12 Jahre GRD-Projekt Delfinschutz in Paracas

Schutz der Delfine, Wale und ihres marinen Ökosystems

Als wir 1999 beschlossen, aufgrund der Bedrohungssituation für die Delfine in Peru die peruanische Meeresschutzorganisation ACOREMA zu unterstützen, schien es unmöglich, ein so großes und erfolgreiches Projekt ins Leben rufen und aufbauen zu können.

Doch dank der Unterstützung von Delfin-Paten, Förderern und Sponsoren sowie mit Mitteln des HAND IN HAND-Fonds der Deutschen Umwelthilfe und Rapunzel-Naturkost-AG, konnten nunmehr seit 12 Jahren zahlreiche Teilprojekte gegen die direkte Jagd auf Delfine, gegen Dynamitfischerei und Meeresverschmutzung erfolgreich durchgeführt werden. Projekte mit Schulen und intensive Öffentlichkeitsarbeit sowie die Integrierung vieler Bevölkerungsgruppen in die Delfinschutzarbeit führte zu einer großen Akzeptanz unseres Projekts und Beliebtheit der Meeressäugetiere.

 

Rückblick und Highlights:

Situation zu Beginn unseres Projekts, 1999: Delfinfleisch steht vielerorts noch auf dem Speiseplan und wird entlang der peruanischen Küste trotz bestehenden Fang- und Handelsverbots auf den Fischmärkten verkauft, wie eine von der GRD finanzierte Studie von ACOREMA ergibt. Die Delfine waren teilweise als Beifang verendet, wurden aber auch gezielt mit Harpunen gejagt. Zerstückelt dienen sie auf See auch als kostenloser Köder zum Fang von Haien.

Die Studie wird an die zuständigen Behörden geleitet, mit der Forderung von stärkeren Kontrollen, Ahndungen und Umsetzung des Gesetzes zum Schutz der Kleinwale. GRD und ACOREMA bringen entsprechende Informationstafeln auf Fischmärkten an.

 

Schutz der Delfine bei Paracas:

- Die Supay-Delfine
Um die Popularität der Delfine zu erhöhen und Informationen über ihre Biologie, Bedrohungssituation und ihren Schutzstatus zu verbreiten, werden Delfinbeobachtungen entlang der Küste durchgeführt.

Bei Pisco wird 1999 eine isolierte 16-köpfige Gruppe Großer Tümmler entdeckt, die im Paracas-Nationalreservat lebt und anscheinend keinen Austausch mit anderen Delfingruppen hat. Sie ist durch mehrere Faktoren; wie z.B. illegale Dynamitfischerei, gefährdet. Es wird erreicht, dass ihr Gebiet einen besonderen Schutzstatus erhält. Ranger werden von ACOREMA ausgebildet, die Beobachtungen und Kontrollen gegen Dynamitfischerei durchführen. Die Zusammenarbeit mit dem Paracas-Nationalreservat wird intensiviert.

Die Supay-Delfine werden die ersten Paten-Delfine der GRD. Sie werden individuell identifiziert und regelmäßig beobachtet.

 

- Die Paracas-Delfine
Auch nördlich der Paracas-Halbinsel in der gleichnamigen Bucht werden ortstreue Große Tümmler entdeckt. Seit 2000 bis heute wurden mittlerweile 103 Individuen identifiziert, und in einen Katalog mit Foto ihrer Finne aufgenommen. Wir erfahren viel über Nachwuchs, Gruppenbildung, Erkrankungen und Bedrohungsfaktoren für die Delfine. Es wird festgestellt, dass vor allem Weibchen, insbesondere mit Jungtieren, eine längere Aufenthaltszeit in der Bucht aufweisen. Das könnte bedeuten, dass sie hier gute Bedingungen für die Aufzucht finden.

Die Paracas-Delfine sind ausschlaggebend für den erfolgreichen Verlauf des Projekts. Die regelmäßigen Beobachtungen geben Einblick in die individuelle Lebensgeschichten, Krankheiten und Gefahrenpotentiale für die Delfine. Mit den gewonnen Erkenntnissen über die Meeressäuger und die Ursachen ihrer Gefährdung kann die Bevölkerung für ihren Schutz sensibilisiert und begeistert werden. Sogar viele Fischer sind integriert und melden Beobachtungen "ihrer" Delfine. Dolphin Watching wird in der Bucht zur Sensation bei Touristenausflügen. GRD und ACOREMA erarbeiten Regeln für "sanftes" Beobachten, die an die Tourenanbieter verteilt werden. Die Einsichten in die "persönlichen" Delfinleben und ihre größten Probleme und die (be-)greifbaren Geschichten über die einzelnen Delfine vor Ort in der Paracas-Bucht helfen auch dabei, in umfassendere Umweltthemen wie Ökosystemschutz und Schutz der marinen Biodiversität einzuführen.


