Ortstreue Delfine in der Paracas-Bucht

Bericht von Julio C. Reyes (ACOREMA) aus Delphinpost 2/2005 - Die meisten Menschen, die das Gebiet Pisco-Paracas im Süden Perus besuchen, machen einen Ausflug zu den Ballestas-Inseln, einem besonderen Beispiel für die vom kalten Humboldtstrom hervorgerufene, reichhaltige Biodiversität.

Die Inseln, die etwa 20 Meilen vor der Küste liegen, zeigen eine Fülle an Leben, mit Hunderten von Seelöwen und Tausenden Seevögeln, die die meiste Zeit ihres Lebens auf oder bei den Inseln verbringen.

Aber eine der aufregendsten Erfahrungen kann man kurz nach der Abfahrt von El Chaco, dem Starthafen der Boote, in der Paracas-Bucht machen: das Zusammentreffen mit einer Gruppe Delfine. Große Tümmler (Tursiops truncatus) leben in der Bucht und ziehen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Aber sie sind nicht einfach nur Große Tümmler. Diese Delfine gehören zu einer ortstreuen Gruppe, die mit Unterstützung der GRD seit 2004 regelmäßig von uns beobachtet wird. Wir nennen sie die A-Gruppe oder die Paracas-Delfine.

Woher wissen wir, dass sie ortstreu sind?

Anhand ihrer Rückenfinne können wir die  Delfine voneinander unterscheidenAnhand ihrer Rückenfinne können wir die Delfine voneinander unterscheiden. Natürliche Markierungen wie Einkerbungen, Narben oder Entfärbungen dienen uns zur Erkennung jedes Individuums und erlauben uns einen Einblick in verschiedene Aspekte ihrer Biologie. Zum Beispiel konnte ihr Verbreitungsgebiet nachgewiesen werden, das sich etwa 55 Kilometer entlang der Küste zwischen der Paracas-Bucht und der Provinz Chincha erstreckt, denn wir haben bestimmte Delfine an beiden Orten während unserer kontinuierlichen Beobachtungen wiedererkannt.

Auch ein anderer Teil ihrer Lebensgeschichte ist uns bekannt: Sie bekommen ihre Jungen im hiesigen Sommer, während dieser Zeit konnten wir ihre Neugeborenen und ganz junge Kälber beobachten. Ihre Ortstreue kann durch wiederholte Beobachtungen bestimmter Individuen nachgewiesen werden - und genau das tun wir.

Wir fahren mit einem kleinen Boot zu der Gruppe, sammeln Informationen über sie, machen Fotos und erstellen einen Katalog mit Daten über jedes Individuum. Wir geben ihnen Namen, keine Nummern, und erleichtern uns somit die Arbeit, weil wir umso vertrauter mit ihnen und ihrer Geschichte werden.

So hat Queen drei kleine Knöpfe in der Spitze ihrer Finne, was wie eine Krone aussieht. Wir wissen, dass sie ein Weibchen ist, denn im vergangenen Februar wurde sie mit einem sehr kleinen Jungtier gesehen.

Queen und VitaliCorky II hat einen großen Buckel im vorderen Teil des Rückens. Vitali fehlt ein großer Teil seiner Fluke, aber er macht große Anstrengungen, um mit der Gruppe mitzuhalten, wobei er meist von anderen Delfinen unterstützt wird. Silver ist ein Delfin mit leuchtenden Streifen an beiden Seiten seiner Rückenfinne.

Da wir viel über diese Delfine wissen, sind uns auch die Faktoren bekannt, die ihr Überleben bedrohen, denn das Gebiet, in dem sie leben, ist stark von menschlichen Einflüssen geprägt: der Fischerei mit ihren Gefahren wie Beifang, aber auch direkter Jagd, Dynamitfischerei und letztendlich eine Verringerung der Fischbestände, der Hauptnahrung der Delfine. Die industrielle Entwicklung der Gegend umfasst mehrere Fischmehlfabriken entlang des Strandes, Öl- und Gasförderung und damit zunehmende Meeresverschmutzung.

All diese Probleme sind für einen Rückgang der Anzahl der Delfine dieser Gruppe verantwortlich, die noch Anfang der 90er Jahre 100 bis 130 Individuen zählte, heute jedoch nur mehr etwa 70 bis 80 Mitglieder aufweist.

Angesichts der Bedrohungen, denen diese Delfine ausgesetzt sind, sind sofort verstärkte Maßnahmen nötig, um sie und ihren Lebensraum zu schützen. Wir müssen jetzt alle helfen und immer mehr Menschen in die Schutzbemühungen einbinden, damit die Begegnung mit den "Paracas-Delfinen" weiterhin ein wundervolles Erlebnis bleibt.

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Delfinschutzprojekt Peru (Paracas-Halbinsel)