meerblick@aktuell und OCEANO Newsletter 2009

Sichtungen in 2009

Das Jahr ist noch nicht zu Ende, aber die ersten Ergebnisse unserer Ausfahrten liegen bereits vor: Die Gesamtsichtungsrate 2009 (bis Ende November) liegt bei 88 %!! Der April hatte sogar 100 % Sichtungsrate. Am häufigsten haben wir Pilotwale getroffen (25 %), dann die Fleckendelfine (24 %) und an dritter Stelle die Großen Tümmler (21 %). Auf Platz vier der Hitliste stehen die Bartenwale, gleich gefolgt von den Rauzahndelfinen. Danach tauchen die Gewöhnlichen Delfine und Schnabelwale auf und zu guter Letzt die Streifendelfine. Weiterhin gab es eine Pottwal und eine Orca-Sichtung in 2009.

Sichtungen im Dezember

Oceano-News 12/2009: Dieses Jahr zeigt sich ganz anders als das letzte Jahr. Es gab einige Tage ohne Sichtungen, so auch Mitte/Ende November an Tagen, an denen das Meer wunderschön spiegelglatt war und die umliegenden Inseln klar zu erkennen und zum Greifen nah waren. Aber natürlich gab es auch viele Begegnungen: Vor allem von Pilotwalen (siehe Foto), Großen Tümmlern und Rauzahndelfinen. Für den Monat November waren die Rauzahndelfinsichtungen relativ häufig. An einem Nachmittag zeigten sie sich besonders ausgelassen und verspielt. Sie waren aber ganz mit sich beschäftigt, nicht mit unserem OCEANO Boot. Wahrscheinlich hatten sie einen vollen Magen und haben die „zwischen-delfinischen“ Kontakte gepflegt – ein durchaus wichtiger Aspekt im Delfinleben.

Rauzahndelfine:
Rauzahndelfine haben feine, vertikale Rillen in ihren Zähnen und haben somit raue Zähne. Diese Spezies ist eher unbekannt und weniger gut erforscht. Vor La Gomera werden sie regelmäßig angetroffen. Begegnen wir ihnen in kleinen Gruppen sind sie eher scheu und zurückhaltend; in großen Gruppen eher draufgängerisch und frech. Ihr Erscheinungsbild unterscheidet sie von z.B. Großen Tümmlern. Sie haben einen eher amphibischen Kopf, keine stark hervorstehende Melone, der Schnabel geht flacher in den Kopf über. Ihre Haut ist meist bräunlich fleckig mit einem leicht rosa Bauch. Oft haben sie weiß gezeichnete Lippen und man nennt sie deshalb auch die „Clowns der Meere“. Und so verhalten sie sich auch, wenn sie zum Beispiel mit Plastiktüten im Meer spielen (was ihnen zum Verhängnis werden kann, wenn sie sie verschlucken!) oder Schildkröten ärgern oder gar Seevögel unter Wasser ziehen. Sie zeichnen sich aus durch super synchrones Schwimmen. 5,6,7 Tiere eng nebeneinander schwimmend sind keine Seltenheit. Sie werden max. 2,5 m lang und wiegen bis 150 kg und bevorzugen eher wärmere Gewässer. Ihr genaues Verbreitungsgebiet ist noch nicht ausreichend bekannt. Vor La Gomera sind 63 Individuen an Hand der Rückenfinne identifiziert worden.

Übernehmen Sie eine Patenschaft für einen La Gomera Rauzahndelfin!
Fotos: © OCEANO

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Sichtungen im November

Oceano-News 11/2009: Endlich sind sie wieder häufiger da: Die Indischen Grindwale. Aber auch Große Tümmler und große Gruppen Fleckendelfine (mehrere hundert!) konnten in den letzten Wochen beobachtet werden. Es gab die ein oder andere Schnabelwalsichtung, einen Seiwal und mehrmals Brydewale. Unüblich für die Jahreszeit sind Meeresschildkröten, innerhalb einer Woche hat das OCEANO Team auf den täglichen Whale Watching Ausfahrten drei Unechte Karettschildkröten (Caretta caretta), die sich verfangen hatten, von Unrat und Plastik frei schneiden können.