Die Pisco-Gruppe ist den negativen menschlichen Eingriffen am stärksten ausgesetzt. Wir wissen, dass diese Delfine bereits seit den frühen 90iger Jahren hier leben, damals gab es zwischen 130 und 150 Individuen. Kontinuierliche Zählungen ergaben, dass die Gruppe ständig kleiner wird, heute besteht sie nur aus 70 bis 80 Tieren.

 

Kampagne gegen Dynamitfischerei

Die Dynamitfischerei, eine billige Art der Nahrungsbeschaffung, kommt nicht nur dem Ökosystem teuer zu stehen. Unselektiv werden sämtliche Fische und andere Tiere im Umkreis der Detonation tötet und wichtige marine Lebensräume (z.B. Fischlaichgebiete) dauerhaft zerstört. Letztendlich wird so auch die Lebensgrundlage der Küstenbewohner selbst vernichtet. ACOREMA führt nach Vorschlägen der GRD 2003 eine viel beachtete Kampagne durch und Ministerien, Fischer und Bevölkerung werden über die zerstörerischen Auswirkungen der Dynamitfischerei informiert sowie Richtlinien einer ökologisch verträglichen Fischerei bekannt gemacht.

Eigens angefertigte Poster werden in Behörden und an öffentlichen Plätzen aufgehängt, Hinweisschilder auf Fischmärkten angebracht. Kostenlos werden Motto-T-Shirts und Kalender mit Informationen an die Fischer verteilt – "Pesca responsable: Fische verantwortungsbewusst!"

In die Anti-Dynamitfischerei-Kampagne werden die Fischerei-Direktion der Region, die Hafenaufsichtsbehörde und die Leitung des Paracas-Nationalreservat involviert, sodass die Durchführung von Kontrollen eingerichtet wird. 2009 folgt dann noch ein Radiospot gegen Dynamitfischerei, der ein halbes Jahr zu den besten Zeiten auf zwei Sendern ausgestrahlt wird und sehr viel Beachtung findet. Seitdem wurde keine Dynamitfischerei im Gebiet mehr festgestellt.

 

Ausbau des Meeresschutzzentrums

In der Hafenstadt Pisco wird ab 1999 von ACOREMA mit finanzieller Unterstützung der GRD ein Meeresschutzzentrum ausgebaut. Das berühmte Tiravanti-Haus wird dank Monica Echegaray, Fischereiwissenschaftlerin bei ACOREMA, kostenlos zur Verfügung gestellt. Ausstellungsräume werden eingerichtet. und mit besonderen Attraktionen, wie zum Beispiel dem lebensgroßen Modell eines Großen Tümmlers, sowie Schautafeln und –kästen ausgestattet. Neben einer ständigen Ausstellung über Wale und Delfine und Meeresökologie finden dort Seminare, Kurse für Schüler und Aktionen für die Gemeinde statt, die umfassend viele relevante Umweltschutzthemen beinhalten. Das EIC wird eine Attraktion, die bei der einheimischen Bevölkerung großen Anklang findet. Kurse und Gruppentreffs machen es gerade für die jüngere Generation zu einem Ort der Begegnung. Auch ausländische Touristen und Wissenschaftler kommen zu Besuch.

Mehr als 15.000 Besucher konnte das EIC von 1999 bis 2007 verbuchen.

 

Katastrophe August 2007: schweres Erdbeben zerstört die Region Paracas

Das Meeresschutzzentrum wird ebenfalls völlig zerstört. GRD und ACOREMA sind bemüht, Sponsoren zu finden, mit deren Hilfe es in den nächsten Jahren wieder aufgebaut werden kann.

Die Region Pisco-Paracas bietet sich als Standort an, da hier jährlich Hunderttausende von Einheimischen und Touristen das Paracas-Nationalreservat besuchen, das als einziges im Land nicht nur eine terrestrische Zone schützt, sondern auch ein Meeresschutzgebiet aufweist.

Es wurde von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt und umfasst eines der außergewöhnlichsten und artenreichsten Ökosysteme.

