Zwei Schweinswale schwimmen dicht beieinander in der Elbe.Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) appelliert an alle Schiffsführer, die während der morgen beginnenden 827-ten Geburtstagsfeier im Hamburger Hafen mit Schiffen oder Booten unterwegs sein werden, auf Schweinswale zu achten.

Schweinswale im Hafen
Mehr als 300 Schiffe werden zum Hafengeburtstag vom 5. bis 8. Mai erwartet. Derzeit halten sich aber immer noch zahlreiche Schweinswale im Gebiet des Hamburger Hafens auf. 2012 und 2013 wurden nach dem Hafengeburtstag tote Wale am Elbufer gefunden. "Bei vielen gleichzeitig anwesenden und zusätzlich schnell fahrenden Schiffen ist es schwierig für die Schweinswale, sich in Sicherheit zu bringen", erklärt die Biologin Denise Wenger, Schweinswalexpertin der GRD.

Während des größten Hafenfestes der Welt sind sehr viele Schiffe gleichzeitig in dem engen Hafenbereich unterwegs. Besonders Motorbootfahrer sollten nicht zusätzlich noch schnell und nicht in den flachen Wasserbereichen fahren. "Die Wale müssen irgendwohin ausweichen können. Wir können nur hoffen, dass durch die wärmeren Temperaturen die Laichzeit der Finte begonnen hat und die Schweinswale mehr Höhe Blankenese und Wedel jagen und schließlich in die Nordsee zurückkehren", hofft Denise Wenger.

Auf der Jagd nach Stint und Finte
Schweinswal schwimmt in der Elbe.Dieses Jahr wurden besonders viele der kleinen Meeressäuger im Hafengebiet gesichtet. Das ist nicht nur auf die großartige Unterstützung des Schweinswalmeldeprogramms durch die Bürgerinnen und Bürger zurückzuführen, sondern tatsächlich auch auf die zunehmende Anzahl der Wale, die den Stinten zu ihren Laichgebieten folgend in die Elbe bis zum Hamburger Hafen und in der Süderelbe bis Harburg schwimmen. Darunter waren dieses Jahr mehrfach auch große Gruppen von bis zu 17 Tieren.

"Die kleinen Tümmler folgen im Frühling den wandernden Fischarten Stint und Finte, die zu ihren Laichgebieten die Elbe hinaufschwimmen. Meistens gehen die kleinen Wale dort im Flachwasser auf die Jagd, 5 bis 30 Meter vom Ufer entfernt – denn dort schwimmen auch die Stinte", erklärt die Expertin.

Jeder kann als Bürgerforscher helfen, Schutzmaßnahmen durchzusetzen
Denise Wenger erforscht seit 2007 die Rückkehr der Schweinswale in die norddeutschen Flüsse, aufgefallen waren die Wale zuerst in der Weser. 2012 kamen sie das erste Mal zahlreich in die Elbe. Um sich für den Schutz der kleinen Wale einsetzen zu können, sammelt sie genaue Daten über deren Verbreitung und Verhalten. Jeder kann dieses Citizen Science-Projekt als Bürgerforscher unterstützen. Denn bei den Erhebungen zur Verbreitung des Schweinswals bittet sie die Öffentlichkeit um Mithilfe. Wer einen Schweinswal sichtet, kann dies auf der Webseite der GRD per Formular melden.
04.05.2016

 

⇒ Hier können Sie Ihre Schweinswal-Sichtung Online melden

⇒ Hier sehen Sie, wo überall Schweinswale in diesem und in den vergangenen Jahren in Elbe, Weser, Ems und Jade gesichtet wurden

⇒ Rekord: So viele Schweinswale gab es noch nie in der Elbe - Hamburger Abendblatt

Schweinswale brauchen Hilfe!

Schweinswal taucht ab. Foto: S.Koschinski

Schweinswale suchen Freunde!

Ein Schweinswal schaut neugierig aus dem Wasser. Foto: S.Koschinski | FjordBaelt, DK, fjord-baelt.dk

Erste Hilfe für Schweinswale

Offensichtlich unverletzte Tiere, die z.B. durch Wellenschwall an Land gespült wurden, bitte wieder zurück ins Wasser bringen!

Finden Sie einen schwer verletzten Schweinswal am Strand, lassen sie ihn am besten dort liegen, er hat sich vermutlich selbst ans Ufer gebracht, um weiter atmen zu können. Auf keinen Fall verletzte oder sehr schwache Tiere wieder zurück ins Wasser schubsen, denn sie müssen zum Atmen ja an die Wasseroberfläche, sind sie zu geschwächt, können sie das aus eigener Kraft nicht mehr tun.

Das Blasloch oben am Kopf sollte sich nicht unter Wasser befinden. Wenn Sie keine Scheu haben und es möglich ist, dann lagern sie das verletzte Tier im flachen Wasser sicher, sodass es atmen kann. Waschen Sie sich aber danach gründlich die Hände.

Rufen Sie am besten sofort uns:
 0176-222 08 271, die Polizei/Wasserschutzpolizei oder den Amtsveterinär an, damit man sich um das verletzte Tier kümmern kann. In den meisten Fällen sind die Verletzungen so groß, dass man nicht mehr viel tun kann, aber es konnten auch schon Schweinswale gerettet und gesund gepflegt werden.
Denise Wenger