Drama vor Mosambik: Dutzende Delfine stranden und verenden

31.10.2006 - Quellen: GRD / APA.ag. / n-tv.de - Gegen Ende Oktober strandeten an einem entlegenen Küstenstreifen auf der Insel Bazaruto 47 Delfine, die meisten von ihnen starben. Noch herrscht Unklarheit darüber, ob es sich um gewöhnliche Große Tümmler (Tursiops truncatus) oder Indopazifische Große Tümmler (Tursiops aduncus) handelt.

Postion zweier Seebeben, die im September stattgefunden hattenIm ca. 800km nördlich der Landeshauptstadt Maputo gelegenen Bazaruto-Archipel-Nationalpark, einem schwer zu erreichenden Naturparadies, von den Einheimischen als die "vergessenen Inseln" bezeichnet, kommen beide noch relativ häufig vor. Die dort früher anzutreffenden Buckeldelfine wurden dagegen durch menschliche Einflüsse weitgehend verdrängt.

Die eingeschlossenen Delfine hatte keine ÜberlebenschanceNationalpark-Rangern gelang es mit Hilfe einiger Einheimischer, sechs der Tiere wieder zurück ins Meer zu bringen. Entgegen ersten Meldungen ist der betroffene Strandabschnitt "Dolphin Bay" bekannt für Delfinstrandungen. So wurde dort 1988 eine Gruppe von über 100 Spinner-Delfinen angespült, 1999 starben hier 7 Tümmler. Vermutungen über die Ursache der jüngsten Strandung gehen in die verschiedensten Richtungen, von einem Seebeben über Beifangopfer bis hin zu einer Sonar-Boje für seismische Messungen. Ein derartiges Gerät war vor einem Monat in dem Gebiet an Land gespült worden und sorgt für viel Verwirrung im Zusammenhang mit der Strandung.

Toter Tümmler am Strand der Dolphin-Bay, Insel Bazaruto Mit hoher Wahrscheinlich handelt es sich hier aber um einen natürlichen Unfall der Delfingruppe, das meint zum Beispiel Vic Cockcroft vom Centre for Dolphin Studies in Südafrika. Demnach war es eine Gruppe der Hochseeform des Großen Tümmlers, die normalerweise weit draußen im Ozean leben.

Mit der Flut schwammen sie zur Nahrungssuche in die "Dolphin Bay" hinein. Dies ist gefährlich, denn die Ebbe setzt hier zuerst an der Nordspitze ein, es bildet sich eine vom Meer abgeschlossene Bucht, die langsam trocken fällt. Die so eingeschlossenen Delfine hatten keine Überlebenschance.

Die angespülte Sonar-Boje sorgt für viel Verwirrung im Zusammenhang mit der Strandung der DelfineAllerdings gab es Ende Oktober eine Nippflut, bei der der Tidenhub des Meeres besonders niedrig ist, was etwas widersprüchlich zur Unfall-Theorie ist.

Insgesamt erinnert dieses traurige Strandungsereignis aber stark an die Massenstrandung bei Sansibar vom April 2006, bei der ohne feststellbare Ursache wie militärische Sonarversuche oder Seebeben über 700 Hochsee-Tümmler starben.

Vic Marten, von der School of Biological & Conservation Sciences in Südafrika meint dagegen, dass es Indopazifische Große Tümmler waren und dass einige der verendeten Tiere Hauteinkerbungen aufweisen, die nur durch ein Fischernetz verursacht sein können. Marten vermutet, dass die Delfingruppe unbeabsichtigt von einem größeren Fischtrawler mitgefangen wurde. Die noch lebenden, aber völlig entkräfteten Tiere seien über Bord geworfen worden und dann in der "Dolphin Bay" gestrandet.

Unser Mosambik-Projektleiter Almeida Guissamulo versuchte, noch rechtzeitig zum Strandungsort zu gelangen, konnte dies mangels geeigneter schneller Transportmöglichkeiten aber nicht in die Tat umsetzen. So beriet er die an der Rettungsaktion beteiligten Ranger via Telefon. Ein Kadaver wurde für eine spätere Sektion eingefroren, so kann man vielleicht noch herausfinden, welche Tümmlerart es war und das Rätsel um ihren tragischen Tod in der "Dolphin Bay" lösen.

Um die Ursache für dieses Strandungsereignis aufzuklären, finanzierte die GRD eine vor Ort Untersuchung. Diese wurde zwischen dem 16. und 22. November durchgeführt. -> Zum Ergebnisbericht
Ulrich Karlowski
© für alle Fotos: Nick Raba weitere Fotos in der Gallery von Sharklife

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Projekt Mosambik (Insel Inhaca | Maputo-Bucht)