15.10.2008 | Kiel - Zur Beseitigung von Munitionsaltlasten im Meer müssen zügig weitere umweltfreundliche Verfahren getestet werden. Das fordern die drei Naturschutzverbände NABU, Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM). Anlass ist die Vorstellung der aktuellen Messergebnisse von mit einem Blasenvorhang als Schallschutz erfolgreich abgeschwächten Probesprengungen im Sommer im Munitionsversenkungsgebiet Kolberger Heide am Ausgang der Kieler Förde.
Nachdem auf einem Symposium der drei Naturschutzverbände im Oktober 2007 in Kiel umweltfreundliche Alternativen zur Sprengung
vorgestellt wurden, hatte sich das Innenministerium in Kiel bereit erklärt, einige der dort gezeigten Munitionsbeseitigungsmethoden zu testen. NABU, GSM und GRD äußerten sich heute zufrieden über die offene Art, wie die Vorschläge der Verbände im Innenminsiterium aufgenommen wurden und so eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zustande kam. Die Verbände hatten zuvor geplante Sprengungen kritisiert, weil die entstehenden Schockwellen Schweinswale und andere Meerestiere im Umkreis vieler Kilometer töten oder Gehörschäden bei den Tieren verursachen können.
Bei insgesamt 25 Sprengungen von definierten 1 kg Testladungen hat sich demnach eine Schallreduktion bis zu 18 dB ergeben. Dies verringert wegen der logarithmischen Skalierung die Fläche des Gefährdungsbereiches für Meeressäuger um bis zu 98 %. "Das entspricht voll unseren Erwartungen", erklärt Hermann Schultz, Vorsitzender des NABU Schleswig-Holstein.
"Mit der von der Forschungsanstalt für Wasserschall und Geophysik in Kiel vorgelegten Studie ist die Wirksamkeit von Blasenvorhängen zum Schallschutz nun auch bei Sprengungen nachgewiesen", kommentiert Petra Deimer von der GSM. Zuvor wurden Blasenvorhänge bereits erfolgreich beim Rammen von Fundamentpfählen getestet, wie sie in Windparks auf See zum Einsatz kommen.
Jetzt müssen die Ergebnisse der Tests auch bei größeren Sprengladungen angewandt werden. Der Munitionsbeseitigungsdienst des Landes plant vor Heidkate, im Winter bis zu 90 Munitionsteile mit je 150 bis 350 kg Sprengstoff zur Detonation zu bringen. Zu dieser Zeit können allerdings in der Kieler Bucht Schweinswale der akut vom Aussterben bedrohten, EU-rechtlich besonders geschützten östlichen Population vorkommen. "Ein effektiver Schallschutz ist damit unabdingbar", stellt Ulrich Karlowski von der GRD fest.
Blasenvorhänge sollten, sofern Sprengungen unvermeidbar sind, zu einer Standardmethode werden. Vereisung, Wasserstrahlschneidetechnik, Unterwasserroboter, Photolyse und Beseitigung vor Ort in mobilen Verbrennungsöfen sind jedoch weitere, umweltfreundlichere Alternativen zu Sprengungen:
"Schallgeschützte" Sprengungen sind nach Auffassung der Verbände nur zum jetzigen Zeitpunkt, zu dem anderen Verfahren erst erprobt werden, eine umweltgerechtere Lösung, da der tödliche Schall dabei nur abgemildert wird und zudem weiterhin Schadstoffe freigesetzt werden. Dies belegt eine anlässlich derselben Testsprengungen vom schleswig-holsteinischen Umweltministerium in Auftrag gegebene Studie.
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14.12.2006 - Als einen "ersten Erfolg, dem nun konkrete Schritte folgen müssen", bezeichnen NABU, GRD und GSM die schnelle und erfreuliche Entscheidung des schleswig-holsteinischen Innenministeriums auf die Forderungen der Naturschutzverbände einzugehen und die geplanten Sprengungen von Munitionsaltlasten zum Schutz der Schweinswale sofort auszusetzen.
