Schweinswal bei Entenwerder, März 2016. Foto: Uwe WichmannIn den vergangenen zwei Wochen wurden mehrfach Schweinswale in der Elbe gesichtet: bei Brunsbüttel, Brokdorf und Glückstadt, aber auch wieder wie 2012 und 2013 vermehrt bei Blankenese, Övelgönne, Teufelsbrück und mitten im Hamburger Hafen, in der Norderelbe sogar beim Anleger Entenwerder. 20 Meldungen sind seit Ende Februar bereits eingegangen. Meist konnten die Kleinen Tümmler von Land aus beobachtet werden. Es wurden Dreiergruppen, Duos und ein paar Einzeltiere gesehen.

Wale im flachen Wasser und Hafen in Gefahr
"Wie wir aus den Daten von 2013 wissen, schwimmen sie oft in Ufernähe und werden deshalb von Spaziergängern oder Besuchern der Restaurants am Elbufer gesichtet. Manchmal queren sie beim Mühlenberger Loch", so die Biologin Denise Wenger von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD). "Dies kann ihnen aber zum Verhängnis werden. Schnell fahrende Motorboote sind auf der Strecke vom Hamburger Hafen bis nach Blankenese eine Gefahr für die Wale. Ein Zusammenstoß wird wahrscheinlich von den Skippern nicht bemerkt. Wir hatten 2013 im Mai innerhalb von zwei Wochen mit Beginn warmen Wetters und zunehmendem Bootsverkehr eine Reihe von Totfunden entlang der Elbufer", erklärt Wenger.

Aber auch andere Gefahren und mögliche Todesursachen birgt der Aufenthalt im Hamburger Hafen. Dauerhafter Lärm durch den Schiffsverkehr oder vom Menschen eingesetzte Geräte, die mit hohem Schalldruck arbeiten, können das Gehör der Wale beeinträchtigen. Da sie Echoortung benutzen, sind sie für die Orientierung, Nahrungssuche und Kommunikation darauf angewiesen. Ob und wie sich die Wasserverschmutzung im Hafen oder Altlasten von Umweltgiften, die durch Baggerungen wieder in den Kreislauf kommen, auswirken, ist ebenfalls unbekannt und sind Gegenstand ihrer Untersuchungen. Tot aufgefundene Wale müssen deshalb dringend gemeldet und untersucht werden.

Wandernde Fische ziehen die Wale mit
Die Kleinen Tümmler folgen im Frühjahr in Weser und Elbe den zu ihren Laichplätzen ziehenden wandernden Fischarten Stint und Finte. Um den Aufenthalt nicht zu einer tödlichen Falle werden zu lassen, bittet Denise Wenger in dieser Zeit bis Ende Mai Motorbootfahrer um eine reduzierte Fahrtgeschwindigkeit und erhöhte Aufmerksamkeit, damit Kollisionen vermieden werden können. Ebenso müssen der Lärmeintrag und Auswirkungen potentiell gefährdender Sonargeräte untersucht und ihr Einsatz während des Aufenthaltes der Wale hinterfragt werden.

Helfen Sie, Schutzmaßnahmen durchzusetzen
Um sich für den Schutz der kleinen Wale einsetzen zu können, sind genaue Daten unerlässlich, damit kann argumentiert und überzeugt werden. Deshalb: Bitte alle Sichtungen zeitnah melden und wenn möglich, Beweis-Fotos schicken!

Bitte halten Sie weiter Ausschau nach den Kleinen Tümmlern, sei es mit dem Segel- oder Motorboot, im Kajak, als Passagier einer Fähre oder als Spaziergänger.
Denise Wenger, 18.03.2016
Foto Schweinswal bei Entenwerder: Uwe Wichmann

Ostermontag ist Schweinswal-Zähltag!

Schweinswal schaut aus dem Wasser.Um möglichst gute Informationen über die Anzahl der sich gleichzeitig in den Flüssen aufhaltenden Wale zu erhalten, bittet die GRD am Ostermontag alle, die sich an Weser und Elbe oder der Nordseeküste aufhalten, nach den kleinen Walen Ausschau zu halten und zeitgenau ihre Beobachtungen festzuhalten. Machen Sie mit, nach den Ostereiern: Schweinswale suchen!

Danke für Ihre Hilfe!

Kontakt und weitere Informationen:
Denise Wenger, Tel.: 0176 - 222 08 271 oder über WhatsApp

 

⇒ Hier können Sie Ihre Schweinswal-Sichtung Online melden

⇒ Hier sehen Sie, wo überall Schweinswale in diesem und in den vergangenen Jahren in Elbe, Weser, Ems und Jade gesichtet wurden

⇒ Verhaltenstipps bei Begegnungen mit Delfinen in freier Natur

⇒ Schweinswalschützerin erhält Yves Rocher-Umweltpreis für Frauen

⇒ Der Schweinswal

 

Schweinswale brauchen Hilfe!

Schweinswal taucht ab. Foto: S.Koschinski

Schweinswale suchen Freunde!

Ein Schweinswal schaut neugierig aus dem Wasser. Foto: S.Koschinski | FjordBaelt, DK, fjord-baelt.dk

Erste Hilfe für Schweinswale

Offensichtlich unverletzte Tiere, die z.B. durch Wellenschwall an Land gespült wurden, bitte wieder zurück ins Wasser bringen!

Finden Sie einen schwer verletzten Schweinswal am Strand, lassen sie ihn am besten dort liegen, er hat sich vermutlich selbst ans Ufer gebracht, um weiter atmen zu können. Auf keinen Fall verletzte oder sehr schwache Tiere wieder zurück ins Wasser schubsen, denn sie müssen zum Atmen ja an die Wasseroberfläche, sind sie zu geschwächt, können sie das aus eigener Kraft nicht mehr tun.

Das Blasloch oben am Kopf sollte sich nicht unter Wasser befinden. Wenn Sie keine Scheu haben und es möglich ist, dann lagern sie das verletzte Tier im flachen Wasser sicher, sodass es atmen kann. Waschen Sie sich aber danach gründlich die Hände.

Rufen Sie am besten sofort uns:
 0176-222 08 271, die Polizei/Wasserschutzpolizei oder den Amtsveterinär an, damit man sich um das verletzte Tier kümmern kann. In den meisten Fällen sind die Verletzungen so groß, dass man nicht mehr viel tun kann, aber es konnten auch schon Schweinswale gerettet und gesund gepflegt werden.
Denise Wenger