Indische Grindwale:
Sie wirken so majestätisch und gelassen – an der Wasseroberfläche. Dass sie sich zu den schnellen Sprintern unter Wasser entwickeln, wissen die wenigsten und vor allem, man traut es ihnen kaum zu! Die Indischen Grindwale - auch Pilotwale genannt - leben fest auf den Kanarischen Inseln und werden vor der Insel Teneriffa angetroffen. Man trifft Tiere dieser Population auch vor Gran Canaria und häuftig vor La Gomera. Grindwale fressen Kalmare und Fische. Sie jagen hauptsächlich nachts, da die Beutetiere sich dann näher an der Wasseroberfläche aufhalten. Die Grindwale tauchen mit ca 2m pro Sekunde bis auf eine Wassertiefe von 600 Metern. Dort setzen sie ihr starkes Sonar ein, um die Beute aufzuspüren und gehen auf ihre schnelle Jagd mit bis zu 9m pro Sekunde!! Aus diesem Grund nennt man sie auch die "Geparden" der Tiefsee. Man geht davon aus, dass es sich bei der Population vor Teneriffa um gut 400 Individuen handelt. Ca. 380 sind davon an Hand ihrer Rückenfinne identifiziert und katalogisiert.

Übernehmen Sie eine Patenschaft für einen La Gomera Grindwal!
Fotos: © M.E.E.R. e.V.

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Seltsames Phänomen!

In einer Gruppe, die (wie im Frühling nicht selten) eine große Anzahl Kälber umfasste, konnten wir einem jungen Delfin fotografieren, der merkwürdige Schwellungen an der Bauchseite aufwies.Ungewöhnliches Fleckendelfin-Kalb Im Frühjahr diesen Jahres hatten wir eine Menge Begegnungen mit einer der beliebtesten Delfinarten, den Zügeldelfinen, auch Fleckendelfine genannt. In einer Gruppe, die (wie im Frühling nicht selten) eine große Anzahl Kälber umfasste, konnten wir einem jungen Delfin fotografieren, der merkwürdige Schwellungen an der Bauchseite aufwies. Die Ursache dafür ist selbst erfahrenen Forschern ein Rätsel.

Es handelt sich offensichtlich um ein Weibchen, was an den deutlich sichtbaren Zitzen recht und links neben dem Genitalschlitz zu sehen sind.Das rechts abgebildete Tier wurde Anfang Mai 2009 vor Gomera fotografiert. Es handelt sich offensichtlich um ein Weibchen, was an den deutlich sichtbaren Zitzen recht und links neben dem Genitalschlitz zu sehen sind. Ungewöhnlich ist die erhebliche Schwellung derselben. Da es sich um die Geschlechtsteile handelt, liegt der Verdacht nahe, dass dies auf hormonelle Ursachen zurückgeht. Aber damit wäre die Frage nicht beantwortet, warum ein junges Kalb (das ja selbst noch gesäugt wird) diese Merkmale zeigt.

Auch die Konsultation einer Fleckendelfinforscherin aus den USA brachte keine Auflösung. Derzeit versuchen wir, in der wissenschaftlichen Cetologengemeinschaft heraus zu finden, ob etwas Vergleichbares schon einmal gesehen bzw. beschrieben wurde. Es handelt sich möglicherweise um ein noch nie beobachtetes Phänomen.
Fotos: © M.E.E.R. e.V.

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Plastikmüll im Magen

Tümmler (vor Gomera) mit PlastiktüteEine Untersuchung der kanarischen Organisation Canarias Conservación (Partner des MEER e.V.) in Zusammenarbeit mit der Universität Aberdeen stellte fest, dass viele der auf den Kanarischen Inseln gestrandeten Tiere Plastikmüll im Magen hatten. Insgesamt wurden 23 der Tiere untersucht, die immer wieder an den Küsten der Inseln stranden. Fünf davon, das entspricht einem Anteil von 22%, hatten Plastik-Artikel im Magen.

Je ein Pottwal, Zwergpottwal, Gervais-Schnabelwal, Blauweißer Delfin und Borneodelfin waren betroffen. Man fand teilweise große Stücke Plastik, komplette Plastiktüten und Kunststoff-Filamente, die aller Wahrscheinlichkeit von alten Fischernetzen stammen. Ein Pottwal führte außerdem einen Metallhaken in seinem Innern mit sich. Die Tiere verschlucken diese Produkte entweder weil sie sie mit Nahrung verwechseln oder weil sie in direkten Kontakt mit der Fischereigerät kommen. Wale und Delfine "stehlen" häufig gefangene Fische von Angeln oder aus Netzen - mit nicht selten tragischem Ausgang...

