Delfine und Thunfische gefangen im Ringwadennetz, das sich vor ihnen wie eine Mauer im Meer in den Weg stellt. Die Tiere versuchen senkrecht nach oben entlang des Netzes schwimmend zu entkommenDelfin-Bestände erholen sich nicht: Im Tropischen Ostpazifik (ETP / Eatsern tropical Pacific) sind Thunfischschwärme oft mit Delfinschulen vergesellschaftet (die Delfine schwimmen an der Wasseroberfläche, der Thunfischschwarm bis zu 150 m darunter). Ein bis heute rätselhaftes und nur in dieser Meeresregion zu beobachtendes biologisches Phänomen, das die Fischer ausnutzen, indem sie gezielt Delfinschulen jagen und einkreisen. Nach Informationen des Earth Island Institute (EII) soll dabei sogar Dynamit zum Einsatz kommen!

Die Fangflotten treiben die Delfine mit Schnellbooten zusammen und fangen sie in den Netzen, die für das eigentliche Fangziel – den Thunfisch – bestimmt sind. Vor dem Einholen des Netzes wird es an der Oberfläche abgesenkt, damit die Delfine entkommen können.

"Um die Delfine einkreisen zu können, müssen die Tiere aber zuvor praktisch bis zur Erschöpfung gejagt werden. Bei dieser Hetzjagd können Delfinmütter den Kontakt zu ihrem Nachwuchs verlieren", sagt Carl Safina vom Blue Ocean Institute.

Wissenschaftler der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und des Blue Ocean Institute konnten laut einer Studie aus dem Jahr 2007 säugende Mütter, aber keine Delfinbabys in den Netzen der Fischer beobachten. "Werden noch von der Muttermilch abhängige Delfinbabys von ihrer Mutter getrennt, haben sie kaum Überlebenschancen", erklärt die GRD.

Zudem wirkt sich die Jagd und der damit verbundene Stress negativ auf die Gesundheit und Fortpflanzungsfähigkeit der Meeressäuger aus.

Unzählige Delfinschulen werden bis zu dreimal am Tag von den Netzen der Thunfischfänger eingekesselt
Dreiteilige Grafik des Einsatzes von Ringwadennetzen: das Netz wird ausgebracht, umkreisen einer Delfinschule, Zuziehen des Netzes in der Tiefe, so dass eine gigantische runde Netztasche entsteht, die Bord des Fischkutters gezogen wirdDabei verletzen sich viele Tiere und sterben, nachdem sie lebend aus dem Netz befreit wurden. Bei einer Untersuchung von toten Delfinen wies das Herz bei allen Tieren furchenartige Narben auf, wie sie sich bei durch Stress verursachtem Muskelriss und nachfolgendem Zusammenwachsen bilden.

Beginnend in den späten 1950er-Jahren bis Anfang der 1990er-Jahre hatte die Thunfischindustrie allein im ETP durch das Umkreisen von Delfinschulen beim Thunfischfang nach Berechnungen des EII mehr als 7 Millionen Delfine getötet. Damals ließ man die Delfine einfach in den Netzen sterben.

Es war die größte Massenvernichtung von Meeressäugern in der Geschichte der Menschheit!
Der tödliche Delfinbeifang ging seither zwar drastisch zurück. Doch wider Erwarten haben sich die Bestände im Tropischen Ostpazifik, vor allen Dingen die der Nordöstlichen Fleckendelfine und der Östlichen Spinnerdelfine, nicht von den Massakern der Vergangenheit erholt. Hauptgrund dafür sind nach Ansicht der meisten Experten die unter dem IATTC-Label operierenden Fischereien aus Mexiko, Venezuela, Kolumbien und El Salvador, die nach wie vor beim Thunfischfang Delfine einkreisen.

Unter dem Label SAFE des Earth Island Institute (EII) ist dieses Einkesseln von Delfinen mit Ringwaden zum Fang von Thunfisch strikt verboten, auch wenn nach den Vorgaben des IATTC die Delfine wieder befreit werden müssen. "Man kann bei dieser Methode noch nicht einmal von unbeabsichtigtem Beifang sprechen, da ganz gezielt Delfine gequält werden, um Thunfisch zu fangen", erklärt die GRD. "Das hat nichts mit selektivem Fischfang zu tun, wie auf den Dosen behauptet wird.".

Wirklich delfinsicher ist nur der Thunfisch mit dem Logo SAFE des Earth Island Institute bzw. die Firmen und Marken, die auf unserer Verbraucherliste genannt werden. Wer sicher gehen will, dass an seinem Thunfisch kein Blut von Delfinen klebt, sollte sich an das Logo SAFE bzw. an die regelmäßig aktualisierte Verbraucher-Checkliste der GRD halten.
Ulrike Kirsch

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Logo SAFEDas Logo "SAFE" ist vom EII geschützt und wird ausschließlich an Firmen vergeben, die am Kontrollprogramm für "delfinsicheren" Thunfisch beteiligt sind. Allerdings ist das SAFE-Logo noch nicht auf allen anerkannten "delfinsicheren" Marken zu finden.

  • Dank SAFE gehört die Dosen-Thunfischindustrie heute zu den weltweit am besten überwachten Fischereien überhaupt.
  • Ohne SAFE wären die im tropischen Ostpazifik heimischen Schlank- und Spinnerdelfinpopulationen schon längst ausgerottet!