Der Pottwalbulle SCAR von der Seite gesehen steht leicht schräg in der Wassersäule, seine Nasen ragt knapp über die Meeresoberfläche.Einen Aufsehen erregenden Beitrag zur Frage, ob Tiere in der Lage sind, Kultur zu entwickeln, lieferten Biologen von der Dalhousie-Universität im kanadischen Halifax.

Bei Landlebewesen lässt sich Kultur - die Ausprägung nicht genetisch bedingter durch Überlieferung und Lernleistung tradierter Verhaltensweisen, die nur in bestimmten Regionen, Gruppen oder Familien auftreten - relativ leicht beobachten. Besonders bei großen Menschenaffen, Schimpansen oder Gorillas, wurden bereits kulturelle Entwicklungen und Differenzierungen festgestellt. Sehr viel schwieriger gestaltet sich die Sache bei Meereslebewesen, deren Verhalten nur über kurze Zeiträume beobachtbar ist.

So konzentriert sich die Forschung bei Walen und Delfinen auf deren akustische Kommunikation. Heute weiß man, dass Familienverbände von Orcas oder Schwertwalen - der größten Delfinart - mit spezifischen Dialekten kommunizieren, die überliefert und erlernt werden und als Zeichen einer Orca-Kultur gelten.

Neu ist, dass Pottwale ebenfalls Kultur besitzen. Die Forscher Luke Rendall und Hal Whitehead fanden heraus, dass diese größten Zahnwale soziale Großverbände mit mehreren Tausend Mitgliedern bilden, die sich durch einen gemeinsamen Dialekt von fremden Verbänden oder Clans abgrenzen. 

Rendall und Whitehead verglichen Aufnahmen von Klicklauten verschiedener Pottwalgruppen, die über 15 Jahre lang im Südpazifik zwischen den Galapagosinseln und Chile aufgenommen wurden. Die Laute stammten von Pottwal-Weibchen, die mit ihren Jungen Familienverbände von maximal 20 Tieren bilden und sich untereinander mit charakteristischen Klicklauten verständigen.

Bei der Auswertung der rund 13.000 Tonaufnahmen konnten die Forscher drei Clans unterscheiden, die jeweils in einem eigenen Dialekt sprechen. Dieser gemeinsame Dialekt greift weit über die kleinen Familienstrukturen hinaus, obwohl diese sich meist nur über kurze Zeiträume von zehn bis elf Tagen zu größeren Einheiten zusammenschließen. Wenn dies geschieht, treffen sich in der Regel aber Familien, die zu ein und demselben Clan gehören. Für Luke Rendall und Hal Whitehead bilden die Dialekte eine kulturelle Clan-Identität. Eine genetische Fixierung ist ausgeschlossen, da Clan- und sogar manche Familienmitglieder nicht miteinander verwandt sind.

Was die Klicklaute bedeuten und welche Funktion die Dialekte haben, blieb den Forschern bislang verborgen. Sie vermuten, dass sich Clanangehörige mittels ihres Dialekts innerhalb der sehr mobilen Pottwalgesellschaft erkennen und zum Beispiel bei Attacken von Fressfeinden andere zum Clan gehörende Gruppen um Hilfe rufen können.

Sollte den Forschern jetzt noch der Nachweis gelingen, dass die Dialekte als soziale Schranke wirken, also jeweils nur Angehörige eines Clans auf die Klicks reagieren, dann wären die Pottwal-Clans nach den Menschen die größte bekannte sozial kooperative Gemeinschaft der Welt.
U.Karlowski

Pinchy braucht Hilfe

Fluke von Pinchy vor einem Tauchgang

Pinchy (Länge 9,7 m) ist die Mutter des mittlerweile fast erwachsenen Pottwalbullen "Scar", der die Gewässer vor Dominika verlassen hat. Im Oktober 2006 bekam "Pinchy" ihr zweites Baby, das Männchen "Scrape".

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Indopazifischer Großer Tümmler. Foto: DWA / Angela Ziltener

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