Seit drei Jahren ist die GRD einem Phänomen auf der Spur: Schweinswale kommen nach über 100 Jahren wieder in den großen norddeutschen Flüssen Weser, Elbe und Ems vor.

Schweinswale kommen nach über 100 Jahren wieder in den großen norddeutschen Flüssen Weser, Elbe und Ems vor.April 2009 - Für die Weser hat die GRD ein Sichtungsmeldeprogramm durchgeführt, das ergab, dass in den Monaten April, Mai und Juni Schweinswale regelmäßig im Weser-Ästuar und in der Unterweser bis hoch nach Bremen gesichtet werden.

Ebenso scheint sich eine Südverlagerung des Schweinswalbestandes in der Nordsee abzuzeichnen (SCANS-II) und auch an der deutschen Nordseeküste werden vermehrt Schweinswale gefunden. Die genauen Gründe hierfür sind noch ungeklärt, könnten aber in Zusammenhang mit einem geänderten Vorkommen der Beute (Fischvorkommen) stehen. Überfischung (Beispiel Kabeljau) und Klimawandel stehen hier zur Diskussion für die Nordsee. Im Gegensatz dazu ist die verbesserte Wasserqualität der großen Flüsse (v.a. Weser) hervorzuheben.


Verstärkt werden auch tote Schweinswale an der Küste aufgefunden. Die Todesursachen sind dabei fast immer auf den Menschen zurückzuführen. Von Dezember 08 bis Ende Februar 09 wurdenEtwa 30 Kadaver hatten eindeutig durch Messer verursachte Schnitte durch Haut und Speckschicht, einige waren teilweise skelettiert worden. über 100 verstümmelte Schweinswale an niederländischen Stränden angespült. Über 30 davon trugen eindeutig durch Messer verursachte Schnitte durch Haut und Speckschicht oder waren regelrecht zerstückelt, die Finnen abgeschnitten. Alles Zeichen dafür, dass diese Schweinswale Beifangopfer der Fischerei waren und versucht worden war, sie durch Aufschlitzen oder Zerschneiden möglichst schnell auf See zu entsorgen, um diese sinnlosen Tode geschützter Tiere zu vertuschen. Doch die Westwinde spülten zumindest diese toten Tiere an Land. Die bange Frage bleibt, wie hoch ist die Dunkelziffer, wie viele Schweinswale waren es hier insgesamt, die eine grausamen uns sinnlosen Tod in den Netzen sterben mussten und heimlich entsorgt wurden.

Kollisionen mit Schiffen als Todesursache
Kollisionen mit Schnellbooten als TodesursacheIn den Flüssen sind wir auf andere "menschliche Einflüsse" gestoßen: Spuren an etlichen Schweinswal-Todfunden am Elbe-, Ems-, und Weserufer weisen darauf hin, dass Kollisionen mit Schnellbooten als Todesursache in Betracht kommen. Wiederholt meldeten Beobachter, dass Motorboote trotz Geschwindigkeitsbegrenzungen in Flachwasserbereichen mit völlig überhöhtem Tempo sogar in Nähe von Schweinswalen gesichtet wurden.

Eine weitere Todesursache vor allem für neugeborenen Kälber ist, dass beim Ausfahren sehr großer Schiffe (zum Beispiel Ems, Meyerwerft) eine enorme Wasserverdrängung und damit einhergehende Wellenerzeugung stattfindet, durch die die noch unbeholfen schwimmenden Jungtiere einfach an das Ufer bzw. den Strand geschwappt werden, wo sie langsam und qualvoll verenden, wenn sie nicht zeitnah gefunden und gerettet werden.

