Schweinswale verhungern aufgrund von Überfischung und Klimawandel

Der Schweinswal verschwindet

10. März 2008 | Quelle: sh:z - Der Schweinswal ist der einzige heimische Wal unserer Küstengewässer. Doch wie lange noch? Dänische Wissenschaftler haben jetzt alarmierende Ergebnisse vorgelegt. Die dänischen Forscher überwachten die Meeressäuger mit Satelliten, Flugzeugen und Schiffen - und was sie dabei herausgefunden haben, bereitet ihnen große Sorgen: Der Bestand an Schweinswalen geht offenbar dramatisch zurück.

Der Schweinswal ist der einzige heimische Wal unserer KüstengewässerWie viele Tiere tatsächlich noch in Nord- und Ostsee leben, können die Wissenschaftler der Universität Aarhus nicht sagen. Aber ihre Studie macht eine Entwicklung deutlich: 1994 wurden in der Nordsee 288 000 Schweinswale gezählt, in der Ostsee (einschließlich Skagerrak und Kattegat) waren es 32 000. Im Jahr 2005 wurden in der Nordsee nur noch 231 000 Wale registriert. In der Ostsee waren es sogar nur noch 15 600 Tiere, was einen Rückgang von mehr als 50 Prozent bedeutet.

Noch steht nicht fest, warum der Bestand so stark eingebrochen ist. Aufgeführt wird in der Studie, dass vermutlich durch die Umweltbelastung die Lebenserwartung geschrumpft sei und durch die Stellnetzfischerei viele Kleinwale als Beifang verendeten. Mit Blick auf die Nordsee könnte die Abnahme des Bestandes aber auch mit dem Abwandern der Tiere zusammenhängen. Denn während im dänischen Teil der Nordsee die Zahl der Wale gesunken ist, steigt sie im südwestlichen Teil des Meeres an.

Die Studie haben die Dänen für ihr Bundesumweltamt, "Danmarks Miljöundersögelser", erstellt. Grund ist die von der EU geforderte Einrichtung von Schutzgebieten im Rahmen des Natura 2000-Netzwerkes und der Habitats-Direktive, die bis 2012 umgesetzt sein muss. Fast alle an Deutschland grenzenden Seegebiete wurden von den Dänen in die Klasse I (sehr wichtiges Gebiet) gesetzt. Dazu gehört unter anderem die Deutsche Bucht, der Fehmarn Belt und die Flensburger Förde. Die Kadetrinne hingegen wurde in Klasse II (wichtiges Gebiet) eingestuft.

Die Einstufung erfolgte ebensfalls auf Grund von Forschungsarbeiten. Die Dänen haben die von Schweinswalen bevorzugten Lebensräume mit Hilfe von markierten Tieren ermittelt. Zwischen 1998 und 2007 wurden insgesamt 63 Kleinwale mit Sendern ausgestattet und deren Bewegungen aus dem All verfolgt.

Immer wieder werden Kadaver von toten Schweinswalen angeschwemmtDas Fazit der dänischen Studie: Es besteht weiter großer Forschungsbedarf. Auch entlang der deutschen Küsten, an denen mit eher spärlichen Mitteln gearbeitet wird. So verteilt die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäuger seit einigen Jahren Meldebögen an die Sport- und Berufsschifffahrt. Darin sollen alle Schweinswal-Sichtungen mit genauer Positionsangabe eingetragen werden.

Da immer wieder Kadaver von toten Walen angeschwemmt würden, die Verletzungen durch Netze aufwiesen, kritisieren Umweltorganisationen insbesondere die Stellnetzfischerei. Die kleinen Säuger ertrinken als Beifang jämmerlich in den Netzen.

Zurzeit wird an verschiedenen Systemen zum Schutz der Wale gearbeitet. So können Netze mittlerweile mit Geräten (Pingern) ausgestattet werden, die Schall aussenden. Das Signal zeigt den mit Sonar jagenden Tieren, wo Netze stehen. Allerdings sind diese Geräte für viele Fischer zu teuer. Versuche werden auch mit schallreflektierenden Materialen gemacht.

Siehe auch:
Der Ostsee-Schweinswal im Todesnetz

Stellnetze im Schweinswalschutzgebiet vor Sylt!


EU-Verordnung lässt Schweinswalen in der Ostsee keine Chance!