13.12.2006 - München/Neumünster/Berlin - Der Kampfmittelräumdienst des Landes Schleswig-Holstein will die im Oktober begonnenen Sprengungen von Munitionsaltlasten bei Heidkate in der Kieler Bucht wieder aufnehmen, sobald das Wetter es erlaubt. Nach Auskunft des Kampfmittelräumdienstes sollen noch bis zu 90 Torpedosprengköpfe und Seeminen gesprengt werden.
Der NABU, die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäuger (GSM) haben die schleswig-holsteinische Landesregierung und den Bund aufgefordert, die Sprengung von Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee zum Schutz der Schweinswale sofort auszusetzen.
Das Moratorium müsse solange aufrecht erhalten werden, bis auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse ein Sicherheitskonzept entwickelt worden ist, dass Meeressäugetiere wirkungsvoll schützt. Dazu gehören geeignete Schallminderungsmaßnahmen, ein die Sprengungen begleitendes Beobachtungsprogramm und eine geeignete Vergrämung aus dem Gefahrenbereich.
Der bei Unterwasser-Sprengungen entstehende Schallimpuls kann lebensgefährliche Risse im Gehör oder in der Lunge der Meeressäuger hervorrufen. Nach Schätzungen lagern in der Nord- und Ostsee noch 400 000 bis 1,3 Millionen Tonnen Altmunition, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg versenkt wurden. Das Land Schleswig-Holstein will die gefährlichen Altlasten jetzt nach und nach sprengen.
"Es geht nicht an, dass mal hier mal da gesprengt wird, ohne vorher die möglichen Folgen für die Unterwasserwelt genau untersucht zu haben", kritisierte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Land und Bund seien in der Pflicht, alles Mögliche zu tun, um den Schutz der Kleinwale, die auf ihr sensibles Ortungssystem angewiesen seien, vor durch Sprengungen ausgelöste Verletzungen zu schützen. Derzeit leben in Nord- und Ostsee etwa 340.000 Schweinswale, davon in der Ostsee weniger als 45.000.
"Machbar ist es, den Schall mit der künstlichen Erzeugung von Luftblasen abzumildern, was zurzeit im Zusammenhang mit dem Bau von Offshore-Windparks erforscht wird", so Petra Deimer von der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere.
"Das Verbleiben der jetzt freiliegenden Torpedos und Minen am Meeresboden ist allerdings keine Lösung, da von den Sprengkörpern eine erhebliche Gefahr für Mensch und Natur ausgeht", so Ulrich Karlowski von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine. Neben dem Sprengstoff TNT enthalten Rüstungsaltlasten auch Schwermetalle oder tödliche Nervengase.
Die beste Möglichkeit wäre die Bergung und Entsorgung an Land. Sollte dies nicht möglich sein, müssten andere technische Möglichkeiten mit Blick auf den Walschutz in Betracht gezogen werden.
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30.11.2006 - Laut Auskunft des Kampfmittelräumdienstes sind derzeit bis zu 90 weitere Sprengungen unmittelbar geplant. Da ein Verzicht auf die Sprengungen und eine Bergung aus Sicherheitsgründen nicht in Frage kommt, muss nach Meinung der GRD zumindest sichergestellt werden, dass Meeressäugetiere nicht zu Schaden kommen.
Dies erfordert eine enge Abstimmung mit Fachleuten (Unterwasserakustikern und Biologen). Aus Sicht der GRD sind akustische und visuelle Beobachtungen vor den Sprengungen und eine auf den speziellen Fall abgestimmte Vergrämung von Schweinswalen nötig, die nicht selbst zu Hörschäden bei den Tieren führt.