Die Tatsache, dass es sich bei den nun untersuchten Tieren um Hochsee-Arten handelt, zeigt wie umgreifend das Problem der Meereverschmutzung mit menschlichen Abfallprodukten heutzutage ist. Dabei ist die Problematik des so genannten "Mikroplastik" möglicherweise noch um Dimensionen größer: Durch die Verwitterung wird Plastik im Meer in immer weitere Partikel zerlegt, die irgendwann so klein sind, dass sie als mikroskopisch kleine Teilchen in die Nahrunskette gelangen - mit nicht absehbaren Folgen für Meeressäuger, Vögel, Fische, usw.

Dagegen helfen im Prinzip ganz einfache Maßnahmen, zu denen jeder von uns beitragen kann: Möglichst viel Müll vermeiden und Fisch nur aus zertifiziert nachhaltiger Fischerei konsumieren!
Foto: ©Nina Strüh

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Orcas vor La Gomera!

Orcas vor La Gomera, (C) Carine ZimmermannSensation vor La Gomera: Am 12. August begegneten die Whale Watcher von OCEANO einer Walart, die sich extrem selten in den Gewässern vor der kleinen Kanareninsel zeigt: Eine Gruppe von sieben Schwertwalen wurde gesichtet, darunter ein ausgewachsenes Männchen, das sofort durch seine hoch aufragende Rückenfinne auffiel.

Sie verhielten sich nicht scheu, was dem Charakter dieser charismatischen Tiere entspricht. Wenn man das große Glück hat, Orcas einmal aus der Nähe zu betrachten, strahlt ihre Präsenz sofort auf uns Menschen ab. Man wird sich bewusst, dass Orcas die heimlichen Herrscher der Meere sind. Fotos dieser außergewöhnlichen Sichtung können Sie der Website unserer Partner von MEER e.V. betrachten.
Foto: © Carine Zimmermann

Sichtungen Mai 2009

OCEANO Whale Watching La GomeraAb Mitte/Ende Mai haben wir meist sehr besondere Sichtungen von Delfinen und Walen. Vielleicht, weil das Wasser allmählich wärmer wird, sind die Meeressäuger oft sehr gut aufgelegt und suchen den Kontakt zum Boot. Es gab mehrere Sichtungen von den seltenen Schnabelwalen, die ja in dieser Gegend heimisch sind und auch Bartenwale (Brydewale) zeigten sich mehrfach, sowie Fleckendelfine, Große Tümmler, Pilotwale und Schildkröten. Bemerkenswert, dass die Gewöhnlichen Delfine doch noch wieder auftauchten, obwohl wir sie schon weiter draußen im Atlantik vermutet hatten, nachdem sie eine Weile nicht mehr gesichtet worden waren.

Schnabelwale

Schnabelwal vor La GomeraDie entwicklungsgeschichtlich sehr alten Schnabelwale (Ziphiidae) sind eine eigene Familie innerhalb der Zahnwale. Sie haben ihren Namen nach ihrem langgezogenen Schnabel erhalten. Es gibt neunzehn verschiedene Schnabelwalarten. Ihre Länge schwankt zwischen 4 bis 13 m. Meist haben sie nur zwei Zähne (bis max. 4) und werden deshalb auch als Zweizahnwale bezeichnet. Sie gelten als scheu. Grundsätzlich ist wenig über diese in tieferen Gewässern lebenden Wale bekannt. Einige Arten wurden nie lebend gesichtet und erst nach Strandungen beschrieben worden. Auf den Kanarischen Inseln sind sie relativ gut erforscht, da es mehrfach zu Schnabelwalstrandungen nach Militärmanövern kam.

Vor La Gomera sind bis jetzt drei Schnabelwalarten angetroffen worden: Blainville und Cuvier Schnabelwal und der Nördliche Entenwal. Meist sind die Arten nach ihrem Entdecker benannt worden. Bei vielen Arten haben die Männchen zwei hauerartig vorstehende Zähne. Diese werden vermutlich im Kampf untereinander (um die Weibchen) eingesetzt. Zahlreiche Kratzer und Narben auf der Haut zeugen davon.

Weitere Informationen und Buchung auf: www.oceano-gomera.com
© Susanne Braack / OCEANO

 

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