Petting Pools - Delfine zu Tode gestreichelt

Jedes Jahr strömen Hunderttausende Besucher zu den vier "Dolphin Petting Pools" (Delfin-Streichelzoos) der US-Sea-World-Parks. Dort kann man in speziellen Beckenanlagen gehaltene Große Tümmler erst füttern und dann streicheln. Ein Liebesbeweis mit schwerwiegenden Folgen, die Meeressäuger degenerieren zu aggressiven Fressmaschinen.

Petting-Pool im Sea-World-Orlando, Florida, dicht von hektisch mit einem kleinen Fisch herumfuchtelnden Touristen umlagertDer Petting-Pool im Sea-World-Orlando, Florida, ist dicht von hektisch mit einem kleinen Fisch herumfuchtelnden Touristen umlagert. Elf Delfine tummeln sich am Beckenrand, beißen Artgenossen weg, springen und schnappen nach den hingehaltenen Fischen. Eine Kakophonie aus Kindergeschrei, "come here Flipper"-Rufen und Delfingezirpe heizt die Atmosphäre mächtig an.

Das Geschäft ist lukrativ, allein der Fischverkauf bringt in der Hauptsaison einige Tausend Dollar täglich. Und so dürfen die Besucher schalten und walten, es gibt kaum Kontrollen, geschweige denn ein Einschreiten des Personals bis auf einige Extremsituationen, wo sich Menschen zu sehr in Gefahr begeben.

Viele verdutzte Streichelfans wenden sich mit schmerzverzerrtem Gesicht von ihrem Flipper ab, weil dieser, der ewigen Lockerei überdrüssig, ihnen grob in die Hand gebissen hatViele verdutzte Streichelfans wenden sich mit schmerzverzerrtem Gesicht von ihrem "Flipper" ab, weil dieser, der ewigen Lockerei überdrüssig, ihnen grob in die Hand gebissen hat. Wegen mehrerer Unfälle stellte der Gulf-World-Park in Panama City Beach, Florida, 1993 die öffentlichen Delfinfütterungen ein, sieben weitere Parks schlossen ihre Pools.

Wohlgemeinte Ratschläge der Pool-Wächter gehen im Lärm hoffnungslos unter. Dabei können die Gräten eines zerrissenen Fisches Schlund und Magen eines Delphins ernsthaft verletzen, ein als Lockmittel eingesetzter Pappbecher kann die Magenöffnung verstopfen und ihn töten. "Klar gibt es hier Gefahren", sagt ein Sea-World Mitarbeiter, "aber man sollte bedenken, dass diese Objekte auch in der freien Natur ins Wasser fallen. Wir bitten unsere Gäste, nichts in den Pool zu werfen".

Nach einer unvollständigen Statistik lebten 1995 88 Große Tümmler in den Sea-World-Parks, 1998 waren es schon 106. Etwa 75 bis 80 Prozent von ihnen werden in den Pools eingesetzt. "Wir wollen den Menschen die Gelegenheit geben, Delfine hautnah zu erleben", heisst es von Sea-World. Das bedeutet bis zu 14 Stunden täglich Fisch ohne Ende, Tausende, die sie streicheln, ihnen Finger oder Gegenstände ins Blasloch stecken. Immer wieder werden Plastikbecher, Dosen, Sonnenbrillen und andere Gegenstände ins Becken geworfen, um die Delfine anzulocken.

In den Pools fehlt es an angemessen Fluchtmöglichkeiten"Diese Objekte können über Monate im Magen des Tieres sein, bevor eine Vergiftung oder ein Geschwür entsteht. Dann ist es aber fast schon zu spät, um sie zu entfernen oder die Krankheit zu heilen. Oberste Priorität sollte daher sein, daß potentiell gefährliche Gegenstände zu keiner Zeit in die Nähe der Tiere gebracht werden", fordert der Tierarzt Dr. Jay Sweeney.

Der massive Kontakt mit den Menschen und die dauernde Bombardierung mit Lärm führt zu enormem Streß und aggressiven Verhaltensstörungen. "Bei unterlegenen Tieren treten mit der Zeit krankhafte Symptome wie Magengeschwüre, Schwächung des Immunsystems mit dadurch verursachten lebensbedrohlichen Infektionen auf", so Dr. Sweeney.

In den Pools fehlt es an angemessen Fluchtmöglichkeiten. Zwar gibt es in drei der vier Sea-World-Parks ein Rückzugsareal, doch ist dieses nicht blick- und schon gar nicht lärmgeschützt. Das Design der Anlagen dient mehr dazu, kritischen Besuchern die Illusion einer artgerechten Umgebung zu vermitteln, als den Tieren tatsächlich eine solche zu verschaffen.

Nach einer unvollständigen Statistik der US-Meeresfischereibehörde sind seit ihrem Bestehen mindestens 125 Delfine in den Sea-World-Parks gestorben, wieviele davon dem Streichelstress erlagen ist nicht bekannt. Die Betreiber halten die Zahlen unter Verschluss.
© 1999, Ulrike Kirsch & Ulrich Karlowski

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