München 2006 - Aber was bedeutet das für Delfine, die täglich bis zu 100 Kilometer weit schwimmen, bis zu 300 Meter tief tauchen, die eine ausgefeilte Fischfangtechnik, oft in der Gruppe, haben, die kommunizieren, die in starken Sozialverbänden leben, die enge Bindungen zueinander aufbauen können, die über Kommunikation und Selbsterkennen verfügen?
Ausreichend dimensioniert?
Für Delfinarien sind nach US-Standard Becken mit mindestens 9 Metern Länge und nur 1,80 Metern Tiefe vorgeschrieben. In der meist gekachelten Enge verkümmert das an die ozeanische Weitläufigkeit angepasste Echo-Ortungssystem, das die Delfine in Gefangenschaft kaum noch benutzen, weil es von den glatten Wänden mehrfach reflektiert zurückprallt.
Was ist artgerechte "Lebensqualität" bei Fütterung mit totem Fisch, der mit Wasser aufgespritzt werden muss, denn die Delfine nehmen Flüssigkeit ausschließlich über die Nahrung zu sich. Diesem Futter, das für die Delfine ""langweiligerweise" nicht gejagt werden kann, muss mit Aufbau- und Vitaminpräperaten versetzt werden, um eine annähernd ausreichende Versorgung zu gewährleisten.
Problempunkt: Chlorreinigung des Wassers
Das aggressive chemische Desinfektionsmittel setzt der Delfinhaut zu. Auch wenn Filteranlagen für die Aufbereitung des Wassers vorhanden sind, um die Fäkalien der Delfine herauszufiltern, muss in bestimmtem Maß mit Chlor desinfiziert werden.
Da Menschen, vor allem Kinder in die Becken gehen sollen, muss noch verstärkt desinfiziert werden, um pathogene (Fäkal-)Keime abzutöten. Die Delfinhaut und die Augen sind dem Chlor also fast ständig ausgesetzt.
Sozialstruktur, Altersstruktur:
Delfine sind hoch entwickelte soziale Tiere, die in Gefangenschaft in der Regel nicht artgerecht gehalten werden können. Wildfänge, egal für welche Zwecke, sind generell abzulehnen, denn hierbei sterben ca. 50 % beim Fang und innerhalb der ersten Monate in Gefangenschaft.
Die Überlebenden sind aus ihrem (bei Delfinen sehr wichtigen) Sozialgefüge herausgerissen und zeigen in Gefangenschaft nicht ihr normales Verhaltensrepertoire. Selbst die F1-Nachkommengeneration, die schon in Gefangenschaft geboren wurde, kann ihre angeborenen, natürlichen Verhaltenweisen nicht ausleben.
Vor allem besteht keine Möglichkeit zur Flucht und zum Ausweichen bei Rangordnungsauseinandersetzungen. Manchmal
kommt es deshalb auch zu Aggressionen unter den Tieren, die nicht immer glimpflich ausgehen.
Dies gilt auch für die manche Therapieeinrichtungen und vor allem die "Schwimm-mit-Delfinen und Streichel-Schwimmprogramme" (Petting Pools), bei denen uns sogar Meldungen über verletzte Besucher vorliegen, die von gestressten Delfinen hart geschubst oder zurückgedrängt wurden. Wie Pilze aus dem Boden sind in den letzten Jahren solche Einrichtungen (vor allem in Schwellenländern) geschossen, denn hier ist sehr viel Geld im Spiel.
Auch wenn es sich um die F1-Generation handeln sollte, so wird doch die Nachproduktion verfügbarer Delfine angeheizt und in Ländern ohne strenge Bestimmungen wie z.B. Kuba, werden freilebende Delfine gefangen und dann die Nachzucht versucht, um Nachschub zu gewährleisten. Bis zu 100.000 Dollar kann für einen Großen Tümmler gezahlt werden.
Therapien mit Haustieren den Vorzug geben
So sehr wir auch jegliche delfintherapeutische Hilfe denjenige zugute kommen lassen möchten, die sie benötigen, so ist die Delfintherapie doch in vielerlei Hinsicht sehr umstritten und zu hinterfragen. Ohne die Verdienste der Delfine und einiger Therapeuten abstreiten zu wollen, besteht doch die berechtigte Frage, inwiefern bestimmte Therapieerfolge nicht auch mit Haustieren erzielt werden können oder mit gezielter Therapie im warmen Wasser. Auch hier sind sehr gute Erfolge verzeichnet.
Denise Wenger