November 2008 - Immer wieder stoßen unsere kroatischen Projektpartner auf Kadaver von Delfinen, die durch Menschenhand starben. Erst im Sommer fand man einen toten Großen
Tümmler mit drei Schrotkugeln im Hirn. Er trieb, bereits stark aufgebläht, im Meer vor Makarska in Mitteldalmatien.
Es handelte sich um ein etwa 3 Meter langes und 200 Kilogramm schweres Weibchen. Unsere Projektpartner – auf Meeressäuger spezialisierte Tierärzte unter Leitung von Prof. Hrvoje Gomercic von der Universität Zagreb – wurden direkt von der Polizei benachrichtigt und konnten das Tier für weitere Laboruntersuchungen in die kroatische Hauptstadt transportieren.
Funde von Meersessäugerkadavern 2008 (gelb: Großer Tümmler [17], blau: Streifendelfin [2],
grün: Cuvier-Schnabelwal [1], rot: Mittelmeer Mönchsrobbe? [1]):

Delfine und andere Meeressäuger sind in Kroatien seit 1995 gesetzlich geschützt. Das Töten und Belästigen steht unter Strafe, doch leider werden die Täter nur selten gefasst. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Delfin durch Gewehrkugeln starb. 2004 fand man ein erschossenes Tier vor der Insel Korcula, einige Jahre zuvor eines vor der Küstenstadt Novigrad. Ein weiterer, im Mai dieses Jahres bei der Insel Hvar geborgener Delfin kam wahrscheinlich durch eine Harpune ums Leben.
Zwar heißt der Große Tümmler auf Kroatisch der "Gute Delfin" (dobri dupin), doch seit eh und je betrachten die meisten Fischer, wie fast überall auf der Welt, Delfine als Nahrungskonkurrenten. So müssen die Meeressäuger häufig auch für den Rückgang der Fischbestände als Sündenböcke herhalten. Noch bis in die 1960er-Jahre vergab der damalige jugoslawische Staat "Kopfprämien" für jeden toten Delfin, weil sie die Fischernetze zerstörten und die Fangbeute der Fischer "klauten".
Zynisch gesehen hatte diese Strategie Erfolg: Die Delfinbestände brachen zusammen, von den einst drei mehr oder weniger residenten Arten hat nur der Große Tümmler in der Adria überlebt. Seine derzeitige Population wird auf etwa 220 Tiere geschätzt. Neben der direkten Bejagung von damals sind Meeresverschmutzung und Überfischung schuld am Arten- und Bestandsschwund in der Adria.
Ihr sagenhafter Fischreichtum gehört längst der Vergangenheit an. Sardinen, die einst wichtigste Beute im kroatischen Fischfang, sind ebenso selten geworden wie Schwertfische. Besonders schlimm sieht es beim Roten Thunfisch aus. Von den riesigen Schwärmen, die früher zum Laichen in die Buchten kamen und die bereits von Land aus zu erspähen waren, können die Fischer heute nur noch träumen.
Silberstreif am Horizont
Dennoch wächst die Anzahl der positiven Beispiele, die von einem größeren Bewusstsein für die Naturschätze vor der eigenen Haustür zeugen. Naturschutzverstöße werden inzwischen streng geahndet. Eine Geldbuße von umgerechnet etwa 1000 Euro oder wahlweise 24 Tage Gefängnis wurde beispielsweise vor Kurzem gegen eine Person wegen Belästigung streng geschützter Arten verhängt.
Der Mann war vor Pula in Istrien mit seinem Schnellboot in eine 30-köpfige Delfinschule gerast und führte mitten unter den Tieren halsbrecherische Manöver vor dem sich ansammelnden Publikum an der Küste vor. Ein unter den Zuschauern weilender Polizist zeigte den Vorfall bei der Naturschutzbehörde in Rijeka an.
Ausblick ins Jahr 2009
Nächstes Jahr wollen wir, in der Erwartung einer baldigen Baugenehmigung, den Aufbau des geplanten Delfinschutzzentrums weiterverfolgen. Neben der üblichen Feldarbeit ist eine erneute, umfassende Zählung des Delfinbestandes in der Adria geplant. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen, die mit ihrer Spende oder Patenschaft die Fortführung und den Ausbau dieses wichtigen Delfinschutzprojekts in Kroatien sichern!
Ziel des GRD-Projekts "Rettung der letzten Adria-Delfine" ist der langfristige Erhalt und die Bestandsverstärkung der verbliebenen 220 Großen Tümmler sowie der Schutz ihres Lebensraums. Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung von Bevölkerung und Touristen für den Delfinschutz, Überwachung und Umsetzung bestehender Schutzbestimmungen sowie Langzeitstudien in Labor und Freiland u.a. zur Gewinnung von Erkenntnissen über populationsdynamische Prozesse gehören zu den Projektmaßnahmen. Die Einrichtung von Schutzgebieten und der Aufbau eines Delfinschutzzentrums sind weitere wichtige Vorhaben des Projekts.
Helfen auch Sie mit, diese Delfine vor dem Aussterben zu bewahren!
Spenden mit dem Stichwort "Adria-Delfine" sowie Beiträge aus den Patenschaften für einen Adria-Delfin kommen diesem Schutzprojekt zugute.
Ulrike Kirsch