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Wie Sandaale Schweinswal- und Seevogelpopulationen beeinflussen

gestrandeter SchweinswalJanuar 2007 - Quellen: Walter Karpf (GSM) / GRD-Presse - Dieses Problem für die Schweinswale hatte keiner erwartet. Und es zeigt, wie komplex die Zusammenhänge des marinen Lebens sind: Eine Gruppe britischer Wissenschaftler hat herausgefunden, dass wegen der Klimaerwärmung die Zahl der Sandaale an den schottischen Küsten drastisch zurückgeht. Und dass deswegen in dieser Region die Schweinswale verhungern.

Der Meeresbiologe Colin D. McLeod aus St. Andrews in Schottland ist sehr besorgt. In den letzten Jahren werden vermehrt verhungerte Schweinswale an den schottischen Küsten angespült. 2002 und 2003 zeigten bereits ein Drittel der Todfunde aus dem Frühjahr deutliche Zeichen von Unterernährung. Im Vergleichszeitraum 1993 bis 2001 waren es lediglich 5%. Es folgte eine langjährige Detektivarbeit, um den Gründen dafür auf die Spur zu kommen.

Gammelfischerei, z.B. für die Produktion von FischmehlMcLeod ist überzeugt, dass die Schweinswale der Klimaerwärmung und Überfischung zum Opfer fallen. In der schottischen Nordsee sind Schweinswale besonders im Frühjahr auf die fettreichen Sandaale als Nahrung angewiesen. Die kleinen Wale haben nur begrenzte Energiespeicher und müssen gerade im Frühjahr, wenn das Wasser der Nordsee noch sehr kalt ist und vor der Geburt ihrer Jungen qualitativ hochwertige Nahrung zu sich nehmen.

Durch die Erwärmung der Nordsee um durchschnittlich 1,4 Grad in den letzten 40 Jahren wandern Fischarten wie der Kabeljau und Sandaal aus der Nordsee ab. Einwanderer aus dem Süden wie die Große Schlangennadel kann das Fehlen von Beute für Kleinwale und Seevögel nicht kompensieren, erklärt McLeod in seinem in der Fachzeitschrift "biology letters" im Januar veröffentlichten Bericht.

Die Forscher der Universität von Aberdeen und des Scottish Agricultural College sind erstaunt darüber, dass die Schweinswale so unflexibel auf die Knappheit ihrer gewohnten Beute reagieren und nicht auf andere Fischarten umsteigen. Die GSM-Vorsitzende und Meeresbiologin Petra Deimer sagt dazu, dass neben der Klimaveränderung selbstverständlich noch ein ganz anderes, gravierendes Problem hinzukommt, der übermäßige Fischfang: "Die Industrie- oder Gammelfischerei, z.B. für die Produktion von Fischmehl, ist an einer solchen Nahrungs-Kettenreaktion schuld. Es ist ein Skandal, dass die moderne Fischerei noch immer nicht als eklatanter Eingriff in das sensible Ökosystem Meer verstanden wird - mit dramatischen Folgen, wie man Die Industriefischerei hat die Situation für die Kleinwale in der nördlichen Nordsee noch verschärftsieht".

Zusätzlich zum Klimawandel hat die Industriefischerei die Situation für die Kleinwale in der nördlichen Nordsee noch verschärft. 1997 wurden noch 1,1 Million Tonnen Sandaale in der Nordsee gefischt. 2006 waren es nur noch 266.000 t (trotz einer Empfehlung von Fischereiforschern, die Fischerei ganz zu schließen). Aus ihnen macht man das Futter für in Fischfarmen gemästete Arten wie Lachs, Wolfsbarsch oder Thunfisch.


Dreizehenmöve mit SchlangennadelÄhnlich wie diese Meeressäuger sind auch Nordsee-Seevögel vom Rückgang der Sandaale betroffen.

Zu diesem Ergebnis waren bereits im vergangenen Sommer Wissenschaftler der Bundesforschungsanstalt gekommen. In einer vierwöchigen Forschungsreise an Bord der "Walther Herwig III" in die Nordsee hatten sie festgestellt, dass die Zahl der Großen Schlangennadel drastisch zugenommen hat, und dass Seevögel anstelle der selten gewordenen Sandaale nährstoffarme Schlangennadeln fangen. Dass sie diese Beute, die verwandt ist mit den Seepferdchen, aber nicht hinunterwürgen können.

Die Folge: Es wurden Seevögel-Nester mit verhungerten Küken darin entdeckt, deren Eltern versucht hatten, sie mit Schlangennadeln zu füttern.

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Schweinswalschutzprojekt Weser-Mündung