Als SAFE 1990, unter dem Namen "International Monitoring Program", vom Earth Island Institute (EII) zur Überwachung des internationalen Thunfischmarktes ins Leben gerufen wurde, haben wohl nur die wenigsten geahnt, zu welcher Größe das Projekt heranwachsen würde und welche Erfolge es für den Erhalt der Biodiversität in den Weltmeeren erzielen würde.
Dennoch gibt es immer wieder Fehlinformierte, die SAFE falsch bewerten, entweder weil sie die Tragweite von SAFE nicht erkennen können oder wollen und/oder völlig ungeeignete Maßstäbe zur Bewertung heranziehen (so ist SAFE kein Fischschutz- sondern ein Delfinschutz-Programm!).
Auch die gut gemeinten aber letztendlich kontraproduktiven Rufe nach einem Boykott von Dosenthunfisch wollen nicht ganz verstummen. Es ist halt bequemer, mit Totschlagargumenten eine scheinbar saubere Weste zu suggerieren, als wirklich etwas für den Erhalt des Lebens in Meeren zu bewegen.
Ohne SAFE wären die Ozeane heute sehr viel leerer, es gäbe weitaus weniger Delfine und auch weniger Thunfische mit den entsprechenden nachgelagerten Folgen für das gesamte Ökosystem der Meere.
Beginnend in den später 1950er Jahren bis Anfang der 1990er Jahre hatte die Thunfischindustrie allein im tropischen Ostpazifik (ETP) durch das Umkreisen von Delfinschulen beim Thunfischfang mit so genannten Ringwadennetzen nach Berechnungen des EII mehr als 7 Millionen Delfine getötet. Es war die größte Massenvernichtung von Meeressäugern in der Geschichte der Menschheit!

Im ETP sind Thunfischschwärme oft mit Delfinschulen vergesellschaftet (die Delfine schwimmen an der Wasseroberfläche, der Thunfischschwarm bis zu 150m darunter). Ein bis heute rätselhaftes und nur in dieser Meeresregion zu beobachtendes biologisches Phänomen, das die Fischer ausnutzen, in dem sie gezielt Delfinschulen jagen und einkreisen. Auch heutzutage kommt diese rücksichtslose Fischereimethode noch zum Einsatz!
Durch SAFE wurde "delfintödlicher" Dosenthunfisch sehr wirkungsvoll vom Markt gefegt. SAFE kontrolliert heute etwa 90 Prozent des weltweiten Handels, in Europa, Kanada, Australien und in den USA, wo weltweit der meiste Dosenthunfisch verbraucht wird!
Durch den Erfolg von SAFE gerieten auch die Fischereien unter Druck, die im ETP immer noch Thunfisch durch das Umkreisen von Delfinschulen fangen. So sank die Rate von im ETP jährlich getöteten Delfinen deutlich. Noch in den späten 1980er Jahren starben im ETP jährlich zwischen 80.000 und 100.000 Delfine beim Thunfischfang. Heute liegt die offizielle Quote bei 2.000 getöteten Delfinen. Ein für SAFE allerdings völlig inakzeptabler Blutzoll!
Fischereien aus verschiedenen Ländern, darunter Mexiko, Venezuela, Kolumbien und El Salvador arbeiten im ETP mit dem "delfintödlichen" Umkreisen von Delfinschulen und einer geduldeten Quote von 2.000 toten Delfinen jährlich. Sie versuchen, den so gefangenen Thunfisch als angeblich "delfinsicher gefangen" zu vermarkten (es handelt sich um das Label der Inter-American Tropical Tuna Commission, IATTC). Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben von SAFE, diese "delfintödliche" Ware vom Markt zu drängen!
Dank SAFE beträgt die im ETP mit "delfintödlichen" Methoden gefischte Fangmenge von 100.000 Tonnen Thunfisch heute nur noch 2,17 % des weltweiten Gesamtfangs von etwa 4,6 Millionen Tonnen Thunfisch! Ohne SAFE wären die im ETP heimischen Zügel- und Spinnerdelfinpopulationen schon längst ausgerottet!
