Ein tiefgefrorener Körper eines Thunfisches wird auf einem Fischmarkt in Japan begutachtet.Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO (United Nations Food and Agricultural Organization) waren die Bestände aller Blauflossenthunfischarten bereits 2005 massiv überfischt und in allen Lebensräumen stark dezimiert. In einigen Gebieten gelten sie als vom Aussterben bedroht.

Blauflossenthunfische schwimmen in Schwarmverbänden und sind oft mit anderen Thunfischarten (Albacore, Gelbflossen- und Großaugenthune, Skipjack usw.) vergesellschaftet. Sie werden fast ausschließlich für den japanischen Markt gefangen, hauptsächlich als Frischfisch (z.B. Sushi, Sashimi). Mehr als drei Viertel der weltweit gefangenen Blauflossenthunfische, rund 60.000 Tonnen im Jahr, landen auf dem japanischen Markt - aus welchen Quellen das heiß begehrte Fleisch stammt, spielt keine Rolle.

Japanische Fischer umgehen sogar ihre landeseigenen Bestimmungen. Sie bringen jedes Jahr Tausende Tonnen illegal gefangene Thune an Land und fälschen die Papiere und Logbücher. Als Fangmethoden kommen Langleinen, Angeln und Schleppangeln zum Einsatz. Im Januar 2013 wurde auf dem Tsukiji-Fischmarkt in Tokio ein Blauflossenthun zum Rekordpreis von umgerechnet etwa 1,3 Millionen Euro ersteigert. Ein Kilogramm von diesem einen Thunfisch kostet über 6000 Euro. Der Anteil am gesamten Thunfischfang soll bei etwa 1,25 % liegen.

Roter Thun (Thunnus thynnus)

Der Rote Thunfisch oder Atlantische Blauflossenthunfisch ist mit über 4,5 m bis 5 m Länge ein räuberischer Gigant, der bis zu 700 kg und mehr auf die Waage bringen kann. Wegen seiner ungewöhnlich schnellen Reisegeschwindigkeit von bis zu 70 km/h und Spitzengeschwindigkeiten von 80 km/h wird er auch als "Ferrari" unter den Fischen bezeichnet. Eine Atlantikdurchquerung kann ein Roter Thun in nur 40 Tagen schaffen.

Rote Thunfische jagen, wie Wölfe, im Verband. Sie kesseln die Beute ein, indem sie sich ihr rasend schnell im Halbkreis nähern und sie dann umschließen. Obwohl ihr Stoffwechsel an die Hochgeschwindigkeitsjagd angepasst ist, fressen Thunfische je nach den Umständen alles, was sie an Tieren finden, bald flinke Makrelen, bald am Grund lebende Flundern, ja sogar Schwämme. Bradford Chase von der Massachusetts Division of Marine Fisheries fand in den Mägen von Thunfischen aus dem Meer bei New England an erster Stelle Heringe, aber auch vielerlei andere größere und kleine Fische, von Haien bis zu Seepferdchen, von Rochen bis zu Plattfischen sowie die verschiedensten Tintenfische, Krebse und anderes. Kurz: Thunfische nehmen, was sie erwischen, und sie erwischen fast alles, was da im Wasser oder am Boden schwimmt oder treibt, krabbelt oder haftet. Dafür benutzen sie hauptsächlich ihren Gesichtssinn.

Die Weibchen sollen pro Laichsaison im Schnitt 500.000 Eier, alte und große Thunfischweibchen sogar bis zu zehn Millionen Eier, produzieren können, die kurz unter der Wasseroberfläche treiben. Die Larven schlüpfen nach nur drei Tagen mit einer Größe von drei Millimetern. Sie wachsen einen Millimeter am Tag. Nach einem Monat sind die kleinen Thunfische bereits etwa 3,5 Zentimeter groß.

Lebensräume sind der Westatlantik (Kanada, Golf von Mexiko, Karibik bis nach Venezuela and Brasilien), der Ostatlantik (Lofoten, Norwegen bis zu den Kanarischen Inseln), das Mittelmeer und das südliche Schwarze Meer, es gibt Berichte über Sichtungen vor Mauretanien. Eine südliche Population lebt vor der Küste von Südafrika. Es gibt zwei feste Laichplätze - im Golf von Mexiko und im Mittelmeer. Westatlantische Blauflossenthune treffen sich zwischen April und Juni vor Mexiko, die ostatlantischen zwischen Juni und August im Mittelmeer. Auf dem Weg zu den Laichgebieten legen sie mehr als 5800 Kilometer zurück und durchqueren dabei den gesamten Atlantik. Bei ihren Wanderungen bleiben die Tiere die meiste Zeit dicht an der Oberfläche, wo die Wassertemperatur mit 12 bis 16 Grad relativ warm ist.