In Bezug auf lauten Unterwasserschall (mid-frequency sonar) hat die NATO im September 2006 Richtlinien entwickelt, wie Risiken lauter Schallemissionen für Meeressäugetiere gemindert werden können. An diesen Richtlinien sollte sich auch der Munitionsräumdienst bei Sprengungen orientieren.
Da Sprengungen aufgrund der ca. 300.000 t Munitionsaltlasten allein in der Ostsee immer wieder durchgeführt werden, muss geprüft werden, ob generell ein Gerät zur Erzeugung eines Blasenvorhangs um die Detonationsstelle zur Minderung der Druckwelle und der Schallemissionen angeschafft werden kann. Dies sollte nach Auffassung der GRD zum Standard bei Unterwassersprengungen gehören.
Die GRD hat den Umweltminister von Schleswig-Holstein, Herrn Dr. von Boetticher, und Innenminister, Dr. Ralf Stegner, dringend aufgefordert, sich nachhaltig für den Schutz der Schweinswale in der Ostsee einzusetzen.
Die hohe Priorität, die dem Schutz unserer einzigen heimischen Walart eingeräumt werden sollte - ja muss - ist eindeutig unter anderem in der europäischen FFH Richtlinie und der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) mit seinem Regionalabkommen ASCOBANS zum Schutz von Kleinwalen in Nord- und Ostsee klar geregelt.
17.11.2006, GRD/GSM/NABU - Die vom Aussterben bedrohten Schweinswale in der Ostsee sind nach Ansicht von GSM, GRD und NABU akut durch Munitionsbergungsarbeiten in der Kieler Bucht gefährdet. Der Munitionsräumdienst hatte im Oktober in der Kieler Bucht erste Munitionssprengungen durchgeführt. Weitere Sprengungen von ca. 70 Torpedo-Sprengköpfen und Minen aus dem 2. Weltkrieg sind in Kürze geplant. Das Kieler Umweltministerium ist zwar vom Amt für Katastrophenschutz über die Sprengungen in Kenntnis gesetzt worden, hat jedoch keine Einwände erhoben.
Die Minen und Torpedos enthalten bis zu 350 kg Trinitrotoluol (TNT). Der durch eine derart große Sprengladung hervorgerufene Schallimpuls kann bei Meeressäugern noch in 1,2 km Entfernung zu lebensgefährlichen Verletzungen wie Lungenrissen führen. Gehörschäden sind noch in mehreren Kilometern Entfernungen zu befürchten. Erhebliche Störungen durch die Sprengungen sind bei Schweinswalen in der Kieler Bucht und darüber hinaus zu erwarten.
Die Kieler Bucht ist Lebensraum für Schweinswale der Westlichen Ostsee und ein wichtiges Überwinterungsgebiet sowohl für Schweinswale aus den dänischen Belten als auch der zentralen und östlichen Ostsee. Besonders die Schweinswale der östlichen Population sind durch Beifang, Schadstoffbelastung und Störungen akut vom Aussterben bedroht. Es gibt vermutlich nicht einmal mehr 600 Tiere.
Ein Verbleib der jetzt freiliegenden Sprengkörper am Meeresboden ist allerdings keine Lösung, da von ihnen eine erhebliche Gefahr für Mensch und Meeresumwelt ausgeht. Aus den Minen und Torpedos leckt bereits hochgiftiges und schon in geringen Konzentrationen krebserregendes TNT
Die für die Umwelt beste Lösung ist nach Auffassung der Organisationen eine Bergung und Vernichtung an Land. Sollte dies nicht möglich sein, sind entsprechende Experten zu beteiligen, um sicherzustellen, dass sich keine Schweinswale im unmittelbaren Gefahrenbereich aufhalten.
Nach Schätzungen von Experten wurden unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg von den Truppen der Alliierten mehr als 300.000 Tonnen Munition in Nord- und Ostsee versenkt. Neben TNT enthalten die Rüstungsaltlasten auch Schwermetalle oder sogar tödliche Nervengase.