der das GSM-Projekt "Wassersportler sichten Schweinswale" koordiniert, besorgt fest.

Toter SchweinswalDie Todesursache ist fast immer auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen: Der sensible Lebensraum Ostsee ist zu einer Wasserstraße mit starkem Schiffsverkehr verkommen, von Schadstoffen aus Industrie und Landwirtschaft verschmutzt und überdüngt. Kriegsaltlasten, schnell fahrende Schiffe, militärische Übungen und die Ausbeutung von Bodenschätzen wie Kies und Sand, Öl und Erdgas tun ihr übriges und lassen das einzigartige Ökosystem immer lebensfeindlicher werden.

Schon 2002 hat aber als Todesursache Nr. 1 das Kleinwalschutzabkommen ASCOBANS in seinem Rettungsplan für den Ostsee-Schweinswal, genannt Jastarnia Plan, die Aktivitäten der Fischerei identifiziert. Obwohl kein Fischer absichtlich Schweinswale fängt, sterben viele in nicht für sie ausgebrachten Netzen als "Beifang". Grund: Die  sich akustisch orientierenden Wale können moderne Netze aus dünnem Kunststoffgarn nicht mit ihrem Echolot orten. Sie verfangen sich und ersticken elendig. "Es sterben mehr Tiere als geboren werden", sagt die Meeresbiologin Petra Deimer, GSM. "Das kann jedoch auf Dauer kein Bestand verkraften".
 
Da der kleine Wal ohne strikte Schutzmaßnahmen in der Ostsee bald ausgerottet sein wird, fordert der Jastarnia-Plan die Umrüstung der Fischerei von gefährlichen Fangtechniken auf weniger gefährliche: Von Treibnetzen auf Langleinen, von Stellnetzen auf Reusen. "Es fehlt weder an Gesetzen noch an Vorschriften", sagte Ingo Ludwichowski vom NABU, "es fehlt aber wie so oft an der effektiven Umsetzung der notwendigen Maßnahmen. Würden die Ostsee-Staaten den Jastarnia Plan auch anwenden, könnten sie den Schweinswal retten.“
 
Toter Schweinswal, dem ein Backstein an die Schwanzflosse gebunden wurdeSechs Jahre nach Inkrafttreten des Rettungsplans verharren jedoch fast alle Fischereibehörden in stoischem Nichtstun. Statt den Plan effektiv umzusetzen, wird sogar versucht, die Todesursachen zu vertuschen.

So liegt der GSM das Foto eines verendeten, an den Strand gespülten Schweinswals vor, dem ein Backstein an die Schwanzflosse gebunden wurde. GSM-Mitstreiter Andreas Pfander  fand an der schleswig-holsteinischen Küste zudem tote Tiere mit aufgeschlitzten Bäuchen - die Kadaver sollten möglichst spät oder gar nicht entdeckt werden. Der Grund: Je später sie gefunden werden, desto schlechter sind "Netzmarken", eindeutige Beweise für den qualvollen Tod in einem Fischereinetz, zu erkennen.
 
Bis vor wenigen Jahren dienten Beifänge der Wissenschaft, etwa um den Gesundheitszustand der Tiere, aber auch den ihres Lebensraumes, zu untersuchen. "Aber Beifänge gibt es angeblich nicht mehr", wie der Biologe Ulrich Karlowski von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD)  kommentiert.
 
NABU, GRD und GSM werden zum Tag des Ostsee-Schweinswals am 18. Mai 2008 die Sichtungskarte, vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) erstellt aus den Beobachtungsdaten der GSM, vorstellen. Die interaktive Karte wird dann auch auf den Internetseiten von BfN und GSM unter www.habitatmarenatura2000.de und www.gsm-ev.de einzusehen sein.
 
Für Rückfragen:
Petra Deimer, Hans-Jürgen Schütte GSM, Tel. 04106 4712
Im Internet zu finden unter:
www.NABU-Meeresschutz.de
w
ww.NABU-SH.de,
www.gsm-ev.de

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Umweltverbände fordern schnelle Einführung einer Wal-freundlichen Fischerei-Praxis

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BUND Mecklenburg-Vorpommern - Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V. - Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e. V.