Die Körper von mehreren Roten Thunen liegen aufgereiht zur Begutachtung auf einem Fischmarkt in Tokio.Die Bestände des West- und Ostatlantiks vermischen sich bei der Nahrungssuche, zur Fortpflanzung gehen die Tiere dann getrennte Wege, um in ihre Laichgebiete zurückzukehren. Ihre Lebenserwartung soll bis zu 30 Jahren reichen, dürfte heute aber wegen massiver Überfischung kaum noch erreicht werden. Meist werden die Fische bei einer Länge von 2 m gefangen.

Nicht immer galt der Rote Thun als Delikatesse. Vor 100 Jahren wurde sein streng schmeckendes Fleisch höchstens Hunden oder Katzen zugemutet. Zu einem Speisefisch - und einer begehrten Delikatesse - wurde der Rote Thun erst in den vergangenen 50 Jahren, denn nun gewannen die pikanten Sushis zunächst in Japan und später weltweit Liebhaber. Heute steht er auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der IUCN (Weltnaturschutzorganisation) mit dem Status: "Data Deficient" (nicht genügend Daten vorhanden, um den Bedrohungsgrad genau einzuordnen). Die Ostatlantische Population des Roten Thun wird auf der Roten Liste allerdings mit dem Status "Endangered" (hohes Risiko des Aussterbens in der nahen Zukunft) geführt, die Westatlantische Population steht auf der Roten Liste sogar mit dem Status: "Critically Endangered" (extrem hohes Risiko des baldigen Aussterbens).

Einen Fangstopp im Mittelmeer während der für den Erhalt der Art so wichtigen Fortpflanzungszeit, wie er von vielen Experten gefordert wird, lehnt die zuständige Fischerei-Kommission zum Schutz des Atlantischen Tunfischs (ICCAT) weiter ab. Kritiker bezeichnen die ICCAT auf Grund ihres eklatanten Versagens beim Erhalt des Roten Thun mittlerweile als "International Conspiracy to Catch All Tuna".

So blieben auch alle Maßnahmen der EU zum Bestandserhalt des Roten Thun bislang wirkungslos. Trotz Senkung der Fangquoten und Bereitstellung von Mitteln zur Verkleinerung der Ringwadenflotten haben die Mitgliedsstaaten, im Gegenteil, aufgerüstet – von 92 Schiffen im Jahr 2007 auf 134 im Jahr 2008! Unmittelbar nach dem frühzeitig verhängten Fangstopp im Juni 2008 entdeckten Umweltorganisationen italienische Ringwadenfänger sowie bereits Anfang Juni mit den Fischern kooperierende Suchflugzeuge zum Aufspüren der Thunfischschwärme, deren Einsatz absolut illegal ist.

Im April 2009 zeigte eine Analyse der Populationsbestände und der vorhandenen Zahl an fortpflanzungsfähigen Tieren, dass der Rote Thun, wenn sich der Befischungsgrad nicht ändert, bis zum Jahr 2012 ausgerottet sein wird. Um diese fatale Entwicklung aufzuhalten, verabschiedete das EU-Parlament im Mai 2012 strengere Regeln zum Schutz des Roten Thuns und setzte damit einen Beschluss der ICCAT vom November 2010 in EU-Recht um.

Südlicher Blauflossenthunfisch (Thunnus maccoyii)

Eine etwas kleinere Art, die bis zu 2 Meter lang und 400 Kilogramm schwer werden kann. Sie lebt in den gemäßigten und kalten Gewässern des Südatlantik, -pazifik und südlichen Indischen Ozeans. Zur Vermehrung wandern die großen, geschlechtsreifen Tiere in tropische Gewässer.

Es handelt sich um die am stärksten überfischte Thunfischart überhaupt. Südliche Blauflossenthunfische stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der IUCN (Weltnaturschutzorganisation) mit dem Status: "Critically Endangered" (extrem hohes Risiko des baldigen Aussterbens).

Nordpazifischer Blauflossenthunfisch (Thunnus orientalis)

Der Nordpazifische Blauflossenthunfisch wird bis zu 3 Meter lang und 450 Kilogramm schwer. Er kommt im Nordpazifik (Golf von Alaska bis nach Südkalifornien und die Baja California, von der Insel Sachalin bis ins südliche Ochotskische Meer und den Norden der Philippinen) vor. Es gibt auch Berichte über Sichtungen dieser Art in der südlichen Hemisphäre (vor West-Australien und im Südostpazifik). Er lebt meist im offenen Meer, zwischen Juni und September wandern die Schwärme jedoch, manchmal mit anderen Thunfischarten vergesellschaftet, in küstennahe Gewässer der Baja California, Mexikos und Kaliforniens.
Ulrich Karlowski

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