Kopfansicht eines toten Streifendelfins mit sehr schöner Schwarzweiß-ZeichnungBereits vor einem Jahr kam es zu Protesten, als bekannt wurde, dass der Auftrag für die seismische Erkundung ohne öffentliche Ausschreibung an die norwegische Firma Spectrum vergeben wurde.

Tote Delfine
Von Ende 2013 bis Anfang 2014 ließ die kroatische Regierung seismische Untersuchungen zu möglichen Öl- und Gasvorkommen in der Adria durchführen. Während und nach Abschluss der seismischen Erkundungen des norwegischen Unternehmens Spectrum kam es laut kroatischen und italienischen Medienberichten zu Strandungen von toten Delfinen an beiden Seiten der Adria.

Ein Zusammenhang zwischen den seismischen Aktivitäten und dem Tod der Delfine konnte von Wissenschaftlern allerdings weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.

Bei der Erdgassuche feuern Druckluftpulser von Schiffen aus alle sieben Sekunden einen lauten, explosionsartigen Knall ab, der über den Wasserkörper tief in die Erdkruste eindringt. Aus dem reflektierten Schall hoffen Geophysiker ablesen zu können, wo sich Erdgas- oder Erdöllagerstätten befinden.

Schalldrücke von Airguns sind zwar viel kürzer als z.B. typischer Schiffslärm, dafür aber auch bis zu 1.000-mal lauter
Die Lautstärke von teils über 260 dB kann bei Walen und Delfinen schwere Gehörschäden bis zur Taubheit hervorrufen, in unmittelbarer Nähe wirkt der Schall tödlich. Verletzungen bestehen z. B. in Blutungen im Ohr und in der Degeneration der feinen Innenohrstrukturen.

Schädigungen sind nur schwer feststellbar
Die Untersuchung derartiger Schädigungen ist komplex und schwierig, wie unsere Projektpartnerin und Tierärztin von der Uni Zagreb Dr. Martina Đuras erläutert: "Diese Schäden können nur an sehr frischen (24 - 48 Stunden alten) Kadavern festgestellt werden, die wir selten auffinden. Später sind die Blutungen und die Innenohrstrukturen so verwest, dass man sie nicht mehr erkennen kann."

Hinzu kommen indirekte und Folgeschäden seismischer Untersuchungen, wie etwa die Vertreibung aus den Nahrungsgründen und mögliche Orientierungsstörungen, die mitunter durch direkte Beobachtung vor Ort festgestellt werden können.
Ulrike Kirsch, November 2014

Weiterführende Informationen:

⇒ Airguns schädigen Meeressäuger über extrem weite Distanzen

⇒ UBA-Themensite Airguns