Eine Dreizehenmöve mit einem langten gebogenen Grashalm im MaulDieses Problem für die Schweinswale hatte keiner erwartet. Und es zeigt, wie komplex die Zusammenhänge des marinen Lebens sind: Eine Gruppe britischer Wissenschaftler hat herausgefunden, dass wegen der Klimaerwärmung die Zahl der Sandaale an den schottischen Küsten drastisch zurückgeht. Und dass deswegen in dieser Region die Schweinswale verhungern.

Der Meeresbiologe Colin D. McLeod aus St. Andrews in Schottland ist sehr besorgt. In den letzten Jahren werden vermehrt verhungerte Schweinswale an den schottischen Küsten angespült. 2002 und 2003 zeigten bereits ein Drittel der Todfunde aus dem Frühjahr deutliche Zeichen von Unterernährung.

Im Vergleichszeitraum 1993 bis 2001 waren es lediglich 5%. Es folgte eine langjährige Detektivarbeit, um den Gründen dafür auf die Spur zu kommen.

McLeod ist überzeugt, dass die Schweinswale der Klimaerwärmung und Überfischung zum Opfer fallen. In der schottischen Nordsee sind Schweinswale besonders im Frühjahr auf die fettreichen Sandaale als Nahrung angewiesen. Die kleinen Wale haben nur begrenzte Energiespeicher und müssen gerade im Frühjahr, wenn das Wasser der Nordsee noch sehr kalt ist und vor der Geburt ihrer Jungen qualitativ hochwertige Nahrung zu sich nehmen.

Durch die Erwärmung der Nordsee um durchschnittlich 1,4 Grad in den letzten 40 Jahren wandern Fischarten wie der Kabeljau und Sandaal aus der Nordsee ab. Einwanderer aus dem Süden wie die Große Schlangennadel kann das Fehlen von Beute für Kleinwale und Seevögel nicht kompensieren, erklärt McLeod in seinem in der Fachzeitschrift "biology letters" im Januar veröffentlichten Bericht. Die Forscher der Universität von Aberdeen und des Scottish Agricultural College sind erstaunt darüber, dass die Schweinswale so unflexibel auf die Knappheit ihrer gewohnten Beute reagieren und nicht auf andere Fischarten umsteigen.

Ein Fischbagger füllt Sandaale in einen roten Container.Die GSM-Vorsitzende und Meeresbiologin Petra Deimer sagt dazu, dass neben der Klimaveränderung selbstverständlich noch ein ganz anderes, gravierendes Problem hinzukommt, der übermäßige Fischfang: "Die Industrie- oder Gammelfischerei, z.B. für die Produktion von Fischmehl, ist an einer solchen Nahrungs-Kettenreaktion schuld. Es ist ein Skandal, dass die moderne Fischerei noch immer nicht als eklatanter Eingriff in das sensible Ökosystem Meer verstanden wird - mit dramatischen Folgen, wie man sieht".

Zusätzlich zum Klimawandel hat die Industriefischerei die Situation für die Kleinwale in der nördlichen Nordsee noch verschärft. 1997 wurden noch 1,1 Million Tonnen Sandaale in der Nordsee gefischt. 2006 waren es nur noch 266.000 t (trotz einer Empfehlung von Fischereiforschern, die Fischerei ganz zu schließen). Aus ihnen macht man das Futter für in Fischfarmen gemästete Arten wie Lachs, Wolfsbarsch oder Thunfisch.

Ähnlich wie diese Meeressäuger sind auch Nordsee-Seevögel vom Rückgang der Sandaale betroffen. Zu diesem Ergebnis waren bereits im vergangenen Sommer Wissenschaftler der Bundesforschungsanstalt gekommen.

In einer vierwöchigen Forschungsreise an Bord der "Walther Herwig III" in die Nordsee hatten sie festgestellt, dass die Zahl der Großen Schlangennadel drastisch zugenommen hat, und dass Seevögel anstelle der selten gewordenen Sandaale nährstoffarme Schlangennadeln fangen. Dass sie diese Beute, die verwandt ist mit den Seepferdchen, aber nicht hinunterwürgen können.

Die Folge: Es wurden Seevögel-Nester mit verhungerten Küken darin entdeckt, deren Eltern versucht hatten, sie mit Schlangennadeln zu füttern.
Quellen: Walter Karpf (GSM) / GRD-Presse

Schweinswale brauchen Hilfe!

Schweinswal taucht ab. Foto: S.Koschinski

Schweinswale suchen Freunde!

Ein Schweinswal schaut neugierig aus dem Wasser. Foto: S.Koschinski | FjordBaelt, DK, fjord-baelt.dk

Erste Hilfe für Schweinswale

Offensichtlich unverletzte Tiere, die z.B. durch Wellenschwall an Land gespült wurden, bitte wieder zurück ins Wasser bringen!

Finden Sie einen schwer verletzten Schweinswal am Strand, lassen sie ihn am besten dort liegen, er hat sich vermutlich selbst ans Ufer gebracht, um weiter atmen zu können. Auf keinen Fall verletzte oder sehr schwache Tiere wieder zurück ins Wasser schubsen, denn sie müssen zum Atmen ja an die Wasseroberfläche, sind sie zu geschwächt, können sie das aus eigener Kraft nicht mehr tun.

Das Blasloch oben am Kopf sollte sich nicht unter Wasser befinden. Wenn Sie keine Scheu haben und es möglich ist, dann lagern sie das verletzte Tier im flachen Wasser sicher, sodass es atmen kann. Waschen Sie sich aber danach gründlich die Hände.

Rufen Sie am besten sofort uns:
 0176-222 08 271, die Polizei/Wasserschutzpolizei oder den Amtsveterinär an, damit man sich um das verletzte Tier kümmern kann. In den meisten Fällen sind die Verletzungen so groß, dass man nicht mehr viel tun kann, aber es konnten auch schon Schweinswale gerettet und gesund gepflegt werden.
Denise Wenger