Drei im Bau befindliche Ölplattformen stehen vor der Küste von SchottlandDie Regierung Kroatiens scheint es darauf angelegt zu haben, nicht nur die letzten Großen Tümmler, die in den Territorialgewässern des Landes überlebt haben, sondern gleich alle Wale und Delfine in der gesamten Adria auszurotten.

Nicht anders ist es zu erklären, dass die norwegische Firma “Spectrum” in der Adria seismische Tests durchführen darf, um dort Öl- und Gasvorkommen aufzuspüren.

Anfang September begann "Spectrum" seismische Untersuchungen in der ausschließlichen Wirtschaftszone Kroatiens. Die GRD kritisiert das auf recht fragwürdige Art vom kroatischen Wirtschaftsministerium ohne weitere Ausschreibung durchgewunkene Vorhaben, auf’s Schärfste - da hat wohl wieder „eine Hand die andere gewaschen“.

Grafik, Einsatz von Druckluftpulsern, ein Schiff zieht fächerförmig die Druckluftkanonen sowie weiter dahinter die Sonargeräte hinter sich herEin Höllenlärm bricht los
Bei seismischen Untersuchungen zur Erdgas- und Erdöllagerstättensuche auf hoher See werden mit Druckluftpulsern oder Luftkanonen (airguns) in schneller Abfolge ca. alle 5 – 10 Sec., gerichtete explosionsartige Knalle mit Schalldrücken von bis zu 265 dB erzeugt.

Die Druckluftimpulse dringen über den Wasserkörper tief in die Erdkruste ein. Aus dem reflektierten Schall hoffen Geophysiker ablesen zu können, wo sich Erdgas- und Erdöllagerstätten befinden.

Fast so laut wie eine Atombombe
Doch ein beträchtlicher Teil der Schallenergie strahlt in einem breiten Frequenzspektrum in alle Richtungen in bis zu 4.000 km Entfernung aus. Der infernalische Lärm seismischer Explorationen steht mit seiner Stärke und der ungeheuren Vielzahl der erzeugten Schallimpulse nach Nukleartests und sonstigen Explosionen an dritter Stelle entsprechender schädlicher menschlicher Aktivitäten für die Meeresumwelt.

Nicht nur alle Meeressäuger in der Adria, also Wale, Delfine und die hochgradig vom Aussterben bedrohten Mönchsrobben, sind unmittelbar von dem infernalischen Lärm gefährdet, auch für Fische und Seevögel stellen seismischen Tests eine tödliche Gefahr dar. Schalldrücke von über 260 dB können bei Walen und Delfinen schwere Gehörschäden bis zur Taubheit hervorrufen, in unmittelbarer Nähe wirken sie tödlich.

Laut Spectrum sollen die Explorationen sowohl im nördlichen als auch im südlichen Teil der an die italienische Adria grenzenden Offshoregewässer der kroatischen Adria durchgeführt werden, also überall.

Das Forschungsschiff "Northern Explorer" lief Anfang September, mehr oder weniger heimlich, aus Zadar aus. Die gesammelten Daten sollen bis zum kommenden Frühjahr zum Kauf angeboten werden. 2015 will die kroatische Regierung dann die erste Förderlizenz erteilen.

Gibt es Umweltauflagen oder nicht?
Weder unsere kroatische Partnerorganisation VAL, noch andere kroatische Umweltschutzorganisationen waren in den Vergabeprozess eingebunden. Ob Umweltauflagen bei der seismischen Exploration gemacht wurden und wenn ja, wie und ob diese überwacht werden, ist derzeit unklar. VAL versucht beim kroatischen Umweltministerium genauere Informationen zu erhalten.
Ulrich Karlowski, 23.09.2013