Schweinswal taucht zum Atmen auf.Vor etwa 100 Jahren, zu einer Zeit als noch Jagd auf die Kleinen Tümmler gemacht wurde und durch die Industrialisierung und Bevölkerungsexplosion eine starke Verschmutzung der Flüsse (Eutrophierung, Schwermetalle, Insektizide) vorlag, verschwanden die Schweinswale aus den großen Flüssen.

Seit 2007 konnte die GRD bestätigen, dass Schweinswale wieder regelmäßig in den großen norddeutschen Flüssen Weser, Elbe und Ems vorkommen.

Fall Weser - Wasserqualität:
Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Weser ein sehr fischreicher Fluss. Mit der zunehmenden Industrialisierung und dem Bevölkerungswachstum verschlechterte sich die Wasserqualität zunehmend. Vor allem der erweiterte Kali-Abbau an Werra und Fulda führte zu einer starken Versalzung des Flusses.

Bis Ende der 1980er Jahre galt für die Weser Gewässergüteklasse III-IV (sehr stark verschmutzt) und streckenweise sogar IV (übermäßig verschmutzt). Durch den Bau von Kläranlagen sowie Verfahrensverbesserungen der Industrie und Reduzierung des Kaliabbaus wurde die Wasserqualität zunehmend besser und entspricht heute der Güteklasse II (mäßig belastet). Im Jahr 2001 wurde im Rahmen einer Untersuchung zum Bau einer Fischtreppe ermittelt, dass bereits wieder 28 Fischarten, darunter die bekannten Wanderfische Aal und Lachs, die Weser und ihre Nebenflüsse besiedeln und bewandern.

Übersichtskarte der Schweinswalsichtungen in der Weser von 2007 bis 2010.Dieser erneute Fischreichtum, der sich bis in die Gegenwart noch zu verbessern scheint, könnte die Ursache für die Wanderung der Schweinswale in die Weser sein, die vermutlich wandernden Fischschwärmen folgen. Anhand der Aufzeichnungen für eine geschützten Fischart, die Finte, die ebenfalls aus der Nordsee zum Ablaichen in die Weser wandert und deren Vorkommen und zeitlich-räumliche Verteilung erfasst wird, konnte eine räumlich-zeitlich deckungsgleiche Übereinstimmung des Vorkommens der adulten ablaichenden Fische mit dem Vorkommen von Schweinswalen entdeckt werden. Doch ob dies in einem Zusammenhang steht und welche Bedeutung andere Fischarten für die "Weser-Wale" haben, muss erst im Zuge weiterer Datenerhebungen ermittelt werden.

Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie
Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie von 1992 verpflichtet die Bundesländer. Gebietsvorschläge zum Schutz bestimmter Lebensraumtypen sowie Habitate von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten nach Brüssel zu melden. Ausgewählte Gebiete sollen zusammen das europaweite Schutzgebietssystem Natura 2000 bilden. In dieses Projekt sind bereits einige Gebiete an der Weser (meist aus Vogelschutzgründen) eingebunden, zum Beispiel die Strohauser Plate. Bei dieser Weserinsel sind auch wiederholt Schweinswale gesichtet worden.

Schutzmaßnahmen
Da der GRD der Nachweis gelungen ist, dass die Kleinen Tümmler jährlich in die Weser bis nach Bremen schwimmen, müssen sie nun, da sie als FFH-Art gelistet sind, bei Umweltgutachten berücksichtigt werden. Für Elbe und Ems müssen weitere Daten abgeklärt werden.

Mit der seit 2007 laufenden Datenerhebung von Schweinswalsichtungen in der Weser konnten wir erste Erkenntnisse zur Habitatnutzung und zu möglichen Todesursachen gestrandeter Schweinswale gewinnen. Nun muss mehr über die gebietsweise Bedeutung der Küstengewässer und der großen Flüsse für die Kleinen Tümmler in Erfahrung gebracht werden, um adäquate Schutzmaßnahmen durchsetzen zu können.
Denise Wenger
© Foto: Koschinski | FjordBaelt, DK; www.fjord-baelt.dk

⇒ Poster zur ECS-Tagung 2010 in Stralsund "The Return of Phocoena phocoena to North Germany’s Rivers - A case study from the Weser River (2007 - 2009)" PDF

Schweinswale brauchen Hilfe!

Schweinswal taucht ab. Foto: S.Koschinski

Schweinswale suchen Freunde!

Ein Schweinswal schaut neugierig aus dem Wasser. Foto: S.Koschinski | FjordBaelt, DK, fjord-baelt.dk

Erste Hilfe für Schweinswale

Offensichtlich unverletzte Tiere, die z.B. durch Wellenschwall an Land gespült wurden, bitte wieder zurück ins Wasser bringen!

Finden Sie einen schwer verletzten Schweinswal am Strand, lassen sie ihn am besten dort liegen, er hat sich vermutlich selbst ans Ufer gebracht, um weiter atmen zu können. Auf keinen Fall verletzte oder sehr schwache Tiere wieder zurück ins Wasser schubsen, denn sie müssen zum Atmen ja an die Wasseroberfläche, sind sie zu geschwächt, können sie das aus eigener Kraft nicht mehr tun.

Das Blasloch oben am Kopf sollte sich nicht unter Wasser befinden. Wenn Sie keine Scheu haben und es möglich ist, dann lagern sie das verletzte Tier im flachen Wasser sicher, sodass es atmen kann. Waschen Sie sich aber danach gründlich die Hände.

Rufen Sie am besten sofort uns:
 0176-222 08 271, die Polizei/Wasserschutzpolizei oder den Amtsveterinär an, damit man sich um das verletzte Tier kümmern kann. In den meisten Fällen sind die Verletzungen so groß, dass man nicht mehr viel tun kann, aber es konnten auch schon Schweinswale gerettet und gesund gepflegt werden.
Denise Wenger