Schwerin, München, Quickborn, 5. März 2008  – Gefährdung des Ostsee-Schweinswals durch Stellnetz-Fischerei weiterhin zu hoch: die Mehrzahl der Netze hat keine akustischen Warnsignale!

Umweltverbände halten die bislang eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz des Schweinswals in der Ostsee für unzureichend. Nur ein sehr geringer Teil der Fangflotte in Mecklenburg-Vorpommern wird derzeit auf schweinswalfreundlichere Fischfangmethoden umgestellt, sagen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Mecklenburg-Vorpommern, die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäuger (GSM) in einer gemeinsamen Erklärung.

Gestrandeter SchweinswalBesorgniserregend sind in jüngster Zeit die Funde toter Schweinswale an der Ostseeküste: ihre Zahl hat sich gegenüber den Werten der letzten 10 Jahre verdreifacht! Fast 60 tote Tiere wurden im Laufe des Jahre 2007 an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns registriert. Diese Zahlen sind erschreckend, denn sie liegen deutlich über der natürlichen Vermehrungsrate. Von der östlichen Unterart des Ostseeschweinswals gibt es nur noch 200 bis 600 Tiere. Damit gehört sie zu den in Europa am stärksten gefährdeten Kleinwal-Populationen.

Der Haupt-Gefährdungsfaktor für den Schweinswal ist die Fischerei mit Grundstellnetzen, in denen die Kleinwale regelmäßig ertrinken. Um diese Gefahr zu reduzieren, können an die Netze so genannte 'Pinger', akustische Abschreckungsgeräte, angebracht werden. Die Anbringung derartiger Pinger ist nach einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2004 allerdings nur für Fischkutter ab 12 m Länge vorgeschrieben. "Kleinere Boote bringen zwar die gleichen Netze aus wie größere Boote, doch die zugrunde liegende EU-Verordnung ist stark Fischerei-freundlich ausgerichtet und widerspricht völlig dem heutigen Wissensstand zum Thema Schweinswal-Schutz", sagt Ursula Karlowski, Vorstandsmitglied des BUND MV. "Die umfangreichen Schutzbestimmungen für den Kleinwal in unserer Ostsee laufen dadurch ins Leere!"

Entsprechend der EU-Verordnung müssen auch in MV bereits seit Januar 2007 Pinger an den Stellnetzen der größeren Boote angebracht werden. Laut Pressemitteilung des Umweltministeriums vom 25.2.08 geschieht dies erst jetzt, über ein Jahr später.

In MV besitzen laut Aussage des Ministers für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Till Backhaus maximal 35 Fischkutter eine Länge von über 12 m. Die große Mehrzahl der Fischerei-Fahrzeuge wird daher nicht von der Regelung erfasst: 850 Boote dürfen weiterhin ihre Stellnetze ohne jede Schutzvorkehrung für Schweinswale ausbringen.
 
"Wenn nur einige Netze mit Pingern ausgerüstet werden, können die Tiere von den Geräuschen geradezu in die Pinger-freien Netze getrieben werden", warnt der Meeresbiologe Sven Koschinski von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine.

Die Umwelt- und Naturschutzverbände BUND, GRD und GSM fordern den sofortigen und vollständigen Ersatz der todbringenden Grundstellnetze durch die Einführung einer schweinswalfreundlichen Fischerei-Praxis. Dazu zählen Langleinen, Fischfallen und Kammer-Reusen. "Beim Einsatz von Kammer-Reusen können in die Netze geratene Kleinwale zum Atmen an die Oberfläche kommen und von den Fischern lebend in die Freiheit entlassen werden", sagt Koschinski. "Diese Fischereiform ist in Dänemark üblich. Ein Nebeneffekt ist, dass Wissenschaftler versehentlich gefangenen Walen sogar noch Sender anbringen können, um so genauere Daten zu ihrem Verhalten zu bekommen."
 
Kontakt:
Dipl. - Biol. Sven Koschinski, Tel. 04526-381716
Dipl. - Biol. Dr. Ursula Karlowski, Tel. 0381 - 375 84 44

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