Schweinswale orientieren sich unter Wasser mit Hilfe kurzer hochfrequenter Klicklaute (Ultraschall), die sie aussenden, um anhand des zurückgeworfenen Echos ein Bild von ihrer Umgebung zu bekommen und Beute aufzuspüren (Echolokation).
Da das Wasser in der Weser trübe ist, kann angenommen werden, dass die Schweinswale die Echlokation als wichtigstes Orientierungs- und Ortungssystem nutzen und sich kaum visuell orientieren. Ein typischer Schweinswalklick liegt etwa bei 120 kHz.
Klickdetektoren können diese Laute aufnehmen. Um Daten über das zeitlich-räumliche Auftreten der Schweinswale zu erhalten, wurden am 3. April 2008 zwei so genannte T-PODs (Timing-Porpoise Detectors), die die Orientierungslaute der Wale aufzeichnen, im Abstand von 26 Kilometern in der Weser installiert. Gerade noch rechtzeitig, denn bereits am 4.4. wurde der erste Schweinswal bei Nordenham gesichtet und am 8.4. weiter südlich nähe Strohauserplate.
T-PODs bestehen aus einem Hydrophon, einem analogen Prozessor, einem digitalen Zeit-/Signal-Aufzeichnungssystem und Batterien, alles zusammen in wasserdichtes Plastik verpackt. Die registrierten Daten können auf den PC transferiert und mit einer speziellen Software ausgewertet werden. Sie ermöglicht das Unterscheiden von wirklichen Schweinswallauten, wie z.B. Abfolgen typischer Schweinswalklicks, von anderen Geräuschen wie z.B. einem gleichmäßigen Bootssonar oder Störgeräuschen durch Lärm wie Rammarbeiten oder Sandbewegungen. Natürlich setzt die Auswertung einige Kenntnis voraus und der Schweinswalexperte Sven Koschinski wird seine jahrelangen Erfahrung mit dieser Technologie für die GRD einbringen.
Obwohl die High-Tech Geräte Klickintensität und –dauer genau aufzeichnen und bei geeigneter Einstellung und Anzahl Aussagen über Anwesenheitsmuster, Abundanzen und Aktivitäten der Schweinswale zulassen, liefern uns die beiden T-PODs in der Weser in der Hauptsache nur Informationen über die Anwesenheit der Schweinswale. Die Aufzeichnung der Klicklaute vorbeischwimmender Schweinswale allein genügt nicht, um mehr über die Anzahl der Tiere, ihre Verbreitung, bevorzugte Gebiete oder Gründe für ihren Aufenthalt in der Weser zu erfahren. Deshalb ist eine zusätzliche visuelle Erfassung vordringlich und die GRD ist auf die Mithilfe von Walfreunden vor Ort angewiesen.
Die Suche nach den Walen in der Weser geht also weiter! Die Untere Naturschutzbehörde Brake und die Gesellschaft zur Rettung der Delphine bitten auch in diesem Jahr wieder alle Fährfahrer, Segler, Kanufahrer, Motorbootfahrer, Anwohner und Spaziergänger, die Augen offen zu halten und Schweinswalsichtungen zu melden. Auch die Weserfähre GmbH unterstützt diese Aktion, hat Informationen für ihre Passagiere auf den Fähren ausgestellt und veranstaltet einen Fotowettbewerb für das schönste Schweinswalfoto.
Zur genauen Datenaufnahme bietet die GRD einen Schweinswal-Sichtungsbogen an. Aber auch jede einfache telefonische Meldung mit Ortsangabe ist wertvoll!
Denise Wenger
In der Nordsee sind mindestens 14 Fischarten Beutetiere der Schweinswale, darunter Seezunge, Sandaal, Wittling, Kabeljau und Kliesche. Doch bei einer Verknappung dieser Beutefische weichen die Kleinen Tümmler opportunistisch auf andere Arten aus.
Dies könnte der Grund sein, warum Schweinswale weit in die Unterweser hinein schwimmen. So wird diskutiert, dass sie wandernden Fischschwärmen folgen, so z.B. der Finte, einer geschützten Fischart, die zum Laichen von der Nordsee in die Weser kommt.
Auch in der Ems und in der Elbe wurden in den letzten Jahren zunehmend Schweinswale gesichtet, so dass sich hier ein Trend abzuzeichnen scheint. Allgemein konnte in der Nordsee eine südliche Verlagerung der Schweinswalbestände festgestellt werden.
Jahrzehntelang konnten vor der niedersächsischen Küste überhaupt keine Schweinswale gesichtet werden. Deshalb ist es erfreulich, dass der Schweinswal vor Niedersachsen wieder heimisch ist und die Schweinswale auch vom Ufer der Weser aus gesehen werden können.
Andererseits gibt die die Bestandsverlagerung auch Anlass zur Sorge. Ein Zusammenbruch von Sandaalbeständen vor Schottland aufgrund von Klimawandel und Überfischung wird als Ursache dafür diskutiert. Die Bestandsverlagerung führt zu neuen Problemen für die Schweinswale, da sie in der südlichen Nordsee mit erheblichem Lärm durch Schiffsverkehr, Seismik oder Rammarbeiten beim Bau von Windparks konfrontiert werden. Auch hat der Beifang in Fischereinetzen in der südlichen Nordsee drastisch zugenommen.
Weser: Lebensraum für Schweinswale?
Einige Inseln und Flachwasserbereiche wurden bereits als wertvolle Gebiete für andere Arten (Fische, Vögel) erkannt. Vielleicht haben sie auch für die Schweinswale eine Bedeutung. Allerdings ist gerade die Unterweser stark industrialisiert und laut. Auch sind die meisten Uferbereiche so stark verbaut, dass sie als naturfern bezeichnet werden muss. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, die einen guten Zustand der Flüsse bezüglich Sauberkeit und Durchgängigkeit fordert, muss dringend umgesetzt werden.
Doch die Wasserqualität der Weser hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Aber es gibt immer noch Schwierigkeiten mit der Überdüngung oder Problemstoffen, die sich über die Nahrungskette anreichern. Zu diesen Stoffen gehören Schwermetalle und organische Schadstoffe wie Weichmacher, Pestizide oder Flammschutzmittel.
Denise Wenger
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