Ein Schweinswal schwimmt schnell durch hellgrünes Wasser mit deutlich erkennbarer Wellenbildung vor dem Kopf, nur das Blasloch und der vordere Teil des Rückens sind über Wasser, seine Schwanzfluke ist knapp unter der Wasseroberfläche gut zu erkennen.Der Schweinswal (Phocoena phocoena) gehört mit zu den kleinsten Walarten der Welt. Er ist in den gemäßigt-kalten und subarktischen Gewässern der Nordhemisphäre verbreitet und hält sich meist in den Küstengewässern nicht weiter als 10 km vom Festland entfernt auf.

Der sympathische Mini-Zahnwal kommt bei uns in Nord- und Ostsee vor und wird häufig von Seglern gesichtet. Für Deutschland gilt er als einzige residente Wal-Art, das heißt, nur Schweinswale leben ständig in deutschen Gewässern und gebären hier ihre Jungen.

Die kleinen Meeressäuger sind perfekt an ihr Leben im Meer angepasst, ihre Speckschicht schützt sie vor Auskühlung. Sie können bis zu etwa 220 Meter tief tauchen und über 6 Minuten die Luft anhalten. Sie sind schnelle Schwimmer, die mit ihrer Stromlinienform durchs Wasser gleiten und bei größerer Geschwindigkeit kurz mit dem ganzen Körper über der Oberfläche sind. Dabei können sie bis zu 20 km/h erreichen. Sie sind sehr wendig und kommen auch im flachen Wasser zurecht.

Schweinswale gelten als sehr scheu. Auch beim Atmen kommen sie nur kurz an die Wasseroberfläche, so dass man meist nur einen kurzen Blick auf die kleine dreieckige Rückenfinne erhaschen kann, bevor sie mit einer rollenden Bewegung nach vorne wieder abtauchen. Besser zu hören als zu sehen ist ihr scharfer, schnaubender Blas.

Mit ihrem Echo-Ortungssystem finden sie ihre Beute auch im trüben Wasser und können sich gut orientieren.

Nach etwa 10 Monaten Tragzeit gebären die Schweinswale (meist im Mai und Juni) ein Junges. In dieser Zeit und der darauf folgenden Zeit des Säugens halten sich die Schweinswalmütter mit ihren Kälbern in bestimmten, oft flachen oder ruhigen, Seegebieten auf. Westlich vor der Insel Sylt befindet sich eine dieser "Kinderstube" der Schweinswale, im flachen Wasser bringen sie hier ihre Jungen zur Welt. Es kommt immer wieder vor, dass die Schweinswalmütter ihre Neugeborenen in die "Obhut" eines Badenden geben, um kurz zur Nahrungssuche zu verschwinden. Das Gebiet wurde unter Schutz gestellt und ist derzeit das einzige Walschutzgebiet Deutschlands.

Schutzstatus:
Der Schweinswal und seine Lebensräume stehen unter dem Schutz des "Agreement on the Conservation of Small Cetaceans of the Baltic and North Seas" (ASCOBANS) und der EU-Habitat-Direktive (FFH-Richtlinie, Natura 2000). Verschiedene Aktivitäten des Menschen sind für die Schweinswale als ernste Bedrohungsfaktoren einzustufen. Die Hauptgefahr stellt die Fischerei dar. In (Grund-)Stell- und Treibnetzen (Ostsee) verfangen sich die kleinen Meeressäuger und ertrinken. Aber auch küstennahe Ressourcennutzung wie z.B. die Ölförderung oder der Bau von Offshore-Windkraftanlagen zerstören die Lebensräume der Kleinen Tümmler oder vertreiben sie temporär.

Denise Wenger
© Foto: Koschinski | FjordBaelt, DK; www.fjord-baelt.dk

Schweinswale brauchen Hilfe!

Schweinswal taucht ab. Foto: S.Koschinski

Schweinswale suchen Freunde!

Ein Schweinswal schaut neugierig aus dem Wasser. Foto: S.Koschinski | FjordBaelt, DK, fjord-baelt.dk

Erste Hilfe für Schweinswale

Offensichtlich unverletzte Tiere, die z.B. durch Wellenschwall an Land gespült wurden, bitte wieder zurück ins Wasser bringen!

Finden Sie einen schwer verletzten Schweinswal am Strand, lassen sie ihn am besten dort liegen, er hat sich vermutlich selbst ans Ufer gebracht, um weiter atmen zu können. Auf keinen Fall verletzte oder sehr schwache Tiere wieder zurück ins Wasser schubsen, denn sie müssen zum Atmen ja an die Wasseroberfläche, sind sie zu geschwächt, können sie das aus eigener Kraft nicht mehr tun.

Das Blasloch oben am Kopf sollte sich nicht unter Wasser befinden. Wenn Sie keine Scheu haben und es möglich ist, dann lagern sie das verletzte Tier im flachen Wasser sicher, sodass es atmen kann. Waschen Sie sich aber danach gründlich die Hände.

Rufen Sie am besten sofort uns:
 0176-222 08 271, die Polizei/Wasserschutzpolizei oder den Amtsveterinär an, damit man sich um das verletzte Tier kümmern kann. In den meisten Fällen sind die Verletzungen so groß, dass man nicht mehr viel tun kann, aber es konnten auch schon Schweinswale gerettet und gesund gepflegt werden.
Denise Wenger