Zehn Jahre sind vergangen, seit Angelika und ich im Sommer 1991 mit unserer "Solveig IV" von Australien kommend nach sechs Monaten auf See ohne Zwischenstopp in Emden einliefen und in der Stadtmitte festmachten.
Vor unserem Start in Australien hatten wir unseren Freund und Verbindungsmann in Deutschland, Hermann Fröschl beauftragt, die Gesellschaft zur Rettung der Delphine in meinem Namen zu gründen und die ersten Plakate drucken zu lassen. So grüßte uns schon das erste GRD-Poster, während wir noch beschäftigt waren, das Boot an der Pier festzumachen. In einem provisorisch aufgestellten Zelt, in dem uns eine Musikkapelle mit flotten Märschen begrüßte, stand auch die erste Spendendose für die Delfine.
So hatte alles angefangen. Am gleichen Tag noch, die Presse hatte über unsere spektakuläre Non-Stop-Fahrt berichtet, wurden wir in die Fernsehsendung "Flitterabend" von Michael Schanze eingeladen und konnten dort vor einem Millionenpublikum von den Leiden und der Gefahr der Ausrottung meiner geliebten Delfine berichten.
Ein Spendenaufruf wurde mir nicht gestattet, aber viele, viele Tierfreunde riefen beim Sender an und ließen sich die Kontonummer geben. So sammelte sich unser Startkapital. Meine Idee ging dahin, unsere gesamte Aufmerksamkeit, die wir mit unserer 16.000 Meilen-Fahrt erregen würden, für die Delfine einzusetzen.
Diese Idee erwies sich als richtig. Schon Tage später wussten Millionen von deutschen Bürgern von den bis zu 100 Kilometer langen Treibnetzen in denen jedes Jahr Hunderttausende Delfine elend zugrunde gingen.
Der Anfang warf gemacht. Treibnetze waren "über Nacht" in aller Munde. Angelika und ich wurden auf der Straße und in Geschäften angesprochen und schon wenige Tage später meldeten sich die ersten Tunfisch-Importfirmen bei mir, da der Verkauf der Konserven schlagartig eingebrochen war.
Die Händler trafen sich mit mir in Hamburg und es gelang, ein Einvernehmen zu erzielen: ich verzichtete auf weiterer Aufrufe zum totalen Boykott der Tunfisch-Konserven (die gefährlichen Treibnetze werden zum Tunfischfang eingesetzt) und die Importeure versprachen, nach Möglichkeit keinen Tunfisch mehr anzubieten, der in Treibnetzen gefangen wurde.
Das war der erste, große Erfolg. Die Importeure bemühten sich, ihr Versprechen einzuhalten und Tausende von asiatischen Fischdampfern konnten ihre Fänge nicht mehr verkaufen. So trägt Deutschland heute ganz wesentlich zur Einschränkung des Fischfanges mit Treibnetzen bei.
Darauf sind wir, die zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter der GRD und die hauptberuflich mit dem Delfinschutz bei der GRD befassten Spezialisten stolz und versprechen, auch weiterhin alles in unseren Kräften stehende für den Schutz der Meeressäuger und der Meere selbst zu tun. Getreu unserem Motto: Für Meer leben!
Ihr
Rollo Gebhard