Offizielle Eröffnung der GRD-Pottwal-Forschungs- und Schutzstation

Bericht aus Delphinpost 2/2005: - Der Anfang war zwar schon im März 2004 gemacht, doch richtig offiziell und sehr aufregend wurde es im April 2005: die Einweihung und Eröffnung der GRD-Pottwal-Forschungs- uns Schutzstation auf der Karibikinsel Dominica vor 80 geladenen Gästen und den laufenden Kameras der Fernsehgesellschaft der Insel. Die TV-Abendnachrichten berichteten mehrfach über das Ereignis und so wurde ein Großteil der Inselbevölkerung erreicht. Für den Walschutz in Dominika kann dies gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Pottwalskelett in der GRD-Pottwal-Forschungs- uns Schutzstation Dominica ist ein kleiner Inselstaat der dritten Welt. Wegen des vulkanischen Ursprungs hat die Insel ein von hohen, steil abfallenden Bergen und tropischem Regenwald geprägtes Profil. Landwirtschaft ist hier nur in sehr begrenztem Umfang möglich. Fehlende Strände und eine nur schwach entwickelte touristische Infrastruktur tragen dazu bei, dass die Insel zu den ärmsten Ländern der Karibik gehört.

Daher war es nicht verwunderlich, dass die Regierung dem Werben der japanischen Walfanglobby für den Beitritt zur Internationale Walfang Kommission (IWC), und der Zustimmung zum Walfang allzu gerne nachgab - wegen der damit verbundenen, für das Land nicht unerheblichen finanziellen Unterstützung.

Ein Pottwal vor DominicaIn der Bevölkerung herrscht zur Frage des Walfangs noch Gleichgültigkeit, denn der weitaus größte Teil der Inselbewohner hat noch nie etwas von den Pottwalen, die hier leben, gehört. Der Versuch auf der IWC-Konferenz 2003 in Berlin mit dem zuständigen Minister ins Gespräch zu kommen, wurde brüsk als unerwünschte Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes abgeschmettert. Deshalb gibt es wohl nur einen Weg, die Zustimmung Dominicas zum Walfang rückgängig zu machen: Es muss Druck aus der Bevölkerung kommen.

Im Juni 2008 war es dann endlich so weit: Roosevelt Skerrit, Premierminister von Dominica, erklärte, dass sein Land nicht länger für die Anträge Japans zur Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs stimmen werde. "Wir sind hoch erfreut, dass unsere konzentrierte Informations- und Aufklärungsarbeit auf Dominica so überraschend schnell ein Umdenken bei der Regierung bewirken konnte - ein großartiger Erfolg für den Schutz der Wale, ein großer Erfolg unserer Projektarbeit", sagt Andrea Steffen.

Die AIDA ankert in DominikaKommerzielle Walbeobachtung existiert auf Dominica erst seit wenigen Jahren. Waren die Anfänge noch bescheiden, so haben sich die Pottwale inzwischen bis zu den Kreuzfahrtschiff-Betreibern herumgesprochen und im April konnten wir über 130 Gäste der AIDA begrüßen. Wenn ein Kreuzfahrtschiff diese Insel anläuft, weil es hier eben auch Wale zu sehen gibt, ist der wirtschaftliche Faktor für die Bevölkerung enorm.

Mit Hilfe der Forschungsstation sollen die Pottwale und andere vor Dominca lebende Meeressäuger sollen langfristig geschützt werden. Heute gibt es hier Informationstafeln über Herkunft, Biologie, Sozialleben und Wanderungen der Pottwale und als Hauptattraktion natürlich das vollständig montierte Pottwalskelett, das einzige in der ganzen Karibik.

Pottwal bei DominicaEine umfangreiche Fluken-Datenbank, zur Wiedererkennung einzelner Individuen, wird gerade zusammengestellt. So wird es möglich sein, die Zu- oder Abnahme der Population zu erfassen. Durch diese Vorbereitungen sollen Wissenschaftler und Walbeobachter nach Dominika gelockt werden, die dann auf diesen Ergebnissen aufbauen können. Wie dankbar so etwas angenommen wird, stellten wir schnell fest, als ein Forscherteam unter Leitung des weltbekannten Walforschers Hal Whitehead, mit dem Forschungsschiff Balaena (Dalhousie Universität, Halifax) drei Monate vor der Insel kreuzte. Es kam mehrfach zu einem regen Erfahrungs- und Informationsaustausch.

Danach konnten wir die Anzahl der hier lebenden Pottwalfamilien auf 5 festlegen. Es gibt noch eine sechste Gruppe, aber sie scheint aus einer so genannten "Halbstarkengruppe", also einem Zusammenschluss noch nicht wandernder, junger Pottwalbullen, zu bestehen.

Für den nächsten Besuch auf Dominica haben wir bereits Einladungen zu weiteren Vorträgen erhalten, darunter von der größten Schule der Insel. Auch darüber wird wieder im Fernsehen berichtet werden. Andrea und Wilfried Steffen

Individuelle Patenschaften für Pottwale aus der "Group of Seven"

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Pottwal-Schutzprojekt Dominica (Karibik)