Zwei Paracas-Delfine beim wilden Spiel, einer springt rückwärts über den aus dem Wasser lugenden Kopf des anderen. Zwei residente Delfingruppen bei der Paracas-Halbinsel im Süden Perus erfreuen sich mittlerweile allgemeiner Beliebtheit und eines besonderen Schutzes durch die nunmehr 13-jährige Projektarbeit. Erfreulicherweise werden viele Kälber geboren und die Mütter sieht man in Ruhe ihre Jungen auf ziehen.

Seit 1999 unterstützt die GRD die peruanische Meeresschutzorganisation ACOREMA. In guter Zusammenarbeit wurden vielfältige Maßnahmen zum Schutz der Delfine, gegen Delfinjagd und Dynamitfischerei, gegen Meeresverschmutzung und Plastikmüll, sowie Projekte mit Schulen und Öffentlichkeitsarbeit zur Umweltbildung entwickelt und konnten dank der Unterstützung unserer Delfinpaten, Förderer des Projekts und Sponsoren erfolgreich verwirklicht werden.

Die Supay-Delfine

Drei Supay-Delfine kommen dicht an dicht parallelschwimmend in enger Formation mit den Rückenfinnen aus dem Wasser. Endlich, fünf Jahre nach den dramatischen Zerstörungen durch das schwere Erdbeben von 2007 in Paracas, konnten wieder Bootsfahrten zu dieser isolierten Delfingruppe innerhalb des Paracas-Nationalreservats unternommen werden, die seitdem nur von den zum Teil einsturzgefährdeten Klippen aus mehr schlecht als recht beobachtet werden konnte.

Die erfreuliche Nachricht hat unsere Herzen höher schlagen lassen: die ursprünglich 16 Mitglieder umfassende Gruppe Großer Tümmler ist mittlerweile auf 21 Individuen angewachsen. Das bedeutet, dass neue Junge geboren wurden, die auch beobachtet werden konnten, und dass mit hoher Wahrscheinlichkeit alle der bereits 1999 identifizierten Gruppenmitglieder noch leben!

Die Supay-Delfine waren die ersten Patendelfine der GRD
Erfreulicherweise konnten acht Individuen wiedererkannt, sprich anhand ihrer Rückenfinne tatsächlich wieder identifiziert werden: Little Tree, Frame, Sun, Up, Down, Shorty, Shark und Scratchy. Die Markierungen der anderen Delfine haben sich in den letzten Jahren allerdings so geändert, dass sie nicht mehr mit den früheren Aufnahmen im Finnenkatalog vergleichbar sind.

Dynamitfischerei erfolgreich bekämpft
Die Supay-Delfine haben anscheinend keinen Austausch mit anderen Delfingruppen. Ihr Überleben war zu Projektbeginn durch mehrere Faktoren, vor allem illegale Dynamitfischerei, gefährdet. In Zusammenarbeit mit dem Paracas-Nationalreservat konnte erreicht werden, dass ihr Lebensraum einen besonderen Schutzstatus erhielt. Ranger, die Beobachtungen und Kontrollen gegen Dynamitfischerei durchführen, werden von ACOREMA ausgebildet.

Mehrere Kampagnen gegen Dynamitfischerei, eine zusammen mit Fischern und Behörden, eine weitere mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie einem Radiospot, ließen das Problem bekannt werden – mit Erfolg. Weder von den Mitarbeitern des Paracas-Nationalreservats noch von ACOREMA wurden seit über einem Jahr Spuren von Dynamitfischerei gefunden.

 

Die Paracas-Delfine

Kopfansicht des Paracas-Patendelfins "Tatooine" mit deutlich erkennbarem Blas. Auch auf der nördlichen Seite der Paracas-Halbinsel in der gleichnamigen Bucht gibt es erfreulicherweise Nachwuchs zu verzeichnen. Während der Beobachtungen 2012 konnten acht Mutter-Kalb-Paare registriert werden, eingeschlossen PBD 062 mit ihrem zweiten Jungen (ihr erstes hatte sie 2006) und ein Junges an der Seite von Sharpy, womit endgültig feststeht, dass es sich um ein Weibchen handelt.

Weiterhin konnten von den Patendelfinen die Mütter Silver, Breeze und Longscar in Begleitung ihrer Kids gesehen werden.

Vor allem weibliche Delfine halten sich bevorzugt in der Bucht auf. Das könnte bedeuten, dass sie hier gute Bedingungen für die Aufzucht finden.

Die höchste Ortstreue zeigen PBD13, Silver, Longscar, Breeze und Queen. Die Weibchen mit Jungen bilden öfters zusammen Gruppen. Nicht weit vom Strand entfernt säugen sie ihre Kleinen, ruhen, zeigen soziale Verhaltensweisen und nicht zuletzt lassen sie keine Chance aus, Fischerbooten zu folgen, die ihre Ladung peruanischer Anchovis anlanden, wobei meist etwas für die Delfine abfällt.

Männerfreundschaften unter Tümmlern währen sehr lang
ACOREMA-Projektleiter Julio Reyes berichtete: "Von den Männchen wurden vor allem Pacman und Bay oft angetroffen und die beiden zeigen auch seit 2006 den höchsten "Assoziations-Index", das heißt den prozentualen Anteil, mit dem sie zusammen in einem engen Abstand gesehen wurden. Er beträgt bei ihnen sogar 100 %, sie wurden also ausschließlich zusammen gesichtet." Indizes von mehr als 80 % findet man vor allem bei Männchen.

Delfinbeobachtung mit Kajak und Surfbrett
Das schönste Erlebnis während meines Projektbesuchs im Februar war natürlich die Begegnung mit unseren Paten-Delfinen in der Paracas-Bucht.

Ein Paracas-Delfin schwimmt ganz nah bei einem Kajak. Die Großen Tümmler trafen wir diesmal - wir hatten mit dem Boot vorher die ganze Bucht abgesucht - nur vier Meter vom Strand entfernt vor dem Hotel Hilton an, das ganz am Ende der Bucht liegt.

Es war wirklich unglaublich, die Delfine tummelten sich dort über eine Stunde, immer wieder haben sie Fische, wahrscheinlich Sandaale, aus dem Grund geholt, dabei „Kopfstand“ gemacht und die Fluke aus dem Wasser gestellt.

Da es zu früher Stunde war, haben die meisten Gäste des Hilton dieses Spektakel leider verschlafen. Zwei Personen allerdings, in einem Kajak und auf einem Surfbrett, hatten die tollsten Begegnungen mit den Tümmlern, die ihnen neugierig und furchtlos ganz nahe kamen.
Denise Wenger