Zwei Schweinswale schwimmen ganz dicht am Elbufer, beide Tiere sind eng zusammen, die Finnen und Rücken sind deutlich aus dem Wasser.Mehr als 400 Schweinswalsichtungsmeldungen haben wir dieses Jahr (2013) erhalten und damit ein immer klareres Bild von der Verbreitung der Kleinen Tümmler in den Flüssen Jade, Weser und Elbe und an der niedersächsischen Küste.

Die unglaublich tolle Unterstützung und Wertschätzung der Bevölkerung zeigen, wie wichtig die kleinen Meeressäuger und ihr Überleben den meisten Menschen sind. Herzlichen Dank an alle, die sich mit ihrer Sichtungs-Meldung, Fotos oder Videos aktiv an der Datenaufnahme zur Verbreitung der Schweinswale beteiligt haben!

Schweinswal-Welle in Hamburg
Durch das Interesse der Medien konnte für viel Wirbel um die Schweinswale gesorgt und ihr Aufenthalt in den Flüssen und ihre Bedrohungssituation der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Schweinswale in der Elbe, im Hamburger Hafen, in der Weser bis Bremen: Sie sind aufgefallen und kommen jedes Jahr etwa von Anfang März bis Ende Mai wieder. Viele der kleinen Meeressäuger sind dieses Frühjahr zeitgleich mit dem Einwandern der Stintschwärme im März bis nach Hamburg geschwommen und hielten sich dort über 10 Wochen hinweg auf, ein Vergnügen für die Hamburger, die sie an der Elbchaussee von Cafés und von Fähren aus beobachten konnten.

Mehrere Schweinswal-Klickdetektoren (CPODs) hatten wir mithilfe des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hamburg in der Elbe von Wedel bis Glückstadt installiert und eine erste Auswertung der Unterwasseraufnahmen erbrachte bereits fantastische Erkenntnisse, z.B. fast 23 Stunden-, also Tag- und Nachtaktivität mit Jagdsequenzen vor Wedel.

GRD-Biologin Denise Wenger und Feuerwehrpressesprecher Dennis Renk knien in einem flachen Container vor einem toten Schweinswal, der in dicker weißer Plastikfolie liegt und für den Transport zur Obduktion vorbereitet wird.Klärung der Todesursachen wichtig
Doch 26 tote Schweinswale wurden - der überwiegende Teil davon ab der zweiten Maihälfte - entlang des Elbufers bis Höhe Haseldorf aufgefunden. Kollisionen mit Schiffen kommen als eine Todesursache in Betracht. Wahrscheinlich wird das Überfahren eines kleinen Wals gar nicht bemerkt, doch uns liegen mehrere Hinweise vor und ein Anstieg der Todesfälle ist mit dem Beginn der Sportboot-Saison zu verzeichnen. Deswegen schlagen wir für die Schweinswal-Saison von März bis Ende Mai von Hamburg bis Wedel eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Elbe vor.

Siehe Wedel-Schulauer-Tageblatt vom 12.06.2013:
> Schweinswal tot an Wedels Strand - pdf-download

Doch auch andere Faktoren, die zum Tod führen, sind möglich. Wir wissen nicht, wie sich der Aufenthalt der kleinen Wale im Hamburger Hafen auf ihr Gehör auswirkt, ob sie Schadstoffe aufnehmen oder der Lärm und Stress sie anfällig für Krankheiten macht. Die zahlreichen Todesfälle werden dank unseres Engagements endlich untersucht werden und wir hoffen, in den nächsten Jahren hierzu mehr aussagen zu können.

Den Walen auf der Spur
Für die kommende "Schweinswalsaison" ist viel geplant: Möglichst genau soll die Anzahl an Schweinswalen ermittelt werden, die die Flussläufe frequentieren, sowie ihre genaue räumlich-zeitliche Verteilung, bevorzugte Gebiete, deren Nutzung und das Beutespektrum in den Flussläufen.