Artenschutz-Projekt "Weser und deutsche Nordseeküste"
Das GRD-Artenschutz-Projekt "Weser und deutsche Nordseeküste" umfasst langfristig vor allem Freiland-Datenerhebungen zum Vorkommen der Schweinswale, Zusammentragen der Informationen über Beifangzahlen, Recherchen über Auswirkungen der Fischerei auf die Fischvorkommen und Artenspektren sowie Analyse der gewonnen Erkenntnisse in Hinblick auf gebietsbezogene Bedeutung der deutschen Nordseeküste und der großen Flüsse für die Meeressäuger. Damit einher geht die Erarbeitung und Durchsetzung adäquater Schutzmaßnahmen für die Schweinswale.
Denise Wenger

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Für die kommenden Jahre sind folgende Maßnahmen geplant:

I.: Monitoring
Das von der GRD initiierte und durchgeführte Sichtungsmeldungsprogramm wird in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde Brake umgesetzt.a) Weser: Weitergehende Untersuchungen über das Vorkommen der Schweinswale in der Weser (und teilweise auch Elbe und Ems) und die Bedeutung (der großen Flüsse) hinsichtlich Nahrungsangebot und Fortpflanzung. Das von der GRD initiierte und durchgeführte Sichtungsmeldungsprogramm wird in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde Brake umgesetzt. Alle Daten werden dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gemeldet. Die Datenerhebung erfolgt über Sichtungsmeldungen und eigens installierte Hydrophone.
Forderung und Einführung geeigneter Schutzmaßnahmen im Rahmen der FFH-Richtlinie in Zusammenarbeit mit den Unteren Naturschutzbehörden.

b) Datenerhebung über Vorkommen und Strandungen von Schweinswalen an der deutschen Nordseeküste in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer mittels Sichtungs- und Fundmeldungen

II. Recherchen
Recherche über Beifangraten von Schweinswalen durch die Haupt- und Nebenerwerbs-Fischerei an der deutschen Nordseeküste; Recherche zu Vorkommen und (Über)nutzung der (Speise-/Ziel-)fischarten.

III. Lobbyarbeit
Lobbyarbeit zum Schutz der Schweinswale z.B. bei bevorstehenden Baggerarbeiten zur Weser-Fahrrinnenvertiefung oder auch beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen (Forderung von Schutzmaßnahmen, z.B. schallmindernde Blasenvorhänge). Die hier zuständigen lokalen Behörden bzw. Die Weserfähren GmbH Bremerhaven hat auf zwei Fährschiffen Schauvitrinen installiert, um ihre Passagiere über das Vorkommen der Schweinswale zu informieren.das Bundesministerium für Umweltschutz werden informiert und Schutzmaßnahmen gefordert.

IV. Öffentlichkeitsarbeit
Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit: Förderung der Sympathie für die kleinen Meeressäuger; Hervorheben ihrer Bedeutung als besondere Attraktion, denn die kleinen Meeressäuger können von Fähren oder Deichen und sogar dem Weserufer aus gesehen werden. Durch die Förderung der Bekanntheit und Beliebtheit dieser Kleinwalart bei der lokalen Bevölkerung können Schutzmaßnahmen durchgesetzt und Problembereiche wie Lebensraumzerstörung und Beifang publik gemacht werden.

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Zur Biologie der Schweinswale

Der Schweinswal (Phocoena phocoena) gehört mit zu den kleinsten Walarten der Welt. Er ist in den Schweinswale leben ständig in deutschen Gewässern und gebären hier ihre Jungen.gemäßigt-kalten und subarktischen Gewässern der Nordhemisphäre verbreitet und hält sich meist in den Küstengewässern nicht weiter als 10 km vom Festland entfernt auf. Der sympathische Mini-Zahnwal kommt bei uns in Nord- und Ostsee vor und wird häufig von Seglern gesichtet. Für Deutschland gilt er als einzige residente Wal-Art, das heißt, nur Schweinswale leben ständig in deutschen Gewässern und gebären hier ihre Jungen.

Die kleinen Meeressäuger sind perfekt an ihr Leben im Meer angepasst, ihre Speckschicht schützt sie vor Auskühlung. Sie können bis zu etwa 220 Meter tief tauchen und über 6 Minuten die Luft anhalten. Sie sind schnelle Schwimmer, die mit ihrer Stromlinienform durchs Wasser gleiten und bei größerer Geschwindigkeit kurz mit dem ganzen Körper über der Oberfläche sind. Dabei können sie bis zu 20 km/h erreichen. Sie sind sehr wendig und kommen auch im flachen Wasser zurecht.