Dem SAFE-Programm angeschlossene Fischereien dürfen keine Fangmethoden einsetzen, bei denen Delfine gefährdet werden (Treibnetze, Umkreisen von Delfinschulen). Nachgelagerte Verarbeitungs- und Vermarktungsbetriebe dürfen derartige Ware weder verarbeiten noch damit handeln. SAFE ist weltweit die einzige wirksame Waffe gegen den Verkauf von Thunfisch, der in Treibnetzen oder durch Umkreisen von Delfinschulen gefangen wurde. Mit der Anerkennung dieses Programms durch die deutsche Thunfischindustrie wurde ein ganz entscheidender Erfolg erzielt!
Fast 400 in den internationalen Thunfischhandel involvierte Firmen aus mehr als 50 Ländern haben sich vertraglich zur Einhaltung der SAFE-Kriterien verpflichtet. Vom Fangschiff bis zum Supermarktregal müssen die SAFE-Kriterien eingehalten werden. Damit ist SAFE eines der größten nichtstaatlichen Lebensmittel-Kontrollprogramme der Welt!
Dank SAFE gehört die Thunfischindustrie heute zu den weltweit am besten überwachten Fischerei-Industrien und die SAFE angeschlossenen Thunfischproduzenten sind auf schonendere Fischereipraktiken umgestiegen!
Das SAFE-Programm beinhaltet Maßnahmen zur Beifangreduzierung für Meeresschildkröten, Haie und billfisch (Schwertfisch, Marlin u.a.), um die durch Fischerei entstehenden Schäden im Ökosystem zu minimieren. Dem SAFE-Programm angeschlossene Fischereien werden mit Nachdruck dazu angehalten, auf den Fang von Jung-Thunfischen zu verzichten und diese, wie auch alle anderen Beifangarten, unter allen Umständen wieder freizulassen!
Das EII beschäftigt im Rahmen von SAFE eine internationale Crew von 12 Kontrolleuren. Sie sind weltweit im Einsatz und inspizieren die dem Programm angeschlossenen Fischereien, Verarbeitungsbetriebe, Häfen, Lagerräume und die zum Transport der Ware eingesetzten Handelsschiffe. Die EII-Kontrolleure verhandeln mit noch nicht dem Programm angeschlossenen Fischereien und sogar einzelnen Fischkutter-Kapitänen sowie Verarbeitungsbetrieben, damit diese sich SAFE anschließen.
Im Jahr 2006 führten EII-Kontrolleure weltweit 835 Kontrollen und Inspektionen durch. In 6 Fällen wurden dabei Verstöße gegen die Kriterien von SAFE festgestellt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet (z.B. Ausschluss vom Programm, Entzug des SAFE-Labels).
Im Jahr 2006 waren dem SAFE-Programm 382 Thunfischproduzenten, -Importeure und -Händler aus 52 Ländern angeschlossen!
Die Kriterien von SAFE werden von zahlreichen Tier- und Naturschutzorganisationen unterstützt, darunter Greenpeace (USA), Humane Society of the US (HSUS), Humane Society International (HSI), Defenders of Wildlife, Animal Welfare Institute (AWI), Friends of the Earth, Sierra Club, Marine Connection (UK) oder International Wildlife Coalition (IWC)!
SAFE ist seit April 2005 nach ISO 9001 zertifiziert!
SAFE ist das umfassendste und wirkungsvollste Delfinschutzprogramm der Welt!
Auf der gesamten Fangfahrt dürfen Delfine weder gejagt noch mit Netzen umkreist werden.
Treibnetze dürfen nicht zum Einsatz kommen.
Während des Setzens von Netzen dürfen Delfine weder getötet noch ernsthaft verletzt werden - auch nicht unabsichtlich.
Weder auf den Fangschiffen noch in den Verarbeitungsbetrieben darf "delfinfreundlich" gefangener Thunfisch mit "delfintödlich" gefangenem vermischt werden (dazu zählen auch als Beifang versehentlich getötete Delfine).
Bei Fangfahrten im ETP müssen Fangschiffe mit mehr als 400 Bruttoregistertonnen einen unabhängigen Beobachter an Bord haben, der die Einhaltung der SAFE-Kriterien attestiert.
GRD-Thunfischliste für delfinsicher gefangenen Thunfisch (195kb)