Ein Paracas-Delfin schwimmt ganz nah bei einem KajakIm Februar dieses Jahres war ich in Peru-Paracas, besuchte unser Delfin- und Meeresschutzprojekt, das die GRD seit 1999 mit der peruanischen Organisation ACOREMA durchführt.

Es war mein vierter Projektbesuch und wieder einmal habe ich einen sehr guten Eindruck von der Arbeit unserer peruanischen Partnerorganisation vor Ort gewonnen. Ich habe viele Plätze und Leute besucht und wir konnten gemeinsam neue Pläne für das weitere Vorgehen erarbeiten. 

Das schönste Erlebnis war die Begegnung mit unseren Paten-Delfinen in der Paracas-Bucht. Das Delfin-Patenschaftsprogramm habe ich 1999 zur Unterstützung und Finanzierung des Projekts damals erstmalig für Deutschland - bis dahin gab es keine Delfin-Patenschaften, besonders nicht für individuell identifizierte - ins Leben gerufen.

Die Großen Tümmler trafen wir diesmal - nachdem wir mit dem Boot vorher die ganze Bucht ergebnislos abgesucht hatten - nur vier Meter von Strand entfernt vor dem neuen Hotel Hilton an, es war wirklich unglaublich. Sie tummelten sich dort über eine Stunde, immer wieder haben sie Fische, wahrscheinlich Sandaale, aus dem Grund geholt, dabei "Kopfstand" gemacht und die Fluke aus dem Wasser gestellt.

Da es zu früher Stunde war, haben die meisten Gäste des Hilton dieses Spektakel leider verschlafen, nur wenige kamen ganz aufgeregt mit Kameras gelaufen. Zwei Personen allerdings, in einem Kajak und auf einem Surfbrett, hatten die tollsten Begegnungen mit den Tümmlern, die ihnen ganz nahe kamen.Eine Stand-Up-Paddlerin trifft ganz nah an der Küste auf einen Paracas-Delfin, im Hintergrund ist das Hilton-Hotel zu erkennen

Die größten Erfolge in diesem Projekt sind:

  • die Delfine werden nicht mehr von den Fischern harpuniert, auf dem Fischmarkt ist kein Delfinfleisch mehr zum Verkauf angeboten,
  • die vormals vielfach praktizierte Dynamitfischerei ist im Gebiet enorm zurückgegangen,
  • ein Meeresschutzgebiet wurde eingerichtet,
  • die Öffentlichkeitarbeit war sehr erfolgreich und die Menschen in der Region sind umfassend über Delfin- und Meeresschutz, aber auch Umweltproblematiken wie Plastikmüll, Abwässer, chemische Umweltgifte etc. informiert
  • viele Bevölkerungsgruppen sind in die Projekt-Arbeit integriert,
  • die Zusammenarbeit mit den Schulen ist hervorragend,
  • ACOREMA ist mittlerweile eine sehr bekannte und anerkannte Organisation, auch von Behörden und Regierung.

ACOREMA hat hervorragende Arbeit geleistet und Maßnahmen umgesetzt, die von der GRD-Projektleitung vorgeschlagen wurden. Im Rahmen dessen habe ich Berichte geschrieben, Materialien entworfen, Förderanträge gestellt und nun bereits 13 Jahre lang die Finanzierung gesichert.

Ferienkurs für Fischerkinder
Denise Wenger in San Andrés beim Besuch eines Ferienmalkurses für Fischerkinder
Sehr bewegt hat mich das Zusammentreffen mit Fischerkindern im Fischerort San Andres.

Dort hat ACOREMA ein kleines notdürftiges "Education Centre" (das Meeresschutzzentrum wurde ja durch das Erdbeben 2007 zerstört und konnte bis heute leider nicht wieder aufgebaut werden) eingerichtet und ich habe zusammen mit Milagros Ormeño, einer ACOREMA Mitarbeiterin, einen Bastel-, Knet- und Informationskurs für die Kinder als Ferienprogramm abgehalten.

Es war beeindruckend für mich, wie viel die 5 – 8-Jährigen schon über Delfine und die Bedeutung ihres Schutzes wussten und wie herzlich sie mich empfingen.