Auch beim Atmen kommen sie nur kurz an die Wasseroberfläche, so dass man meist nur einen kurzen Blick auf die kleine dreieckige Rückenfinne erhaschen kann.Schweinswale gelten als sehr scheu. Auch beim Atmen kommen sie nur kurz an die Wasseroberfläche, so dass man meist nur einen kurzen Blick auf die kleine dreieckige Rückenfinne erhaschen kann, bevor sie mit einer rollenden Bewegung nach vorne wieder abtauchen. Besser zu hören als zu sehen ist ihr scharfer, schnaubender Blas.

Mit ihrem Echo-Ortungssystem finden sie ihre Beute auch im trüben Wasser und können sich gut orientieren.

Nach etwa 10 Monaten Tragzeit gebären die Schweinswale (meist im Mai und Juni) ein Junges. In dieser Zeit und der darauf folgenden Zeit des Säugens halten sich die Schweinswalmütter mit ihren Kälbern in bestimmten, oft flachen oder ruhigen, Seegebieten auf. Westlich vor der Insel Sylt befindet sich eine dieser "Kinderstube" der Schweinswale, im flachen Wasser bringen sie hier ihre Jungen zur Welt. Es kommt immer wieder vor, dass die Schweinswalmütter ihre Neugeborenen in die "Obhut" eines Badenden geben, um kurz zur Nahrungssuche zu verschwinden. Das Gebiet wurde unter Schutz gestellt und ist derzeit das einzige Walschutzgebiet Deutschlands.

Auch beim Atmen kommen sie nur kurz an die Wasseroberfläche, so dass man meist nur einen kurzen Blick auf die kleine dreieckige Rückenfinne erhaschen kann.Schutzstatus:

Der Schweinswal und seine Lebensräume stehen unter dem Schutz des "Agreement on the Conservation of Small Cetaceans of the Baltic and North Seas" (ASCOBANS) und der EU-Habitat-Direktive (FFH-Richtlinie, Natura 2000). Verschiedene Aktivitäten des Menschen sind für die Schweinswale als ernste Bedrohungsfaktoren einzustufen. Die Hauptgefahr stellt die Fischerei dar. In (Grund-)Stell- und Treibnetzen (Ostsee) verfangen sich die kleinen Meeressäuger und ertrinken. Aber auch küstennahe Ressourcennutzung wie z.B. die Ölförderung oder der Bau von Offshore-Windkraftanlagen zerstören die Lebensräume der Kleinen Tümmler oder vertreiben sie temporär.

Schweinswale in den großen Flüssen – heute und vor 100 Jahren:

Seit drei Jahren konnte die GRD bestätigen, dass die Schweinswale wieder in den großen norddeutschen Flüssen Weser, Elbe und Ems vorkommen. Vor etwa 100 Jahren, zu einer Zeit als noch Jagd auf die Kleinen Tümmler gemacht wurde und durch die Industrialisierung und Bevölkerungsexplosion eine starke Verschmutzung der Flüsse (Eutrophierung, Schwermetalle, Insektizide) vorlag, verschwanden die Schweinswale aus den großen Flüssen.

Fall Weser - Wasserqualität:

Mit der zunehmenden Industrialisierung und dem Bevölkerungswachstum verschlechterte sich die Wasserqualität zunehmendBis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Weser ein sehr fischreicher Fluss. Mit der zunehmenden Industrialisierung und dem Bevölkerungswachstum verschlechterte sich die Wasserqualität zunehmend. Vor allem der erweiterte Kali-Abbau an Werra und Fulda führte zu einer starken Versalzung des Flusses.

