Ein toter Schweinswal treibt auf der Seite liegend auf der Wasseroberfläche, der Körper ist zur Hälfte unter Wasser.Seit 2007 scheint sich eine Südverlagerung des Schweinswalbestandes in der Nordsee abzuzeichnen (SCANS-II) und auch an der deutschen Nordseeküste werden vermehrt Schweinswale gefunden.

Die genauen Gründe hierfür sind noch ungeklärt, könnten aber in Zusammenhang mit einem geänderten Vorkommen der Beute (Fischvorkommen) stehen. Überfischung (Beispiel Kabeljau) und Klimawandel stehen hier zur Diskussion für die Nordsee. Im Gegensatz dazu ist die verbesserte Wasserqualität der großen Flüsse (v.a. Weser) hervorzuheben.

Verstärkt werden auch tote Schweinswale an der Küste aufgefunden. Die Todesursachen sind dabei fast immer auf den Menschen zurückzuführen.

Im Fischernetz ertrunkener und von den Fischern verstümmelter Schweinswal auf Seziertisch (die Haut von Kopf bis Rückenfinne und die Flipper wurden abgetrennt).Von Dezember 08 bis Ende Februar 09 wurden über 100 verstümmelte Schweinswale an niederländischen Stränden angespült. Über 30 davon trugen eindeutig durch Messer verursachte Schnitte durch Haut und Speckschicht oder waren regelrecht zerstückelt, die Finnen abgeschnitten. Alles Zeichen dafür, dass diese Schweinswale Beifangopfer der Fischerei waren und versucht worden war, sie durch Aufschlitzen oder Zerschneiden möglichst schnell auf See zu entsorgen, um diese sinnlosen Tode geschützter Tiere zu vertuschen.

Doch die Westwinde spülten zumindest diese toten Tiere an Land. Die bange Frage bleibt, wie hoch ist die Dunkelziffer, wie viele Schweinswale waren es hier insgesamt, die eine grausamen uns sinnlosen Tod in den Netzen sterben mussten und heimlich entsorgt wurden.

Kollisionen mit Schiffen als Todesursache
Eine schnelle Motorjacht fährt dicht am Ufer der Weser.In den Flüssen sind wir auf andere "menschliche Einflüsse" gestoßen: Spuren an etlichen Schweinswal-Todfunden am Elbe-, Ems-, und Weserufer weisen darauf hin, dass Kollisionen mit Schnellbooten als Todesursache in Betracht kommen. Wiederholt meldeten Beobachter, dass Motorboote trotz Geschwindigkeitsbegrenzungen in Flachwasserbereichen mit völlig überhöhtem Tempo sogar in Nähe von Schweinswalen gesichtet wurden.

Eine weitere Todesursache vor allem für neugeborenen Kälber ist, dass beim Ausfahren sehr großer Schiffe (zum Beispiel Ems, Meyerwerft) eine enorme Wasserverdrängung und damit einhergehende Wellenerzeugung stattfindet, durch die die noch unbeholfen schwimmenden Jungtiere einfach an das Ufer bzw. den Strand geschwappt werden, wo sie langsam und qualvoll verenden, wenn sie nicht zeitnah gefunden und gerettet werden.

 

Geplante Schutzmaßnahmen des Projekts "Weser-Wale"

I.: Monitoring

a) Weser: Weitergehende Untersuchungen über das Vorkommen der Schweinswale in der Weser (und teilweise auch Elbe und Ems) und die Bedeutung (der großen Flüsse) hinsichtlich Nahrungsangebot und Fortpflanzung. Das von der GRD initiierte und durchgeführte Sichtungsmeldungsprogramm wird in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde Brake umgesetzt. Alle Daten werden dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gemeldet. Die Datenerhebung erfolgt über Sichtungsmeldungen und eigens installierte Hydrophone. Forderung und Einführung geeigneter Schutzmaßnahmen im Rahmen der FFH-Richtlinie in Zusammenarbeit mit den Unteren Naturschutzbehörden.

b) Datenerhebung über Vorkommen und Strandungen von Schweinswalen an der deutschen Nordseeküste in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer mittels Sichtungs- und Fundmeldungen

II. Recherchen

Recherche über Beifangraten von Schweinswalen durch die Haupt- und Nebenerwerbs-Fischerei an der deutschen Nordseeküste; Recherche zu Vorkommen und (Über)nutzung der (Speise-/Ziel-)fischarten.

III. Lobbyarbeit

Lobbyarbeit zum Schutz der Schweinswale z.B. bei bevorstehenden Baggerarbeiten zur Weser-Fahrrinnenvertiefung oder auch beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen (Forderung von Schutzmaßnahmen, z.B. schallmindernde Blasenvorhänge). Die hier zuständigen lokalen Behörden bzw. das Bundesministerium für Umweltschutz werden informiert und Schutzmaßnahmen gefordert.

IV. Öffentlichkeitsarbeit

Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit: Förderung der Sympathie für die kleinen Meeressäuger; Hervorheben ihrer Bedeutung als besondere Attraktion, denn die kleinen Meeressäuger können von Fähren oder Deichen und sogar dem Weserufer aus gesehen werden. Durch die Förderung der Bekanntheit und Beliebtheit dieser Kleinwalart bei der lokalen Bevölkerung können Schutzmaßnahmen durchgesetzt und Problembereiche wie Lebensraumzerstörung und Beifang publik gemacht werden.
Denise Wenger

Schweinswale brauchen Hilfe!

Schweinswal taucht ab. Foto: S.Koschinski

Schweinswale suchen Freunde!

Ein Schweinswal schaut neugierig aus dem Wasser. Foto: S.Koschinski | FjordBaelt, DK, fjord-baelt.dk

Erste Hilfe für Schweinswale

Offensichtlich unverletzte Tiere, die z.B. durch Wellenschwall an Land gespült wurden, bitte wieder zurück ins Wasser bringen!

Finden Sie einen schwer verletzten Schweinswal am Strand, lassen sie ihn am besten dort liegen, er hat sich vermutlich selbst ans Ufer gebracht, um weiter atmen zu können. Auf keinen Fall verletzte oder sehr schwache Tiere wieder zurück ins Wasser schubsen, denn sie müssen zum Atmen ja an die Wasseroberfläche, sind sie zu geschwächt, können sie das aus eigener Kraft nicht mehr tun.

Das Blasloch oben am Kopf sollte sich nicht unter Wasser befinden. Wenn Sie keine Scheu haben und es möglich ist, dann lagern sie das verletzte Tier im flachen Wasser sicher, sodass es atmen kann. Waschen Sie sich aber danach gründlich die Hände.

Rufen Sie am besten sofort uns:
 0176-222 08 271, die Polizei/Wasserschutzpolizei oder den Amtsveterinär an, damit man sich um das verletzte Tier kümmern kann. In den meisten Fällen sind die Verletzungen so groß, dass man nicht mehr viel tun kann, aber es konnten auch schon Schweinswale gerettet und gesund gepflegt werden.
Denise Wenger