GRD-Projektleiterin Denise Wenger mit einer Mitarbeiterin des Paracas-Natinalparks vor den auf Stangen stehenden Handpuppen.Nach drei Jahren konnte dank der Unterstützung von Sponsoren wie der Fluggesellschaft IBERIA im Januar 2005 erstmals wieder ein persönlicher Besuch unseres Delfinschutzprojekts in Peru durchgeführt werden.

Die hervorragende Arbeit unserer peruanischen Partnerorganisation ACOREMA erkennt man schon beim ersten Eindruck in der Gegend von Pisco:Delfinschutzposter, Broschüren, Info-Tafeln, Aufkleber und sonstiges Informationsmaterial ist in der gesamten Gegend allgegenwärtig.

Ob am Ticketschalter für die von hunderttausenden von Touristen jährlich besuchten einzigartigen Ballestas-Inseln oder am Eingang des Paracas-Nationalparks, ob im Museum, in den Behörden, im Taxi, überall wird die Aufmerksamkeit auf die Delfine und deren dringenden Schutz gelenkt.

Besonders aufgefallen ist, dass man an einem international bekannten Aussichtsturm für Vogelbeobachtungen, den Ornithologen aus aller Welt besuchen und den man erst über einen Pfad durch die sonnnendurchglühte Wüste erreicht, oben auf der Aussichtsplattform zwei wunderschöne informative Holztafeln vorfindet, nicht nur mit Vogel-, sondern vor allem Delfinmotiven.

Begeistert hat mich ebenfalls ein eigens von ACOREMA und der Nationalparkverwaltung ins Leben gerufene Puppentheater, das wöchentlich vor einheimischen und internationalen Touristen aufgeführt wird.

Die speziell angefertigten Puppen, die Delfin, Wal, Meeresschildkröte, Fischer, aber auch z.B. den "Müll" darstellen, sind nicht nur optisch hervorragend gelungen, auch das aufgeführte Stück ist genial vorgetragen. In die Dialoge wird auch das Publikum mit einbezogen.

Dies ist lebendig gestaltet und zugleich informativ und hintergründig, aber auch so witzig gemacht, dass es einfach alle begeistert. Die Puppen konnte ich im Namen der GRD an die Leitung des Nationalparks übergeben, dessen Personal die ständigen Aufführungen übernimmt.

Die Paracas-Delfine

Paracas-Patendelfin BODO springt mit einem gewaltigen Sprung aus dem WasserEin besonderes Erlebnis, das mich sehr glücklich machte, war die Begegnung mit einer neuen Delfingruppe in der Paracas Bucht. Diese Bucht liegt gleich bei Pisco, auf der nördlichen Seite der Paracas-Halbinsel. Während bei unseren Paten-Delfinen auf der südlichen Seite immer ein sehr rauer Seegang herrscht, der Bootsausfahrten oft unmöglich und gute Beobachtungen sehr schwierig macht, liegt die Paracas-Bucht vom sonst starken Wellengang des Pazifik sehr geschützt.

Dort tummeln sich regelmäßig nun etwa 28 Große Tümmler. Mit einem kleinen, einfachen Boot sind wir zu dieser Gruppe von Delfinen gefahren und konnten sie ganz nahe beobachten. Ja, sie sind sogar neugierig an uns vorbei geschwommen. Die Wasseroberfläche war so ruhig, dass man gut ihr schnaubendes Ausatmen beim Auftauchen an der Wasseroberfläche hören konnte.

Einer der Delfine musste dabei immer husten. Man konnte ihn daran ganz deutlich von den anderen unterscheiden. Ebenfalls besonders fiel war ein weiterer Delfin auf, der keine Schwanzfluke mehr besitzt. Warum, wissen wir noch nicht, es könnte sein, dass er sie durch einen Hai verloren hat, durch eine Schiffsschraube oder vielleicht ist es auch ein angeborener Fehler. Auf jeden Fall scheint er sein Leben auch so zu meistern.