Bis Ende der 1980er Jahre galt für die Weser Gewässergüteklasse III-IV (sehr stark verschmutzt) und streckenweise sogar IV (übermäßig verschmutzt). Durch den Bau von Kläranlagen sowie Verfahrensverbesserungen der Industrie und Reduzierung des Kaliabbaus wurde die Wasserqualität zunehmend besser und entspricht heute der Güteklasse II (mäßig belastet). Im Jahr 2001 wurde im Rahmen einer Untersuchung zum Bau einer Fischtreppe ermittelt, dass bereits wieder 28 Fischarten, darunter die bekannten Wanderfische Aal und Lachs, die Weser und ihre Nebenflüsse besiedeln und bewandern.

Dieser erneute Fischreichtum, der sich bis in die Gegenwart noch zu verbessern scheint, könnte die Ursache für die Wanderung der Schweinswale in die Weser sein, die vermutlich wandernden Fischschwärmen folgen. Anhand der Aufzeichnungen für eine geschützten Fischart, die Finte, die ebenfalls aus der Nordsee zum Ablaichen in die Weser wandert und deren Vorkommen und zeitlich-räumliche Verteilung erfasst wird, konnte eine räumlich-zeitlich deckungsgleiche Übereinstimmung des Vorkommens der adulten ablaichenden Fische mit dem Vorkommen von Schweinswalen entdeckt werden. Doch ob dies in einem Zusammenhang steht und welche Bedeutung andere Fischarten für die "Weser-Wale" haben, muss erst im Zuge weiterer Datenerhebungen ermittelt werden.

Der GRD ist der Nachweis gelungen, dass die Kleinen Tümmler jährlich in die Weser bis nach Bremen schwimmen.Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie
von 1992 verpflichtet die Bundesländer. Gebietsvorschläge zum Schutz bestimmter Lebensraumtypen sowie Habitate von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten nach Brüssel zu melden. Ausgewählte Gebiete sollen zusammen das europaweite Schutzgebietssystem Natura 2000 bilden. In dieses Projekt sind bereits einige Gebiete an der Weser (meist aus Vogelschutzgründen) eingebunden, zum Beispiel die Strohauser Plate. Bei dieser Weserinsel sind auch wiederholt Schweinswale gesichtet worden.

Da der GRD der Nachweis gelungen ist, dass die Kleinen Tümmler jährlich in die Weser bis nach Bremen schwimmen, müssen sie nun, da sie als FFH-Art gelistet sind, bei Umweltgutachten berücksichtigt werden. Für Elbe und Ems müssen weitere Daten abgeklärt werden.

Mit der bisherigen über drei Frühjahre laufenden Datenerhebung von Schweinswalsichtungen in der Weser konnten wir erste Erkenntnisse zur Habitatnutzung und zu möglichen Todesursachen gestrandeter Schweinswale gewinnen. Nun muss mehr über die gebietsweise Bedeutung der Küstengewässer und der großen Flüsse für die Kleinen Tümmler in Erfahrung gebracht werden, um adäquate Schutzmaßnahmen durchsetzen zu können.

Langfristige Ziele des Projekts sind:
- verbesserter Schutz der Schweinswale mit konkreten praktischen Schutzmaßnahmen
- Ausweisung von bevorzugten Schweinswalgebieten
- verbesserte Rettungsmaßnahmen für gestrandete Schweinswale
- positive Beeinflussung der öffentlichen Meinung und der zuständigen Behörden
- Förderung ökologischer/nachhaltiger Fischereimethoden und damit Reduktion des Beifangs,
- Förderung der Bekanntheit der Schweinswale und ihres Vorkommens in Weser, Elbe und Ems
- Förderung der Sympathie für die Kleinen Tümmler (auch bei den Fischern)
- weitere Reduktion der Gewässerverschmutzung und Maßnahmen zur Aufwertung der Habitate
Denise Wenger

Copyright Foto toter Schweniswal: Kees Camphuysen
Copyright Fotos Schweinswale: Koschinski | FjordBaelt, DK; www.fjord-baelt.dk
Copyright übrige Fotos: D. Wenger

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Schweinswalschutzprojekt Weser - Nordseeküste