Ein kleines Speedboot, besetzt mit 2 Personen, rast mit hoher Geschwindigkeit in der Elbe.Die Untersuchung möglichst aller toten Tiere soll Aufschluss über Todesursachen, Allgemeinzustand, Parasiten, Erkrankungen, Schadstoffbelastung sowie Altersstrukturen und Verwandtschaftsgrad untereinander und zu anderen Schweinswalen in der Nordsee geben. Konfliktbereiche und Bedrohungsfaktoren durch menschliche Aktivitäten sollen identifiziert und Risiken sowie die Auswirkungen des Lärms, verursacht vom Schiffsverkehr in den stark befahrenen Wasserstraßen, auf die sich akustisch orientierenden Meeressäugetiere eingeschätzt werden.

Auf Grundlage der Daten können Vorschläge für ein sinnvolles Monitoring- und Schutzprogramm für diese FFH-Art gemäß europäischer Habitat-Richtlinie (Natura 2000) erarbeitet werden. Doch ohne Ihre Mithilfe, ohne Unterstützung aus der Bevölkerung kann es nicht gelingen! Je mehr Leute mitmachen und ihre Sichtungen melden, umso mehr können wir über das Auftreten der Kleinen Tümmler und ihr Verhalten aussagen.

Sehr wichtig ist, auch die toten Schweinswale umgehend an uns zu melden, damit eine genaue Zahl ermittelt werden kann. Zudem möchten wir möglichst alle toten Wale bergen und untersuchen lassen. Für eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung hat das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum umfassende Unterstützung angeboten.

© Denise Wenger, November 2013

Bitte unterstützen Sie unser Projekt zum Vorkommen der Schweinswale in den Flüssen und der Untersuchung der Gefahren, denen sie dort ausgesetzt sind sowie adäquaten Schutzmaßnahmen auch mit einer Spende! Benötigt werden Mittel z. B. für die Labor-Untersuchungen auf Umweltgifte oder Schädigungen durch Lärm, und für die Freilandarbeit, Batterien für die Klickdetektoren, und einiges mehr. Herzlichen Dank für Ihre Hilfe!

Copyright Daten des Sichtungsprogramms und Ergebnisse: D. Wenger, Gesellschaft zur Rettung der Delphine, München.
Keinen Daten oder Teile davon für Veröffentlichungen nutzen! Verwendung nur nach Absprache, bei Erwähnen bitte immer Quelle korrekt angeben.

Schweinswale brauchen Hilfe!

Schweinswal taucht ab. Foto: S.Koschinski

Schweinswale suchen Freunde!

Ein Schweinswal schaut neugierig aus dem Wasser. Foto: S.Koschinski | FjordBaelt, DK, fjord-baelt.dk

Erste Hilfe für Schweinswale

Offensichtlich unverletzte Tiere, die z.B. durch Wellenschwall an Land gespült wurden, bitte wieder zurück ins Wasser bringen!

Finden Sie einen schwer verletzten Schweinswal am Strand, lassen sie ihn am besten dort liegen, er hat sich vermutlich selbst ans Ufer gebracht, um weiter atmen zu können. Auf keinen Fall verletzte oder sehr schwache Tiere wieder zurück ins Wasser schubsen, denn sie müssen zum Atmen ja an die Wasseroberfläche, sind sie zu geschwächt, können sie das aus eigener Kraft nicht mehr tun.

Das Blasloch oben am Kopf sollte sich nicht unter Wasser befinden. Wenn Sie keine Scheu haben und es möglich ist, dann lagern sie das verletzte Tier im flachen Wasser sicher, sodass es atmen kann. Waschen Sie sich aber danach gründlich die Hände.

Rufen Sie am besten sofort uns:
 0176-222 08 271, die Polizei/Wasserschutzpolizei oder den Amtsveterinär an, damit man sich um das verletzte Tier kümmern kann. In den meisten Fällen sind die Verletzungen so groß, dass man nicht mehr viel tun kann, aber es konnten auch schon Schweinswale gerettet und gesund gepflegt werden.
Denise Wenger