 

Schulprojekte; Vorlesungszirkel und Malwettbewerbe

Für die Schulen der Region Paracas wird seit dem Projektjahr 2006 umfangreiches Unterrichtsmaterial erarbeitet werden, das kostenlos verteilt wird. Kernstück ist ein "teacher’s guide", ein Lehrbuch für Lehrer, das alle relevanten Themen wie Biodiversität, verschiedenen Formen der Fischerei und ihre negativen Auswirkungen sowie Biologie und Schutz der bedrohten Arten der Region Pisco-Paracas enthält. Es wird Anfang 2007 an über 900 Lehrer verteilt. Zudem wird es an öffentliche Bibliotheken und Behörden gereicht.

Für die Schüler werden zusätzliche kindgerechte Broschüren gedruckt. Ein Rahmenprogramm mit Freilandkursen, Mal- und Wissenswettbewerben für Schüler und Fortbildungsseminaren für Lehrer rundet das Schulprojekt ab. Seitdem ist das Angebot für die Schulen ständig ausgebaut worden, im Jahr 2010 stand das Lehrprogramm mit einer Kampagne gegen die Meeresverschmutzung und Vermüllung der Strände unter dem Motto "Das Meer ertrinkt! Rettet es!".

Vorträge an Universitäten und Seminare werden von ACOREMA ebenfalls ständig in der Region angeboten.

 

Aktuelle Kampagne 2011

"Delfine und Wale in Peru – ein Schatz, den es zu bewahren gilt"
30 Wal- und Delfinarten sind im Pazifik vor Peru anzutreffen. Sogar eine eigene Art, der Peruanische Schnabelwal (Mesoplodon peruvianus), wurde hier entdeckt - von unserem Projektleiter in Peru – Julio Reyes.

Der ungewöhnliche Artenreichtum ist unter anderem der hohen Produktivität und Biodiversität zu verdanken, die der Humboldtstrom (eine kalte Meeresströmung von der Antarktis bis zum Äquator) vor der Küste mit sich bringt. Doch so vielfältig die Arten, so vielfältig sind auch die Gefahren, denen vor allem die Kleinwale in den Gewässern des Andenstaates ausgesetzt sind: Beifang, direkte Jagd, Dynamitfischerei und Meeresverschmutzung.

Durch den glücklichen Umstand, dass im letzten Jahr neben den häufigeren Arten wie Schwarzdelfin und Burmeister-Schweinswal auch andere Kleinwalarten und vor allem Großwale unmittelbar vor Paracas gesichtet wurden, die durch verschiedene Interaktionen mit menschlichen Aktivitäten beeinflusst oder sogar beeinträchtigt werden, konnte die Öffentlichkeitsarbeit kurzerhand auf alle vorkommenden Walarten ausgeweitet werden.

2011 hat ACOREMA diese neue Kampagne gestartet, die umfassend alle in peruanischen Gewässern vorkommenden Wal- und Delfinarten – darunter auch die Amazonasdelfine – vorstellt und für ihren Schutz wirbt.

 

Druck eines Posters "Perus Cetaceen – ein Schatz, den es zu bewahren gilt". Es wurde an Schulen, Behörden und öffentliche Plätze verteilt. Neue virtuelle Informationen über die peruanischen Delfine und Wale gibt es zum Download auf der Homepage von ACOREMA

 

 

Monitoring: Aktuelle Informationen über unsere Patendelfine (2011)

Paracas-Delfine
Bei den Beobachtungsfahrten in die Paracas-Bucht werden im ersten Halbjahr 2011 vergleichsweise wenige Delfine angetroffen.

Auch die durchschnittliche Gruppengröße von 2-3 Tieren ist ungewöhnlich klein. Eine Ausnahme bietet die einmalige Sichtung einer großen Delfinschule mit etwa 40-42 Individuen im Juni. Es können 11 neue Individuen identifiziert werden, darunter neue Mutter-Kalb-Paare. Von den Patendelfinen werden Pacmann, Ghost, Silver mit Jungtier, Trinity, Cosma, Longscar mit Jungtier, Queen, Breeze mit Jungtier, Ray, Smiley und Sharpy gesichtet.

Insgesamt sind 25 bekannte "Gesichter" dabei. Zu den bislang 92 anhand ihrer Rückenfinne individuell identifizierten Großen Tümmler kamen jetzt 11 neu hinzu, sodass nun 103 Tiere im Katalog mit Foto ihrer Finne aufgenommen sind.

 

Die Supay-Delfine
Erstmalig nach dem Erdbeben konnte dieses Jahr wieder eine Bootsausfahrt zu den Supay-Delfinen gemacht werden. Schöne Fotos sind gelungen und die beste Nachricht: es wurden zwei neue Jungtiere gesichtet!

 

Bitte unterstützen Sie unser Projekt mit Ihrer Delfinpatenschaft für einen Peru-Delfin

Denise Wenger

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