Man kann ihn schon von weitem sehen, da er immer leicht schräg an der Wasseroberfläche treibt. Und er hat einen ständigen Begleiter, ein anderer Delfin weicht ihm nicht von der Seite. Ein weiteres Gruppenmitglied schließlich hat einen enormen Buckel, auch ihn erkennt man gleich von weitem.

Die Ursachen der Fehlbildungen sind nicht geklärt. Im Zuge des Projekts werden von nun an regelmäßig Wasserproben in der Bucht entnommen und untersucht, ob eventuell eine toxische Verschmutzung durch die anliegenden Fischmehlfabriken, die Ölpipeline oder durch Reinigung der Fischerboote mit giftiger Substanzen vorliegt.

Unser nächster Projektschritt ist, alle Individuen in der Bucht anhand ihrer Finne individuell zu erfassen und zu beobachten. Ebenso soll eine Broschüre über diese Delfingruppe erstellt und an die Fischer und Ausflugsboote verteilt werden mit Richtlinien für die Boote, damit diese nicht mehr mit großer Geschwindigkeit durch die Delfingruppen rauschen.

Ebenso sollen uns Aufnahmen mit Hilfe eines Hydrophons mehr Aufschluss über die Individuen geben.

Die Supay-Delfine

Drei Supay-Delfine schwimmen dicht zusammen. Wichtigstes Anliegen war natürlich ein Besuch unserer Paten-Delfine. Die erste Ausfahrt zu den Klippen wurde durch einen starken Sandsturm gestoppt, der ein Fahren durch die Pisten des Paracas-Nationalparks unmöglich machte.

Früh am nächsten Morgen sah es schon besser aus und wir erreichten Lagunillas, eine Bucht in der Nähe des Lebensraumes unsere Paten-Delfine. Dort konnten wir ein kleines Boot für die Ausfahrt zu den Supay-Delfinen mieten.

Wie zu erwarten war, herrschte ein rauer Seegang vor, noch stärker als sonst. Das kleine Boot kämpfte sich entlang der Küste vorbei an mehreren Buchten, die den Lebensraum unserer Patendelfine darstellen. Doch von ihnen war nichts zu sehen. Stundenlang suchten wir sie im Wellengang, erfolglos. Eigentlich verlassen sie nie ihr Habitat, doch vielleicht sind sie diesmal bedingt durch den Sturm und starken Wellengang in Richtung offenen See "geflohen" und waren durch die großen Wellen für uns nicht sichtbar oder hatten irgendein nicht einsehbares Versteck.

Im Anschluss an die Bootstour haben wir dann zu Fuß die Strände patrouilliert und sind dabei auf einen schrecklichen Fund gestoßen:
Am Playa rocha, dem "roten Strand" lag ein toter Großer Tümmler. Die Untersuchung des mehrere Tage alten Kadavers ergab, dass es sich um ein älteres Weibchen handelte. Äußerlich konnte keine Verletzung festgestellt werden, so dass der Delfin eventuell aufgrund seines hohen Alters gestorben war.

Wir hoffen noch mehr Erkenntnisse zu erlangen und vor allem, dass es sich nicht um einen unserer Paten-Delfine handelt. Landgestütztes Monitoring soll nun erbringen, ob die Gruppe noch vollzählig ist. Es wäre sehr bitter für uns, wenn trotz aller Schutzbemühungen einer unserer Paten-Delfine eines nicht natürlichen Todes gestorben wäre. Dieser traurige Fund soll uns an die noch immer zahlreichen Nachweise von toten Delfinen oder deren Überresten an anderen Stränden erinnern, an Delfine, die als Beifang verendeten oder direkt getötet wurden.

Trotz der Erfolge gilt es noch viele Aufgaben in Peru zu bewältigen. Die engagierte Arbeit unserer Partnerorganisation ACOREMA muss weiter fortgeführt und ausgebaut werden.
D enise Wenger