Oberer Bildteil: der Körper des toten Delfins, die Harpune steckt hinter dem Kopf im Rücken auf Höhe der Brustflipper / Unterer Bildteil: die mit Widerhaken versehenen Harpunenspitze."Nur ein toter Delfin ist ein guter Delfin".... Zwar heißt der Große Tümmler auf Kroatisch der "Gute Delfin" (dobri dupin), doch seit eh und je betrachten die meisten Fischer, wie fast überall auf der Welt, Delfine als Nahrungskonkurrenten.

So müssen die Meeressäuger häufig auch für den Rückgang der Fischbestände als Sündenböcke herhalten. Noch bis in die 1960er-Jahre vergab der damalige jugoslawische Staat "Kopfprämien" für jeden toten Delfin, weil sie die Fischernetze zerstörten und die Fangbeute der Fischer "klauten".

Zynisch gesehen hatte diese Strategie Erfolg: Die Delfinbestände brachen zusammen, von den einst drei mehr oder weniger residenten Arten hat nur der Große Tümmler in der Adria überlebt. Seine derzeitige Population wird auf etwa 220 Tiere geschätzt. Neben der direkten Bejagung von damals sind Meeresverschmutzung und Überfischung schuld am Arten- und Bestandsschwund in der Adria.

Ihr sagenhafter Fischreichtum gehört längst der Vergangenheit an. Sardinen, die einst wichtigste Beute im kroatischen Fischfang, sind ebenso selten geworden wie Schwertfische. Besonders schlimm sieht es beim Roten Thunfisch aus. Von den riesigen Schwärmen, die früher zum Laichen in die Buchten kamen und die bereits von Land aus zu erspähen waren, können die Fischer heute nur noch träumen.

Immer wieder stoßen unsere kroatischen Projektpartner auf Kadaver von Delfinen, die durch Menschenhand starben.
Delfin-Schädel linker Bildteil, rechts liegen drei Schrotkugel, die im Kopf des Tieres steckten.Erst im Sommer 2008 fand man einen toten Großen Tümmler mit drei Schrotkugeln im Hirn. Er trieb, bereits stark aufgebläht, im Meer vor Makarska in Mitteldalmatien.

Es handelte sich um ein etwa 3 Meter langes und 200 Kilogramm schweres Weibchen. Unsere Projektpartner – auf Meeressäuger spezialisierte Tierärzte unter Leitung von Prof. Hrvoje Gomercic von der Universität Zagreb – wurden direkt von der Polizei benachrichtigt und konnten das Tier für weitere Laboruntersuchungen in die kroatische Hauptstadt transportieren.

Delfine und andere Meeressäuger sind in Kroatien seit 1995 gesetzlich geschützt. Das Töten und Belästigen steht unter Strafe, doch leider werden die Täter nur selten gefasst. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Delfin durch Gewehrkugeln starb. 2004 fand man ein erschossenes Tier vor der Insel Korcula, einige Jahre zuvor eines vor der Küstenstadt Novigrad. Ein weiterer, im Mai 2008 bei der Insel Hvar geborgener Delfin kam wahrscheinlich durch eine Harpune ums Leben.

Silberstreif am Horizont
Dennoch wächst die Anzahl der positiven Beispiele, die von einem größeren Bewusstsein für die Naturschätze vor der eigenen Haustür zeugen. Naturschutzverstöße werden inzwischen streng geahndet. Eine Geldbuße von umgerechnet etwa 1000 Euro oder wahlweise 24 Tage Gefängnis wurde beispielsweise gegen eine Person wegen Belästigung streng geschützter Arten verhängt.

Der Mann war vor Pula in Istrien mit seinem Schnellboot in eine 30-köpfige Delfinschule gerast und führte mitten unter den Tieren halsbrecherische Manöver vor dem sich ansammelnden Publikum an der Küste vor. Ein unter den Zuschauern weilender Polizist zeigte den Vorfall bei der Naturschutzbehörde in Rijeka an.
Ulrike Kirsch

Funde von Meersessäugerkadavern 2008
gelb: Großer Tümmler [17], blau: Streifendelfin [2], grün: Cuvier-Schnabelwal [1], rot: Mittelmeer Mönchsrobbe? [1]

Karte der Küste Kroatien mit Markierungen der Funde von Meersessäugerkadavern aufgeteilt nach unterschiedlichen Arten aus 2008.