Wir haben sehr familiär und lustig eine Stunde miteinander geknetet, geredet und gelacht.Denise Wenger in San Andrés beim Besuch eines Ferienkurses für Fischerkinder im Gespräch mit drei Kindern

Leider ist von diesem Ort aus bis hin zur Paracas-Bucht in den letzten Jahren entlang der Straße am Meer eine große "Müllkippe" entstanden, der Müll wird einfach dort zwischen Straße und Strand hingekippt.

Allein der Geruch, der einen im Auto umweht, wenn man die Straße entlang fährt, lässt nichts Gutes vermuten.

Was dabei ins Meer absickert, weiß auch niemand. Ich möchte versuchen, mit ACOREMA hierfür eine Lösung zu finden und die Behörden zum Handeln bewegen.

Insgesamt machte das Wasser der Bucht einen sehr verschmutzten Eindruck.

Eingang des Paracas-Nationalparks mit einer großer Kartentafel, die auf einem gemauerten Fundament stehtAuch die Nationalparkverwaltung des Paracas Natural Reserve, besonders die Leiterin des Wildlife Department, die Biologin Patricia Saravia, die ich 1999 erstmals besuchte, habe ich wieder getroffen.

Mittlerweile ist die Ausstellung dort um mehrere schützenswerte Tierarten, auch die Delfine und Wale, Humboldt-Pinguine, Riesenotter etc. erweitert worden.

Sie erzählte mir von den Problemen mit Wilderern und Gefahren für die Touristen. Problematisch ist, dass die Überwachung, z.B. gegen illegale Dynamitfischerei, weiterhin sehr gefährlich für die Ranger ist, es steht nur ein Polizist für Paracas zur Verfügung und der ist noch nicht einmal bewaffnet, während die Dynamitfischer meistens in Waffenbesitz sind.

Sie berichtete mir, wie Ende letzten Jahres Ranger und Polizist überwältigt wurden, der Dynamitfischer einfach Gewalt anwandte und dann fliehen konnte.

Mit den ACOREMA-Mitarbeitern haben wir besprochen, dass hier personelle Unterstützung geleistet werden kann, vor allem in sensiblen Bereichen wie dem Meeresschildkröten-Strand, dem Lebensraum von Küstenotter und der Bucht der Delfine.

Logo des HAND-IN-HAND-FondsPeru-Paracas hat insgesamt ein sehr raues Gesicht, es gibt nichts Liebliches, alles ist geprägt vom Überlebenskampf.

Die Deutsche Umwelthilfe und Rapunzel Naturkost fördern dieses Projekt 2012 mit Mitteln aus den HAND-IN-HAND–Fonds erneut mit 5000,- €. Herzlichen Dank!!!

Neubau des Meeresschutzzentrums
Das ehemalige zweigeschossige Meeresschutzzentrum in Pisco Paracas wurde vom Erdbeben 2007 schwer in Mitleidenschaft gezogen, das imposante Gebäude musste abgerissen werdenFür den Neubau des Zentrums (EIC) allerdings muss noch eine andere Größe gestemmt werde. Ich habe einen Antrag gestellt, der nun bei internationalen Hilfsorganisationen vorliegt, denn mittlerweile würde der Aufbau des Meeresschutzzentrums in Pisco etwa 380.000 Euro kosten.

Die Preise für Baumaterialien sind in den letzten Jahren sehr gestiegen. Der Antrag kam in eine engere Auswahl. Ich hoffe sehr, dass es klappt, denn das Meeresschutzzentrum ist wirklich sehr wichtig, um die Arbeit in Paracas wieder auf zwei Beine zu stellen und überregional ausweiten zu können. Wir brauchen hier jede Unterstützung.

Auch im Namen von ACOREMA herzlichen Dank an alle Förderer, Spender, Delfin-Paten und Sponsoren, die dieses tolle Projekt in Südamerika mittragen und so viel zum Schutz der Wale und Delfine, aber auch zur Umwelterziehung und Verbesserung der Situation der Menschen beitragen.
Denise Wenger

⇒ Spendenaktion Wiederaufbau Delfinschutzzentrum Pisco